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Ungebrochene Gold-Nachfrage

Das gelbe Metall erlebt ein goldenes Zeitalter, gilt es doch in wirtschaftlich unsicheren Zeiten wie diesen als sicherer Hafen. Keystone

Der Schweizer Franken gilt auch als sicherer Hafen. Gold jedoch bricht alle Rekorde. Die Preisspirale, die nach dem 11. 9. 2001 in Gang gesetzt wurde, wird sich weiterdrehen, sagt Frédéric Panizutti, Vizepräsident des Genfer Gold-Handelsunternehmens MKS Finance.

Dieser Inhalt wurde am 21. August 2011 - 17:00 publiziert
Pierre-Francois Besson, swissinfo.ch

Diese Meinung teilen nicht alle, und gewisse Kreise prophezeien das baldige Platzen der Gold-Blase. Das Gold hat in den letzten Tagen die Schallmauer von 1800 Dollar pro Unze (ca. 31 Gramm) touchiert. Seit Anfang dieses Jahres hat das Edelmetall seinen Kurswert um über 20% erhöht.

swissinfo.ch: Weshalb ist Gold ein sicherer Hafen?

Frédéric Panizzutti: Alle Werte, die Sie heute kaufen können - Anleihen, Aktien, Währungen - haben ein Kreditrisiko. Gold ist einer der wenigen Geldwerte ohne Schuldner-Gläubiger-Beziehung. Die einzigen Risiken sind Preis- und Fluktuationsrisiken.

Gold ist zudem ein weltweit akzeptierter Wert, der gegen jede Art von Währung eingetauscht werden kann. Und das macht es zu einem sicheren Zufluchtsort.

swissinfo.ch: Gold bricht historische Preisrekorde. Würden Sie von einer Blase sprechen?

F. P.: Es geht nicht darum, die Frage zu stellen, ob das Gold seinen Preis wert ist oder nicht. Es hat seinen Wert, weil die Leute es zu diesem Preis kaufen. Das Grundproblem ist der Mangel an Risikoanlagen auf den internationalen Märkten.

Bei Währungen, wie dem Dollar oder dem Euro, sind die Börsenmärkte skeptisch. Auch Obligationen sind von den aktuellen und zukünftigen Börsennotierungen betroffen. Um das Risiko zu reduzieren und zu diversifizieren, interessieren sich Einzelpersonen wie Regierungen für Gold. Sie kaufen es nicht um des Goldes wegen, sondern weil es nichts anderes zu kaufen gibt.

swissinfo.ch: Wie erklärt sich diese Nachfrage nach Gold?

F.P.: Die Käufer können in drei Gruppen eingeteilt werden: Schmuck, Spekulation und Ersparnisse, die unter dem Blickpunkt der Sicherheit oder Flucht angelegt werden. Die grösste Fluchtbewegung ist jetzt klar: Es ist das physische Gold. Das ist die einzige Möglichkeit, das Kreditrisiko zu vermeiden. Kaufen Sie dagegen institutionelles Gold [zum Beispiel ETF-Fonds, Futures oder Aktien eines Goldförderungsunternehmens], haben Sie immer ein Risiko.

Ein weiterer grosser Teil der Goldkäufe erfolgt nicht-physisch, auch aus Spekulationsgründen. Schmuck dagegen ist nicht verantwortlich für die derzeitige Hausse am Markt.

swissinfo.ch: Wer kauft Gold?

F. P.: Jede und Jeder. Dies hat in den letzten Jahren den Markt verändert. Vor einigen Jahren wurde Gold von einigen Spezialisten gehandelt, vor allem für Investoren und Händler, aber auch für Juweliere. Heute ist Gold sehr populär. Jedermann, auf der ganzen Welt, kauft Gold.

swissinfo.ch: Wo und wie kauft man heute Gold?

F.P.: Für das physische, reale Gold variiert die Situation von Land zu Land. Grossverbraucher wie Indien, der Mittlere Osten und Asien sind gut organisiert. Dort ist der Zugang zu Gold recht einfach, gibt es doch Käufer und Verkäufer an praktisch jeder Strassenecke.

In Europa wurde es vor ein paar Jahren immer schwieriger, an physisches Gold heranzukommen. Aber dank der grossen Nachfrage in den letzten Jahrzehnten sind viele Verkaufsstellen eingerichtet worden. Dadurch ist Gold wieder leichter erhältlich geworden – bei kleinen Fachgeschäften sowie Banken, von denen sehr viele reales Gold am Schalter verkaufen. Das System wurde der Nachfrage angepasst.

swissinfo.ch: Wann erlebte das Gold seine Wiedergeburt?

