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Fastweb in Schräglage

Fastweb ist erst seit 2009 in den schwarzen Zahlen. Diese Zeit könnte schon wieder vorbei sein. Keystone

Swisscom wusste beim Kauf von Fastweb im Jahr 2007 von den Steuerhinterziehungs-Vorwürfen gegen ihre italienische Tochtergesellschaft, Die jüngsten Entwicklungen haben den Schweizer Telekom-Riesen trotzdem überrascht.

Dieser Inhalt wurde am 25. Februar 2010 - 17:04 publiziert

Sind die Auslandinvestitionen der Swisscom mit einem Fluch belegt? Fakt ist, dass sich der frühere Bundesbetrieb (er gehörte bis 1988 dem Bund) in den letzten 15 Jahren wiederholt die Finger verbrannt hat. Die Engagements in Indien, Ungarn, Malaysia und Deutschland erwiesen sich allesamt als gewaltige Flops.

So endete zum Beispiel der 1999 getätigte Kauf der deutschen Debitel fünf Jahre später mit einem Verlust von 3,3 Milliarden.

Bei Fastweb schienen sich die Dinge anfangs besser zu entwickeln. Vor ein paar Tagen präsentierte die Swisscom ein sehr gutes Jahresergebnis 2009 für ihre italienische Tochter. So stieg der Umsatz um 8,5% auf 1,8 Mrd. Euro. Auch die Aussichten auf das Jahr 2010 wurden als rosig geschildert.

Ungeheurer Betrug

Aber die Vergangenheit holt sie doch ein: Am Dienstag wurde Fastweb zusammen mit Sparkle Telecom (im Besitz von Telecom Italia) vorgeworfen, einen der ungeheuersten Betruge der Geschichte gegen die italienische Staatskasse begangen zu haben. Untersuchungsrichter Aldo Morgigni stellte Haftbefehle für 56 Personen aus.

Zudem wurden Hausdurchsuchungen bei mehreren Banken und Treuhandgesellschaften in den Kantonen Genf und Tessin durchgeführt, wie aus dem Büro des italienischen Generalstaatsanwaltes verlautete.

Im Rahmen der Untersuchungen zu Betrug und Geldwäsche kursieren unter anderen die Namen von Fastweb-Gründer Silvio Scaglia, der sein Unternehmen 2007 an die Swisscom verkaufte sowie der derzeitige CEO von Fastweb, Stefano Parisi, und der italienische Senator Nicola Di Girolamo von Ministerpräsident Silvio Berlusconis Regierungspartei Poplo della Libertà (Volk der Freiheit). Dabei geht es auch um Wahlbetrug unter Auslanditalienern. Die kalabrische Mafia 'Ndrangheta soll sich illegal Blanko-Stimmzettel für Wahlen in Italien besorgt und dann den Namen des Senators eingetragen haben.

Die Vorfälle sollen sich zwischen 2003 und 2007 zugetragen haben. Die Verdächtigen sollen eine komplexe Geldwäscherei eingerichtet haben: Mit einer Reihe von fiktiven Geschäften mit dem Kauf und Verkauf von internationalen Handy-Interkonnektionsleistungen mit einem geschätzten Wert von fast 2 Mrd. Euro.

Dieses System, das via 'Ndrangheta und Briefkastenfirmen in Italien und dem Ausland abgewickelt wurde, ermöglichte es, den Fiskus um rund 360 Mio. Euro zu betrügen.

Der derzeit im Ausland weilende Scaglia bekräftigtr, er hätte mit dieser Sache nichts zu tun. Für den nationalen Anti-Mafia-Staatsanwalt Piero Grasso aber zeigen die beschlagnahmten Dokumente, dass die Fastweb-Führung Kenntnis von diesen betrügerischen Machenschaften gehabt haben musste.

Swisscom verlangt rasche Aufklärung

In einer am Mittwoch publizierten Mitteilung hat die Muttergesellschaft Swisscom darauf hingewiesen, dass ihr bei der Übernahme von Fastweb im Jahr 2007 die Vorwürfe wegen angeblicher Steuerhinterziehungen für den Zeitraum von 2003 und 2006 bekannt waren.

