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Zürich: 650 Jahre eidgenössisch

Karte des Gebiets Zürich in Form eines Löwenkopfes (1698).

Am 1. Mai jährt sich das Bündnis der Reichsstadt Zürich von 1351 mit den Innerschweizer Orten zum 650. Mal. Wurden frühere Jubelfeiern mythisch überhöht, so hat die spätere Forschung einem heroischen Geschichts-Verständnis jede Grundlage entzogen.

Dieser Inhalt wurde am 01. Mai 2001 - 10:43 publiziert

Runde Zahlen eignen sich vortrefflich, um Feste zu feiern. Das ist auch dieses Jahr im Kanton Zürich nicht anders. Zürich gibt für das Jubiläum insgesamt 1,15 Millionen Franken aus. Höhepunkt wird der offizielle Festakt in der Halle des Zürcher Hauptbahnhofes am 6. Juli mit dem nachfolgenden "Züri-Fäscht" übers Wochenende.

Gegen falsche Geschichtsbilder

Die 500-Jahr-Jubelfeier von 1851 - die erste zum Bündnis von 1351 - und die 600-Jahr-Feier vor 50 Jahren standen ganz im Zeichen eines Zürcher Beitritts zur Eidgenossenschaft als gezielter Akt und zum gemeinsamen Kampf gegen die äussere Bedrohung. Schützenaufmärsche, historische Umzüge und Festversammlungen bildeten dazu den passenden Rahmen.

Mit dem druckfrischen Band "Zürich 650 Jahre eidgenössisch", herausgegeben vom Staatsarchiv des Kantons Zürich und der Zentralbibliothek, tut der Kanton diesmal alles, damit bei den Feierlichkeiten keine falschen Geschichtsbilder auftauchen. Einen weiteren Beitrag dazu liefert eine Ausstellung der Zentralbibliothek Zürich.

Bund als Verlegenheitslösung

1351 schloss die Reichsstadt Zürich den Schutzbund mit den eidgenössischen Orten Uri, Schwyz, Unterwalden und Luzern. Bis 1353 wurden dann Zug und Glarus (durch Zürich) Bünde aufgezwungen und schliesslich der Bund mit Bern geschlossen - zur acht-örtigen Eidgenossenschaft. Diese wurde dann bis 1513 zur dreizehn-örtigen Eidgenossenschaft ausgebaut.

Im Jubiläumsband wird Zürich als mittelalterliche Reichsstadt gezeichnet, die 1351 aus einer vorübergehenden Krisenlage und Isolation heraus - eher zufällig die Ahnlehnung an die Innerschweiz suchte. Die Wirren unter dem Bürgermeister Rudolf Brun hatten das damalige Kräftespiel zwischen Habsburg-Österreich und dem Kaiserreich - von dem Zürich lange Zeit trefflich profitierte - gründlich aus dem Gleichgewicht gebracht.

Der Anschluss an die Waldstätte war jedoch alles andere als naheliegend. Clausdieter Schott stellt ihn im Jubiläumsband - aus Sicht des isolierten Zürich - denn auch als "zweitrangige" Wahl dar. Bessere Lösungen waren nicht in Sicht. Die Bünde Zürichs und Berns mit dem damals kaum beachteten Bündnis der Waldstätte von 1291 werden in der neueren Forschung als eigentliche Anfänge der Eidgenossenschaft verstanden.

Zum Freiheitskampf verklärt

Deren weitere Entwicklung verlief dann aber alles andere als gradlinig. Kaum war der "Hauskrach" Zürichs mit Österreich und dem Kaiser wenige Jahre später ausgestanden, trat die Bedeutung der "Notgemeinschaft" der Eidgenossen für Zürich klar in den Hintergrund. Die Limmatstadt reaktivierte ihre alten Beziehungen zu Kaiser, Habsburg und süddeutschen Städten und brauchte die Eidgenossen immer weniger.

Erst Mitte des 15. Jahrhunderts zwangen die politischen Ereignisse Zürich endgültig zur Einbindung in die Eidgenossenschaft. Nicht zufällig nahm in jener Zeit die sich hartnäckig behauptende mythische Geschichtsschreibung über die Anfänge des Bundes ihren Anfang. Die lose und zufällige Anbindung Zürichs an die Waldstätte von 1351 wurde zur gemeinsamen Befreiungsgeschichte vor dem Erbfeind Österreich verklärt.

swissinfo und Franco Baumgartner (sda)

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