F.P.: Ende der 80er- und in den 90er-Jahren befanden wir uns in einem Trend, in dem etliche Nationalbanken Teile ihrer Goldvorräte verkauften. Gründe dafür waren damals die hohen Lagerkosten, mangelnde Leistungsfähigkeit, finanzielle Stabilität. Damals galt Gold nicht mehr als notwendige finanzielle Reserve.

Mit den Anschlägen vom 11. September 2001 kam Panik in den Markt. Dieses Ereignis war für den Umbruch verantwortlich. Die Marktakteure haben sich dem Gold zugewendet, und die Zentralbanken verzichteten langsam auf dessen Verkauf. Dann folgte eine Krise auf die andere bis zur aktuellen, die das Gefühl verstärkte, Gold sei eine Risikoversicherung gegen Märkte in der Baisse.

Heute befinden sich auch die Zentralbanken unter den Käufern, wie ihre Bilanzen belegen. Viele Zentralbanken horten einen grossen Teil ihrer Währungsreserven in US-Dollar (Währung, Anleihen, Aktien). Eine der einfachsten Möglichkeiten, um diese Abhängigkeit zu reduzieren, ist der Kauf von Gold und der Verkauf von Dollar. Klar gibt es noch andere Währungen, aber die Zahl jener, denen ein Grossteil des Marktes vertrauen könnte, ist sehr limitiert.

swissinfo.ch: Gab es schon mal einen solchen Goldboom wie heute?

F.P.: Nein, ausser vielleicht während der dramatischen Kursentwicklung in den 1980er-Jahren (ein Zeitraum, in dem Inflation und geopolitische Unsicherheit herrschte). Es ist schon so, dass Gold in der Geschichte wahrscheinlich mehr gute als schlechte Zeiten erlebt hat. Die Kurse wurden zwar nicht festgehalten, aber wir können trotzdem sagen: Das Gold befindet sich auf dem Höhepunkt.

Und da die Faktoren für eine Zunahme weiter existieren, können wir davon ausgehen, dass sich der Anstieg fortsetzen wird, wenn sich die Situation in der Euro-Zone und der amerikanischen Industrie nicht radikal verändert.

Orientierung

Anfänge: Gold wird in der Schweiz seit prähistorischen Zeiten als Schmuck und für Verzierungen verwendet. Seit der Kelten- und Römerzeit wird es auch bei der Münzprägung eingesetzt. Weiter gilt es als Tauschobjekt und als Mittel zum Horten.

 

Industrie: Seit dem 15. Jahrhundert, als das städtische Bürgertum sich gerne mit Schmuck, Kunst- und Haushaltgegenständen aus Gold umgibt, lässt es diese von lokalen Handwerkern herstellen. Die Schmuck- und Uhrenproduktion, die sich in Genf im 15./16. Jahrhundert etabliert, und später im ganzen Jurabogen, verarbeitet grosse Goldmengen.

 

Währungen: Im 19. Jahrhundert braucht es nach der Einführung der Banknoten weniger Goldmünzen. Aber Gold ist der Massstab für die Festlegung des Wertes der Währungen im internationalen Währungssystem (Gold Standard). Ein solches System war in der Schweiz zwischen 1946 und 1971 in Betrieb.

(Quelle: Historisches Wörterbuch der Schweiz)

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Altgoldmarkt

"Wir haben heute eine starke Nachfrage, die den verfügbaren Bestand an Gold überschreiten kann", sagt Frederic Panizzutti. "So, geht der Preis nach oben. Aber es gibt eine ganze Menge Gold, das im Umlauf ist."

Die Frage stelle sich nur zeitweise: "Mit einer plötzlich steigenden Nachfrage, die sich über einige Tage oder Monate erstrecken kann, ist es möglich, dass Gold mal in nicht ausreichender Menge erhältlich ist. Aber es gibt auch ein danach." Sehr oft, wenn der Goldpreis steige, beobachte man einen grosses Anstieg von Altgoldverkäufen.

"In den letzten Monaten haben wir viel weniger Altgold gesehen, vermutlich, weil der Preis weiter steigt und potentielle Verkäufer in diesem Aufwärtszyklus nicht verkaufen."

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