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Zu Gast bei der Luftfahrtausstellung in Berlin

Flugzeugbegeisterte Besucher in Berlin-Schönefeld. Keystone

Die Schweiz ist in diesem Jahr Gastland bei der Internationalen Luftfahrtausstellung in Berlin, die am Dienstag im Beisein von Bundespräsidentin Doris Leuthard eröffnet wurde.

Dieser Inhalt wurde am 08. Juni 2010 - 16:44 publiziert

Dienstag, kurz vor 14 Uhr. Die Patrouille Suisse zeigt am Himmel über Berlin mit Donnerlärm ihre aviatischen Kunststücke. Von einer Plattform beobachtet Bundespräsidentin Doris Leuthard die Darbietung der Schweizer Luftwaffe.

Vermittelt die Kunstflugstaffel im Ausland jenes Image der Schweiz, das sich die Bundespräsidentin wünscht? "Es ist ein kleines Element", sagt Leuthard auf die Frage von swissinfo.ch, "aber ein Gutes. Die Patrouille Suisse steht für Technik und für Präzision."

Leuthard ist mit dem Bundesratsjet, ­einer Falcon 50, nach Berlin geflogen, um an der Eröffnung der Internationalen Luftfahrtausstellung (ILA) am Dienstag teilzunehmen. Die ILA ist neben Farnborough (GB) und Le Bourget (F) eine der drei grossen europäischen Leistungsschauen der Flugzeugindustrie.

Zusammen mit Merkel

Am Eröffnungstag macht Leuthard zusammen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel einen Rundgang durch die Ausstellungshallen. Um 12 Uhr treffen sie am Schweizer Gemeinschaftsstand in Halle 7 ein. Lukas Braunschweiler, Chef der Ruag Holding, der auch im zivilen Sektor tätigen Waffenschmiede des Bundes, begrüsst die Bundeskanzlerin.

Er zeigt ihr das Modell einer Do 228, eines zweimotorigen Turboprop-Flugzeugs, das die Ruag in diesem Jahr auf den Markt bringt. Merkel erkundigt sich nach der Passagierzahl und erfährt, dass 19 Personen in der Maschine mitfliegen können. Dann zieht die Karawane weiter. Zwei Minuten hat der Stopp gedauert.

Die Ruag (weltweit 7500 Mitarbeiter; 1,7 Mrd. Franken Umsatz) ist einer der grossen Schweizer Aussteller in Berlin. Die Do 228 ist eines ihrer Vorzeigestücke. Das Flugzeug ist die modernisierte Version einer Dornier.

Die Ruag hatte sich den Flugzeugbauer aus dem deutschen Oberpfaffenhofen nach dessen Insolvenz vor zehn Jahren einverleibt. Künftig wird die technisch aufgerüstete Dornier von Küstenwachen, zur Umweltüberwachung oder für Transporte im zivil oder militärischen Bereich eingesetzt.

Kooperationsvertrag Ruag - EADS

Die Präsenz an der ILA diene der "Pflege der internationalen Grosskunden", sagt Braunschweiler zu swissinfo.ch. Am Mittwoch will die Ruag einen Kooperationsvertrag mit dem europäischen Luftfahrt- und Rüstungskonzern EADS unterzeichnen.

Der Vertrag soll der Ruag den Status als MRO-Partner -­ als Partner für Wartung, Reparatur, Überholung und Endmontage ­- sichern für den Fall, dass sich die Schweiz beim Ersatz des Tiger-Kampfjets dereinst für den Eurofighter von EADS entscheiden sollte. Ähnliche Verträge hat die Ruag schon früher mit den beiden Konkurrenzanbietern Dassault (Frankreich) und Saab (Schweden) unterzeichnet.

Noch bevor die Schweiz überhaupt über den Kauf eines neuen Kampfflugzeugs entschieden hat, wird mit den Anbietern schon heftig um die Gegengeschäfte gefeilscht. Diese können für Schweizer Unternehmen zu einträglichen Geschäften führen.

Beispielsweise für die Revue Thommen AG (90 Mitarbeiter; 16 Mio. Fr. Umsatz) aus Waldenburg (Baselland). Die Firma stellt Cockpitinstrumente (wie Höhenmesser, Geschwindigkeitsmesser, Borduhren), Air-Data-Computer zur Verteilung von Fluginformationen sowie Suchscheinwerfer für Helikopter her.

Kauft die Schweiz einen Kampfjet, könnte die Firma entweder ihre Geräte dort einbauen, oder gegebenenfalls von einem Gegengeschäft profitieren, sagte Ralf Kaiser, Verkaufsleiter Europa und Asien, in Berlin.

Gut zwei Dutzend Schweizer Unternehmen nehmen an der ILA in Berlin teil. Das ist jedes zweite Schweizer Unternehmen, das im Bereich der Flugzeugindustrie tätig ist. "Eine kleine, aber feine Industrie", meinte bei der ILA-Eröffnungspressekonferenz Thomas Enders, Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie, welche die ILA ausrichtet.

Zahlreiche Nischen im Flugzeugmarkt

Der weltweite Flugzeugmarkt bietet für Schweizer Unternehmen manche Nischen.

Die Sauter Bachmann AG (150 Mitarbeiter, 35 Mio. Fr. Umsatz) in Netstal (Glarus) setzt in ihrer Strategie auf einen neuen Boom der Zivilluftfahrt. "Chinesen und Inder beginnen zu reisen. Wir sehen in der zivilen Luftfahrt das Wachstum, trotz der Delle während der letzten ein, zwei Jahre", sagt Martin Sauter.

Er ist Verwaltungsratspräsident des Unternehmens, das Zahnräder und Getriebe für Triebwerke und Verstellmechanismen, zum Beispiel für Flugzeugklappen, herstellt. Laut Sauter ist die ILA ideal, um Kunden aus Deutschland und Osteuropa anzusprechen.

Ein Zukunftsmarkt ist die Luftfahrt auch für die Otto Suhner Holding AG in Brugg (weltweit 700 Mitarbeiter; 95 Mio. Fr. Umsatz), die an der ILA Schleif- und Poliergeräte, flexible Wellen für den Antrieb (zum Beispiel von Scheibenwischern) und Bohrroboter (für die Flugzeugproduktion) präsentiert.

Suhner vertreibt seine Produkte an Hersteller und Wartungsfirmen. Bisher macht die Sparte Aviatik ("Aviation expert") erst einen kleinen Teil des Umsatzes aus. Das soll sich mit dem Stand an der ILA ändern: "Wir sind in der Aufbauphase", sagt Suhner-Mitarbeiter Daniel Allenbach.

Benedikt Vogel, swissinfo.ch, Berlin

Schweizer Luft- und Raumfahrtindustrie

Die Schweizer Luft- und Raumfahrtindustrie umfasst laut Peter Dietrich, Direktor von Swissmem, dem Verband der Schweizer Maschinen-, Elektro- und Metall-Industrie, 50 Unternehmen mit 4500 Beschäftigten.

Rechnet man die Wartungsfirmen und Zulieferer hinzu, sind es 200 Betriebe mit 10 000 Beschäftigten.

Im Jahr 2008 setzte die Branche rund drei Milliarden Franken um.

Im Zuge der Wirtschaftskrise im letzten Jahr brach der Umsatz auf 2,5 Mrd. Franken ein.

Deutschland ist für den exportstarken Schweizer MEM-Sektor das wichtigste Abnehmerland.

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