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Zivilschutz feiert 50-jähriges Bestehen

Der Zivilschutz hat sich modernisiert. Keystone

Verteidigungsminister Samuel Schmid würdigte am Samstag die Konstanz des Zivilschutzes. Entwickelt im Kalten Krieg, geht es heute um Notlagen.

Dieser Inhalt wurde am 19. November 2004 - 15:45 publiziert

Für 95% der Bevölkerung gibt es inzwischen antiatomaren Schutz in Bunkern. Im Katastrophenfall schützt der Zivilschutz die Bewohner der Schweiz.

Der Zivilschutz sei kein Sprinter, sondern ein Langstreckenläufer, denn er ermögliche "ein langes Durchhalten bei Katastrophen und in Notlagen". Mit diesen Worten hat Bundesrat Samuel Schmid am Samstag in Bern den Zivilschutz gewürdigt.

Der Vorsteher des Departements für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) bezeichnete den Zivilschutz an der Feier zum 50-jährigen Bestehen des Schweizerischen Zivilschutzverbandes (SZSV) als "ausdauernden Pfeiler des Verbundsystems Bevölkerungsschutz".

Gedanke in der Öffentlichkeit verbreitet

Dem SZSV und dessen Pionieren dankte Schmid für ihre Aufbauarbeit und für die Verbreitung des Zivilschutzgedankens in der Öffentlichkeit.

Das Jubiläum wurde im Berner Rathaus, dem seinerzeitigen Gründungsort, begangen. Im Namen des Kantons Bern überbrachten Polizei- und Militärdirektorin Dora Andres und für die Stadt Bern Ursula Begert, Direktorin für Öffentliche Sicherheit, Grussworte zum Jubiläum.

Von den rund 120'000 Zivilschutzleistenden sind 14'000 im SZSV organisiert. Aufgeteilt ist der SZSV in 17 Kantonalverbände. Zentralpräsident ist der Berner Nationalrat Walter Donzé.

Nicht mehr in erster Linie Atomkrieg

270'000 Zivilschutzräume - so viele wie sonst kaum auf der Welt - zeugen in der Schweiz von der Epoche des Kalten Krieges. 50 Jahre nach seiner Gründung hat der SZSV jedoch nicht mehr den Atomkrieg im Auge.

Seit am 21. November 1954 in Bern der Schweizerische Bund für Zivilschutz (SBZ), der heutige SZSV, gegründet wurde, sind Milliardensummen in Zivilschutzräume und andere Infrastrukturen investiert worden.

Spuren des Kalten Krieges

Der Kalte Krieg hinterliess in der ganzen Schweiz seine Spuren: "Ein Schutzraum für jeden Schweizer und jede Schweizerin" lautete während Jahrzehnten die Zielvorgabe.

Wie viel Geld in den Bau von Zivilschutzräumen investiert worden sei, lasse sich aber kaum beziffern, sagt Moritz Boschung, Informationschef beim Bundesamt für Bevölkerungsschutz.

Private, Gemeinden, Kantone und Bund hätten zu verschiedenen Zeiten unterschiedlich grosse Beiträge an den Bau von Schutzräumen bezahlt.

Sicher ist: Es geht um Beträge in Milliardenhöhe. So wurden laut einer Medienmitteilung des SZSV aus dem Jahr 1984 jährlich rund 500 Millionen Franken für den Zivilschutz ausgegeben. Diese Summe bezieht sich allerdings auf die gesamten Aufwendungen für den Zivilschutz.

Über 95 Prozent der Bevölkerung untergebracht

Heute existieren in der Schweiz insgesamt 270'000 Schutzräume. Über 95 Prozent der Bevölkerung könnte im Ernstfall darin untergebracht werden, sagt Boschung. Nur skandinavische Länder wie Finnland oder Schweden könnten da einigermassen mithalten.

Zudem steige der Bestand mit der Bautätigkeit weiter an, sagt Boschung. In Gegenden mit einer grösseren Bautätigkeit stünden schon heute für die ganze lokale Bevölkerung Unterkünfte zur Verfügung. Wo nicht genügend Schutzplätze vorhanden seien, müssten diese bei Neubauten eingeplant werden.

Zu den Schutzräumen kommen 3500 so genannte Schutzanlagen. Dabei handelt es sich um Kommandoposten, geschützte Sanitätsstellen oder geschützte Spitäler, die im Ernstfall die Führungsfähigkeit gewährleisten sollen.

3000 Plätze unter dem Comptoir Lausanne

Im Minimum muss ein Schutzraum 8 Quadratmeter gross sein. In dieser Auslegung bietet er fünf bis sechs Personen Platz. Es gibt jedoch auch riesige Schutzräume für tausende von Leuten. Einer der grössten befindet sich laut Boschung in der Einstellhalle des Comptoir Lausanne. Er weist rund 3000 Plätze auf.

Seit einiger Zeit würden aber nicht mehr derart grosse Schutzräume gebaut. Heute strebe man Unterkünfte mit 50 bis 200 Plätzen an. Diese seien weitaus einfacher zu verwalten, so Boschung weiter.

Andere Prioritäten

Trieb die Angst vor dem Atomkrieg vor dem Fall der Mauer teilweise seltsame Blüten, setzt der SZSV heute andere Schwerpunkte. Primär richtet er seine Arbeit auf Katastrophen, Notlagen und Terrorakte aus. Bewaffnete Konflikte spielen nur noch eine sekundäre Rolle.

Entsprechend wurde der Zivilschutz seit 1990 auch fortlaufend verkleinert. Statt 520'000 Personen im Jahr 1989 beträgt der Personalbestand heute noch 120'000.

Ausserdem wurde der Zivilschutz in den Bevölkerungsschutz integriert, zu dem auch die Polizei, die Sanitätsdienste, die Feuerwehr und technische Betriebe wie etwa Elektrizitätswerke gehören.

swissinfo und Agenturen

Fakten

Aufbietbarer Personalbestand im Zivilschutz:
1989: 520'000
2004: 120'000
Anzahl der Zivilschutz-Räume: 270'000
Der Zivilschutz wurde am 21. November 1954 gegründet.
Seither kostete er Milliarden von Franken.
Das Jahresbudget 1984 zum Beispiel betrug 500 Mio. Franken.

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