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Neue Zuversicht auf dem Tessiner Finanzplatz

Credit Suisse auf der Piazza Riforma in Lugano: Das Wehklagen vom Finanzplatz Tessin war verfrüht. Keystone

Als im Dezember des vergangenen Jahres die dritte italienische Steueramnestie auslief, waren apokalyptische Töne vom Finanzplatz Tessin zu hören. Doch mittlerweile hat die Musik ziemlich gewechselt.

Dieser Inhalt wurde am 22. Januar 2010 - 13:34 publiziert

Laut der Bank BSI haben viele italienische Kunden von der juristischen Repatriierung Gebrauch gemacht. Auch Grossbanken konnten offenbar mehr Geld halten als zuerst vermutet.

Seit Monaten wird heftig über die italienische Steueramnestie (Scudo fiscale) und ihre Auswirkungen auf den Finanzplatz Tessin gestritten. Die Kantonsregierung malte den Teufel an die Wand und war gar zum einem Krisengipfel nach Bern gereist. Die Christlichdemokratische Partei (CVP) des Kantons Tessin verlangte 50 Millionen Franken Schadenausgleich von Bundesbern.

Der italienische Finanzminister Giulio Tremonti feierte Ende Dezember die Amnestie, die mittlerweile bis April verlängert wurde, als grossen Erfolg. 95 Milliarden Euro seien nach Italien repatriiert worden, davon 98% effektiv. Laut italienischen Medien stammten 80% aus der Schweiz, vorab aus dem Tessin.

Diese Zahlen stehen allerdings in Kontrast mit neuen Erklärungen aus der Tessiner Bankenwelt. Demnach haben wesentlich mehr Italiener als bisher angenommen den Weg der so genannten "juristischen Repatriierung" eingeschlagen.

Vertrauensbeweis

In einem Interview mit der Zeitung Finanz und Wirtschaft erklärte Alfredo Gysi, CEO der Bank BSI mit Sitz in Lugano: "Viele unserer Kunden, (…), haben von der Möglichkeit der juristischen Repatriierung Gebrauch gemacht und lassen ihre versteuerten Vermögenswerte via italienische Treuhandgesellschaften weiterhin in der Schweiz verwalten."

Weit über die Hälfte der neu deklarierten Kundenvermögen sei bei der BSI geblieben. Die Bank wertet dies als Vertrauensbeweis und die Wertschätzung des Angebots.

Aufhorchen liess zudem die Aussage Gysis, wonach dank einem günstigen Marktumfeld die dritte Steueramnestie die Schweizer Banken weniger hart getroffen habe als die "Scudi" der Jahre 2001 und 2003.

Finanz und Wirtschaft

erklärte Alfredo Gysi, CEO der Bank BSI mit Sitz in Lugano: "Viele unserer Kunden, (…), haben von der Möglichkeit der juristischen Repatriierung Gebrauch gemacht und lassen ihre versteuerten Vermögenswerte via italienische Treuhandgesellschaften weiterhin in der Schweiz verwalten."

Weit über die Hälfte der neu deklarierten Kundenvermögen sei bei der BSI geblieben. Die Bank wertet dies als Vertrauensbeweis und die Wertschätzung des Angebots.

Aufhorchen liess zudem die Aussage Gysis, wonach dank einem günstigen Marktumfeld die dritte Steueramnestie die Schweizer Banken weniger hart getroffen habe als die "Scudi" der Jahre 2001 und 2003.

Wahrheit in der Mitte

Bestätigt wird dieser Befund durch die Schätzungen einer Studie von Morgan Stanley, die dieser Tage vom Giornale del Popolo publiziert wurde. Demnach konnten auch die Grossbanken UBS, Credit Suisse und Julius Baer 60 bis 65% der Gelder, die über die Amnestie in Italien legalisiert wurden, in der eigenen Vermögensverwaltung behalten.

War also alles gar nicht so schlimm? Hat man in Hinblick auf den Abfluss von Kundengeldern masslos übertrieben? Franco Citterio, Direktor der Tessiner Bankiervereinigung (ABT), relativiert. "Die Amnestie hat sicherlich Spuren hinterlassen, aber vielleicht nicht so katastrophal wie zuerst vermutet."