Dabei hatte sich die Swisscom hatte sich auf zwei Berichte von Steuerberatungsunternehmen gestützt, wonach diese Vorwürfe angefochten worden seien und Fastweb eine Mehrwertsteuer-Rückerstattung gefordert habe. Im Kaufangebot hätte Swisscom das Risiko berücksichtigt, dass die italienische Justiz diese Beträge nicht zurückzahlen werde.

Der Mehrwertsteuer-Betrug war also bekannt, aber der Geldwäscherei-Vorwurf hat das Schweizer Unternehmen offenbar doch weitgehend unvorbereitet getroffen. Swisscom sprach sich für "eine rasche Klärung der Vorwürfe" aus und kündigte gleichzeitig ihre volle Unterstützung bei der Untersuchung an.

Fastweb hat Dienstagnacht erklärt, seit Anfang 2007 sei kein Geschäft mit dem Verkauf von Dienstleistungen internationaler Verbindungen mehr gemacht worden. Dies hätte immer einen untergeordneten Teil der Firmenumsatzes ausgemacht, etwa 1%.

Das Unternehmen betonte auch, dass in Bezug auf diese Ereignisse bereits externe Prüfungen durchgeführt worden seien, welche die korrekte Leitung des Unternehmens bestätigen würden.

Zwangsverwaltung?

Die Staatsanwaltschaft in Rom hat beantragt, Fastweb und Telecom Sparkle unter Zwangsverwaltung zu stellen. Der zuständige Richter wird darüber nach Anhörung beider Parteien entscheiden.

Laut Swisscom würde diese Massnahme die Fortsetzung der operativen Tätigkeiten der Firma nicht beeinträchtigen

"Da der Dienst von öffentlichem Interesse ist, können sie ihn nicht stoppen", sagt ein Branchenexperte, der anonym bleiben will. "Das Gesetz erlaubt der Magistratur nicht, Entscheidungen zu treffen, welche den Wert des Unternehmens beeinträchtigen. Ein Konkurs ist daher ausgeschlossen."

Wenn die Zwangsverwaltung eingeführt würde, könnte der Kommissar jedoch eine Verlangsamung der technologischen Innovationkapazität bestimmen, die sich auf das Wachstum auswirken könnte.

Es dürfe nicht vergessen werden, dass Fastweb sich über Jahre in roten Zahlen bewegte. Erst 2009 wurde mit einem Gewinn abgeschlossen.

Damit könnte die von der Swisscom vor einer Woche vertretene Erwartung, Fastweb hätte in den nächsten Jahren eine jährliche Wachstumsrate von 6,5% zu erreichen, von kurzer Dauer gewesen sein.

Zumal die Swisscom in einem Bericht zum Schluss kommt, dass sich das starke Wachstum der vergangenen Jahre in Bezug auf Breitband-Verbindungen in Italien angesichts der sich abzeichnenden Abschwächung der Wirtschaft abflachen könnte.

Der Traum von der Expansion ins Ausland könnte sich erneut in einen Alptraum verwandeln.

Daniele Mariani, swissinfo.ch
(Übertragung und Adaption aus dem Italienischen: Etienne Strebel)

Glasfasern in Italien

Fastweb wurde 1999 vom Finanzier Francesco Micheli und Silvio Scaglia gegründet. Scaglia ist heute einer der reichsten Männer in Italien.

2007 startete Swisscom ein Übernahmeangebot für mehr als 82% des Grundkapitals in Höhe von 5,1 Mrd. Fr. und einer Nettoverschuldung von 1,8 Mrd. Euro.

In den letzten Jahren hat sich Fastweb zu den wichtigsten italienischen Unternehmen im Bereich der Glasfaser-Kommunikation entwickelt. Es bietet zusätzlich zu Internet-Dienstleistungen auch einen Festnetz-Telefonie-Zugang und einen TV-Dienst und ein Mobiltelefonie-Angebot.

2009 hielt das Unternehmen 13% der Anteile am Breitbandmarkt in Italien. Telecom Italia hielt 57%. Ihr Netzwerk erstreckt sich über 90% des italienischen Territoriums.

Zwischen 2009 und 2009 hat sich die Zahl der Fastweb-Breitbandanschlüsse von 1,48 Mio. auf 1,64 Mio. erhöht. (Gesamtzahl in Italien: 12 Mio., +9,7%). Der Fastweb-Umsatz stieg um 8,5% auf 1,8 Mrd. Euro.

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