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Wohin mit dem Atommüll?

Der Wellenberg: Idealer Lagerstandort für Atommüll oder bedrohte Idylle? Keystone

Nidwalden stimmt am 22. September über den Bau eines Sondierstollens am Wellenberg ab.

Dieser Inhalt wurde am 17. September 2002 - 10:57 publiziert

Geht es nur um geologische Abklärungen, wie die Befürworter behaupten, oder um einen ersten Schritt zum Bau eines Atommüll-Lagers, wie die Gegner befürchten?

Ist der Wellenberg bei Wolfenschiessen im Kanton Nidwalden der "ideale Lager-Standort" für schwach- und mittelradioaktive Abfälle, wie Energieminister Moritz Leuenberger dies sagte?

Die Genossenschaft für nukleare Entsorgung Wellenberg (GNW) will mit Probebohrungen am Berg in dieser Frage Klarheit schaffen. Allerdings kann sie diese Sondier-Bohrungen nur mit der Zustimmung des Nidwaldner Stimmvolkes durchführen.

Die Nidwaldner Bevölkerung ist in der Wellenberg-Frage gespalten, die Stimmung entsprechend aufgewühlt und explosiv. Peter Steiner, Stanser Landrat und Präsident des Komitees für eine Mitsprache des Nidwaldner Volkes bei Atomanlagen (MNA), spricht von einem "sehr heftigen Abstimmungskampf".

2. Anlauf am Wellenberg

Die Nidwaldner Bevölkerung hat bereits 1995 über einen Sondierstollen abgestimmt und sich mit gut 52% dagegen ausgesprochen. Allerdings war damals der Sondierstollen an den Bau eines Endlagers gekoppelt.

Aus der Niederlage von damals hat die GNW nun ihre Lehren gezogen: Beim zweiten Anlauf vom 22. September wird nur über den Sondierstollen abgestimmt.

Das sei reine Salami-Taktik, kritisiert Peter Steiner vom MNA. "Wir hegen den bestimmten Verdacht, dass wir uns jetzt zum letzten Mal zu diesem Werk äussern können."

Mit einem Ja werde kein Präjudiz für ein Lager geschaffen, kontern hingegen die Befürworter eines Sondierstollens.

Das Wellenberg-Konzept

Laut GNW-Geschäftsführer Armin Murer käme der Bau eines Sondierstollens auf 100 bis 120 Mio. Franken zu stehen. Die Bohrungen würden 7 bis 8 Jahre dauern.

Obwohl es vorerst nur um die Konzession für einen Stollenbau geht, besteht bereits ein Lager-Konzept. Vorgesehen ist ein "kontrolliertes geologisches Langzeitlager".

Die schwach- und mittelradioaktiven Abfälle mit einer Halbwertszeit von 30 Jahren würden in einer Tiefe von zirka 1,5 km in praktisch wasser-undurchlässigem Gestein gelagert.

Wellenberg - das einzige Szenario

Die Definition der Halbwertszeit von 30 Jahren ist allerdings hart umstritten: MNA-Präsident Steiner spricht von einer Täuschung, da der grosse Anteil der Stilllegungs-Abfälle weit über diesen 30 Jahren liege. "Das Problem ist von einer grösseren zeitlichen Dimension."

Sollte das Nidwaldner-Volk ein zweites Mal Nein sagen, so Michael Aebersold, stellvertretender Leiter der Sektion Kernenergie im Bundesamt für Energie, dann sei der Wellenberg gestorben.

"Das würde bedeuten, dass das schweizerische Entsorgungs-Programm um viele Jahre, wenn nicht um Jahrzehnte, zurückgeworfen würde." Eine Alternative zum Standort Wellenberg gibt es nicht.

A propos Solidarität

Energieminister Moritz Leuenberger gab an einer Informations-Veranstaltung der Nidwaldner Regierung seiner Hoffnung Ausdruck, dass sich die Stimmberechtigten des Kantons mit dem eidgenössischen Anliegen solidarisch zeigten.

Dem entgegnet Peter Steiner vom MNA, dass Nidwalden vom schweizerischen Atomstrom nur 0,3% verbrauche. 99,7% würden in den übrigen Kantonen verbraucht. "Da scheint mir der Anspruch von Solidarität doch etwas überspannt."

Verantwortung(slosigkeit)

Das Kernenergie-Gesetz sieht die Entsorgung in der Schweiz vor. Deshalb seien Interesse und Druck gross, dass man sowohl für die schwach- und mittelaktiven wie auch für die hochaktiven Abfälle Lösungen suche und in der Schweiz realisiere, betonte Michael Aebersold vom BFE.

Die Lagerung im Berg sei zu verantworten, sagte Armin Murer von der GNW. "Es ist sicher die einzige heute bestehende Form, um diesen Abfall zu beseitigen." Zudem schreibe der Schweizer Gesetzgeber eine geologische Tiefenlagerung vor.

Der Wellenberg, der nach Abschluss der Standortwahl 1993 zur bestmöglichen Variante erkoren worden war, eignet sich laut Murer besonders für eine Lagerung atomarer Abfälle. Er bestehe aus einem Kalk-Ton-Mergel, der sehr dicht und praktisch Wasser undurchlässig ist.

Peter Steiner plädiert für einen Ausstieg aus der Atomenergie und kritisiert die Atompolitik der Schweiz, die sich seit 1986 geografisch auf ein halbes Prozent des schweizerischen Staatsgebietes konzentriere:

"Es ist meines Erachtens verantwortungslos, nur in diese eine Richtung zu gehen und das kleine Volk von Nidwalden in die Knie zu zwingen."

swissinfo, Gaby Ochsenbein

Fakten

Am 22. September 2002 stimmt der Kanton Nidwalden über den Bau eines Sonderstollens am Wellenberg ab.
Am 25. Juni 1995 hatten sich 52% gegen einen Stollen und ein Endlager ausgesprochen.
Der Wellenberg ist aktuell die einzige Variante.
Die Bohrungen würden 100 bis 120 Mio. Franken kosten und rund 8 Jahre dauern.

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