Laut Citterio können die Konsequenzen je nach Kreditinstitut auch sehr unterschiedlich ausgefallen sein. Die grossen Kreditinstitute mit eigenen Niederlassungen in Italien hatten wohl einen Wettbewerbsvorteil gegenüber kleineren Banken.

Bankfilialen geschlossen

Tatsächlich lassen sich einige negative Entwicklungen auf dem Finanzplatz Tessin nicht wegdiskutieren. Mehrere Banken haben im Jahr 2009 wegen mangelnder Rentabilität ihre Filialen im Tessin geschlossen, namentlich die Privatbank Sal. Oppenheim, Anker Bank, Fortis, Privatbank IHAG und Ras Private Bank (Suisse).

Zudem machte die Aston Bank in Lugano Ende 2009 Konkurs. Die Finanzmarktaufsicht (Finma) verfügte ihre Schliessung. Allerdings war dem Entscheid ein Verfahren wegen Betrug, Urkundenfälschung und Unterschlagung vorausgegangen.

Gegen den Trend läuft die Entwicklung bei Wegelin & Co. Die Privatbank hat ihre Geschäftstätigkeit im Tessin ausgeweitet und im Jahr 2009 in Chiasso eine neue Filiale eröffnet. Sie war bereits in Lugano und Locarno präsent.

Mehr Klarheit im Februar

Wie es um den Finanzplatz Tessin wirklich steht, sollte sich im Februar klären. Die Bankiervereinigung fertigt bis zu diesem Zeitpunkt eine Studie an, welche die Auswirkungen der italienischen Steueramnestie präzis darlegen soll.

Zudem werden im Februar die Banken ihre Bilanzen 2009 veröffentlichen. Am 9. Februar ist die UBS an der Reihe, am 11. Februar die Credit Suisse Gruppe.

Auf mehr Klarheit warten auch die Politiker. Luganos Stadtpräsident Giorgio Giudici meint gegenüber swissinfo.ch: "Die Situation präsentiert sich zur Zeit sehr ambivalent."

Gerhard Lob, Lugano, swissinfo.ch

Finanzplatz

Der Bankenplatz im Tessin zählt zirka 70 Kreditinstiute. Lugano ist nach Zürich und Genf der drittgrösste Finanzplatz der Schweiz. Zirka 15'000 Personen arbeiten im Tessin in der Banken- und Treuhandbranche. Es wird geschätzt, dass im Tessin 400 Milliarden Franken an Vermögen verwaltet werden.

Die Finanzbranche erwirtschaftet zirka 17% des kantonalen BIP. Seit 1950/1960 ist die Finanzbranche konstant gewachsen. Vor allem Italiener bringen ihr Geld ins Tessin, um es dort off-shore verwalten zu lassen. Viele dieser Gelder sind in Italien nicht deklariert oder erst im Rahmen der jüngsten Amnestien angemeldet worden.

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Abgeltungssteuer

Die Schweizer Banken leiden unter dem Dünkel, Anlaufstellen für Steuerhinterzieher zu sein und Schwarzgelder zu verwalten.

Um den Kritikern den Wind aus den Segeln zu nehme, schlägt die Schweizerische Bankiervereinigung das Konzept der Abgeltungssteuer "Rubik" vor. Damit plant der Finanzplatz einen Befreiungsschlag aus der Kontroverse über die Schwarzgelder.

Demnach würde eine Steuer auf die verwalteten Gelder erhoben und den Herkunftsstaaten der Konteninhaber anonym zugeführt. Die Staaten kämen so in den Besitz der Steuergelder, die Kunden könnten aber ihre Diskretion beibehalten. "Vom Steuerparadies zum Paradies der Privacy", lautet das Motto.

Begleitet werden soll die Einführung einer Abgeltungssteuer von einem neuen Geschäftsmodell der Banken, bei dem nur noch steuerehrliche Gelder entgegengenommen werden.

Noch ist nicht klar, ob die EU-Staaten auf einen Vorschlag dieser Art eingehen. Die EU möchte lieber den automatischen Informationsaustausch.

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