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Signe Krogstrup: "Unser Ziel ist ein stabiler Wechselkurs"

Danmarks Nationalbank

In Europa liegt die Teuerung mit 4,1 Prozent deutlich über dem Zielwert von 2 Prozent. Das interessiert Signe Krogstrup, Gouverneurin der Dänischen Nationalbank, aber nur wenig. Weshalb das so ist, erklärt sie im swissinfo.ch Geldpolitik-Podcast "Geldcast". 

Dieser Inhalt wurde am 29. November 2021 - 10:15 publiziert
Fabio Canetg

"Wir haben kein Inflationsziel", sagt Signe Krogstrup, Gouverneurin der Dänischen Nationalbank, "unser Ziel ist ein stabiler Wechselkurs."

Mit diesem Ansatz tanzt die dänische Zentralbank ziemlich aus der Reihe. Die US-Zentralbank Fed, die Europäische Zentralbank (EZB) und die Schweizerische Nationalbank (SNB) haben alle ein Inflationsziel: Um rund zwei Prozent sollen die Preise jährlich steigen. Die dänische Zentralbank versucht, die dänische Krone stabil zu halten bei 7.46038 pro Euro – plus/minus 2,25 Prozent.

Darum führte Dänemark ein Wechselkursziel ein

Eingeführt wurde das dänische Fixkurs-Regime im Jahr 1982. Zuvor hatte Dänemark wiederholt probiert, die Wirtschaft mit Abwertungen zu stimulieren. Eine Abwertung führt dazu, dass die heimischen Exporte im Ausland günstiger werden. "Das stimuliert die Wirtschaft aber nur einmal", sagt Krogstrup. Danach würden die Märkte weitere Abwertungen erwarten. Die Folge sind makroökonomische Ungleichgewichte, wie das Beispiel aus Dänemark zeigt: "Bevor Dänemark den Wechselkurs fixierte, waren die Arbeitslosigkeit und die Inflation sehr hoch", so Krogstrup.

Danmarks Nationalbank

Haben sich diese Zahlen durch das Wechselkursziel verbessert? Kurzfristig nicht, so Krogstrup. Sie spricht von "hohen Kosten", die zu Beginn der neuen Wechselkursstrategie zu tragen waren. Ein Grund dafür war, dass Schweden nur einen Monat nach der dänischen Wechselkursfixierung seine Währung abwertete. Das verteuerte die dänischen Güter in Schweden – und es machte die schwedischen Konkurrenzprodukte auf dem europäischen Markt günstiger. "Mittelfristig war die Ausrichtung am Wechselkurs aber mit signifikanten Vorteilen verbunden", sagt Krogstrup heute. Es habe zum Beispiel dazu geführt, dass die inländischen Preise während Jahren stabil blieben.

2015: Das Wechselkursziel wackelt

In ernster Gefahr war das Wechselkursziel der dänischen Zentralbank nur einmal: Im Januar 2015. Damals hat die Schweizerische Nationalbank überraschend ihren Mindestkurs gegenüber dem Euro aufgehoben. In der Folge wetteten internationale Investoren darauf, dass auch die dänische Zentralbank eine Aufwertung der Krone zulassen würde.

"Wir hatten damals eine extrem hohe Nachfrage nach dänischen Kronen", sagt Krogstrup. Um das Wechselkursziel zu verteidigen, druckte die "Danmarks Nationalbank" rund 300 Milliarden Kronen – umgerechnet etwa 42 Milliarden Franken. Einen Monat lang habe die Zentralbank intervenieren müssen, um den Kurs zu stabilisieren, so Krogstrup. Danach habe der Druck wieder nachgelassen.

Was wäre passiert, wenn die Zentralbank deutlich mehr Geld hätte aufwenden müssen, um das Wechselkursziel zu verteidigen? Das sei überhaupt kein Thema gewesen, sagt Krogstrup: "Ich bezweifle, dass wir ein politisches Problem bekommen hätten, wenn wir noch stärker interveniert hätten." Dänemark habe vom Wechselkursziel profitiert und es geniesse eine sehr breite Unterstützung, so Krogstrup.

Karriere in der Schweiz

Krogstrup ist eine Expertin für Währungsfragen. Studiert hat sie zur Jahrtausendwende am renommierten "Graduate Institute" in Genf. "Die ökonomische Theorie war dort kein Selbstzweck, sondern ein Instrument, um die beste Politik für die Gesellschaft zu machen", sagt Krogstrup. Inspiriert habe sie damals Charles Wyplosz; er ist heute emeritierter Professor und Gründungsmitglied des SNB-kritischen "SNB-Observatoriums".

Danmarks Nationalbank

Nach dem Doktorat und einer mehrjährigen Lehrtätigkeit am "Graduate Institute" wechselte Krogstrup im Jahr 2007 zur Schweizerischen Nationalbank. Dort wurde sie Redenschreiberin für den späteren SNB-Präsidenten Philipp Hildebrand. "Ich hatte zu Beginn keine Ahnung, wie man Reden schrieb", sagt Krogstrup und lacht. Doch sie hat schnell gelernt: Bereits 2011 wurde sie Vize-Direktorin in der Abteilung "Geldpolitische Analysen". In dieser Funktion war sie beteiligt bei der Einführung des Schweizer Mindestkurses – "indirekt", wie sie heute sagt. Sie müsse etwas vage bleiben, so Krogstrup, könne aber versichern, dass vor der Einführung der Kursuntergrenze "sehr viel und sehr gute analytische Arbeit" gemacht worden sei bei der Nationalbank.

Den grössten geldpolitischen Unterschied zwischen der Schweiz und Dänemark sieht Krogstrup bei den Wechselkurs-Aussichten: "Beim Schweizer Franken gibt es Unsicherheit darüber, wo der künftige Wechselkurs liegen wird", so Krogstrup. "Diese Unsicherheit gibt es in Dänemark nicht."

Hier geht es zum Geldcast mit Signe Krogstrup in voller Länge. Das Gespräch wurde auf Englisch geführt.

Das Gespräch finden Sie auch auf SpotifyExterner Link, Apple PodcastsExterner Link und in der Geldcast-Sammlung von swissinfo.ch:

Autor Fabio CanetgExterner Link hat an der Universität Bern und an der Toulouse School of Economics zum Thema Geld­politik doktoriert. Heute ist er Dozent MAS an der Universität Bern. Als Journalist arbeitet er für die SRF Arena, das Republik Magazin und swissinfo.ch. Er moderiert den Geldpolitik-Podcast "GeldcastExterner Link".

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