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Zu wenig Vertrauen in die Jugend

Schweizer Jugend: zu wenig gefordert, zu wenig gefördert. Keystone

Kinder und Jugendliche sind das Kapital der Zukunft. In der Schweiz werden sie aber von den Erwachsenen oft zu wenig ernst genommen und ihr Potential wird unterschätzt.

Dieser Inhalt wurde am 26. Juni 2007 - 14:55 publiziert

Eine Studie des Schweizerischen Nationalfonds empfiehlt deshalb der Politik und den Erwachsenen, die Jugend mehr zu unterstützen und ihre ungenutzten Fähigkeiten besser zu fördern.

Dies sind die wichtigsten Schlussfolgerungen des Nationalen Forschungsprogramms "Kindheit, Jugend und Generationenbeziehungen im gesellschaftlichen Wandel" (NFP 52), das in Bern vorgestellt wurde.

Besser als ihr Ruf

Aus den insgesamt 29 Forschungsprojekten der letzten vier Jahre resultierte etwa, dass die Mehrheit der Heranwachsenden entgegen der vorherrschenden Meinung ein hohes Mass an Mitgefühl und eine grosse Bereitschaft besitzt, in ihrem Leben Verantwortung zu übernehmen.

Diese Erkenntnis werde aber von Erwachsenen, beispielsweise in Scheidungsverfahren, nicht genügend wahrgenommen. Die Regelung des Sorgerechts erfolge teilweise zu stark aus dem Blickwinkel der Eltern und berücksichtige die Interessen des Kindes zu wenig.

So zeigte eine Untersuchung in den Kantonen Zürich und beider Basel gemäss den Forschern, dass nur ein Drittel der betroffenen Kinder zur Anhörung vor Gericht geladen und nur ein Zehntel tatsächlich angehört wurde - nach Aussagen der Kinder oft mangelhaft.

Die Wissenschafter empfehlen deshalb, die Gesetzgebung zu revidieren und die elterliche Sorge nach einer Scheidung bei beiden Elternteilen zu belassen.

Ungleiche Chancen

Kindern von ausländischen und finanziell schwachen Eltern mit geringem Bildungsstandard ist laut der Studie die Zukunft auf ein besseres Leben oft verbaut. Eine besondere Risikogruppe machten die Forscher bei Jugendlichen aus dem ehemaligen Jugoslawien aus.

Das widerspreche dem Prinzip der Chancengleichheit und verstosse gegen die UNO-Konvention über die Rechte des Kindes. Wenn Kinder in ihrer ersten Lebensphase benachteiligt würden, überschatte dies ihre ganze Biografie, erklärten die Forscher vor den Medien in Bern.

Um die Chancengleichheit zu erhöhen, fordert die Leitungsgruppe des Forschungsprogramms in der Broschüre "Impulse für eine politische Agenda" eine Anpassung der kantonalen Schulsysteme und der Stipendienwesen.

Unterschätzte Armut

Zudem werde die Armut von kleinen Familien mit ein bis zwei Kindern unterschätzt, hiess es weiter. Es sei somit nicht sicher, ob die bedürftigsten Kinder auch tatsächlich unterstützt würden.

Das Forschungsteam empfiehlt der Konferenz für Sozialhilfe, die gegenwärtigen Beurteilungskriterien zu überprüfen und den tatsächlichen Verhältnissen anzupassen.

swissinfo und Agenturen

In Kürze

Der Bundesrat hatte im Jahr 2000 den Schweizerischen Nationalfonds mit der Durchführung des NFP 52 beauftragt.

Es ging darum, Forschungslücken hinsichtlich inter-generationellen und rechtlichen Aspekten zu schliessen.

Dem 2003 gestarteten und auf vier Jahre angelegten Forschungsprogramm standen für 29 Projekte 12 Mio. Franken zur Verfügung.

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Kinder in der Armutsfalle

Fast ein Drittel der Sozialhilfebezüger in der Schweiz ist unter 18 Jahre alt. Damit sind Kinder und Jugendliche besonders häufig von Armut betroffen, wie die Sozialhilfestatistik 2005 vom Bundesamt für Statistik (BFS) zeigt.

Speziell gefährdet sind Kinder Alleinerziehender und kinderreicher Familien. Geschiedene oder ledige Paare beziehen häufiger Sozialhilfe als Verheiratete.

Vor allem Jugendlichen ohne Berufsausbildung droht die Abhängigkeit vom Staat: 70% der 18- bis 25-jährigen Sozialhilfebezüger haben keine Ausbildung.

2005 haben in der Schweiz 237'000 Personen Sozialhilfe erhalten. Damit stieg die Sozialhilfequote im Vergleich zum Vorjahr von 3 auf 3,3%.

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