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Willisau 2005: Schweiz, Europa, Woodstock

jazzwillisau.ch

Das 31. Jazz Festival bringt während vier Tagen zeitgenössischen Jazz, Electronica und Rock aus den Hippie-Tagen ins Luzerner Hinterland.

Dieser Inhalt wurde am 01. September 2005 - 15:02 publiziert

Fehlende Sponsoren aus der Privatwirtschaft sind für den international hochgelobten Anlass inzwischen ein Dauerproblem.

Willisau auf der Weltkarte, das heisst in erster Linie und seit mehr als 30 Jahren: Avantgarde-Jazz. Das Jazz Festival – eine Institution im europäischen Festivalkalender – ist in den Jazzkreisen von Tokio und New York so bekannt wie das Matterhorn in Tourismuskreisen.

Seit 1975 setzt der Organisator Niklaus Troxler auf eine eigenständige Programmation, fernab vom musikalischen Mainstream und unabhängig von den grossen Sommertourneen der amerikanischen Stars.

Die Krux des Sparens

Troxlers Sache ist die Avantgarde der freien improvisierten Musik, sind Elektronik- und Crossover-Pioniere und die einstigen Rebellen und heutigen Väter der jüngeren Jazzgeschichte.

Dass sich solch ein Festival weder als Touristik-Event noch als wertschöpfendes Standort-Marketing-Element eignet, liegt auf der Hand. So ringt Troxler seit je auch um die Finanzierung. Der künstlerische Direktor sucht Sponsoren. 30 Jahre Kontinuität sind in der Schweizer Kulturlandschaft keine Garantie für eine gesicherte Finanzplanung.

Vor sechs Jahre liess eine Schweizer Grossbank Willisau fallen. Vor einem Jahr stieg ein Lebensmittelverteiler als Hauptsponsor aus. Damals hatte Troxler laut darüber nachgedacht, auf sein Festival zu verzichten. Einen neuen Hauptsponsor hat Troxler in der Zwischenzeit zwar noch keinen gefunden. Das Festival findet aber trotzdem statt.

Schweizer Musiker im Zentrum

"Ja, ich weiss", lacht Niklaus Troxler, "aber ich habe Überbückungs-Lösungen gefunden und Einsparungen vorgenommen." So findet dieses Jahr erstmals keine Begleit-Ausstellung im Rathaus statt. "Und in andern Jahren habe ich jeweils eine Big-Band extra nach Willisau eingeflogen, diesmal nicht."

In den Hauptkonzerten treten nun konsequent nur zwei Formationen auf. "Früher habe ich jeweils beispielsweise noch ein Piano-Solo dazwischen programmiert."

Die Gesundschrumpfung hat also Auswirkungen auf das Programm, "aber nicht auf die Qualität", wie Troxler im Gespräch mit swissinfo unterstreicht. Auffallend ist die Präsenz von einheimischen und europäischen Musikern an einem Festival, an dem während Jahren die afro-amerikanische "Great Black Music" mehr als nur ein Farbtupfer war.

Schwerpunkt Electronica

"Die schweizerische und die europäische Szene waren noch nie so stark wie heute", betont Organisator Troxler und weist darauf hin, dass Willisau seit jeher auch europäische Musiker im Programm hatte.

Die Öffnung auf verschiedene Crossover-Tendenzen mit Bezügen zur Improvisierten Musik setzt Troxler fort. Neu ist die "Late Spots"-Reihe unter dem Motto "Jazz meets Electronica" nach den Hauptkonzerten. Das Musiker- und Produzententeam Ephrem Lüchinger und Manuel Rindlisbacher trifft dabei auf Silvercity Bob, Burhan Oecal und Dani Koenig.

Eine Konzession an den Zeitgeist? "Ich habe in diese Zusatzreihe investiert, weil ich damit rechne, dass sie auch ein jüngeres Publikum bringt."

Don Cherry: Hommage an den World-Music Pionier

An den Schnittpunkten zwischen Jazz, Ambient, Noise, Electronica, Blues und Rock agieren auch die französisch-schweizerische Band "Ladyland" des Trompeters Eric Truffaz, das Trio Koch-Schütz-Studer mit den Gästen Phil Minton and Joey Baron und das Trio des Bieler Klarinettisten Lucien Dubuis mit dem Gitarristen Marc Ribot.

Eher der Jazztradition nach Coltrane verpflichtet sind die Saxophonisten Joe Lovano und Dave Liebmann und das Duo des polnischen Trompeters und Meister-Melancholikers Tomasz Stanko mit dem Pianisten Bobo Stenson.

"In the spirit of Don Cherry" ist eine Hommage an den 1995 verstorbenen Free-Jazz- und World-Music-Pionier Don Cherry des Pianisten und Vibraphonisten Karl Berger, der bereits 1964 mit Cherry zusammengearbeitet hatte. Der 70-jährige Berger hat auch als Direktor des renommierten Creative Music Studios in Woodstock, N.Y., massgebend zur Entwicklung der freien Spielformen des Jazz beigetragen.

"Young Gods" zum Abschluss

Die Legende "Woodstock" bildet dieses Jahr den Schlusspunkt. Mit den Genfer Sampling- und Elektronik-Pionieren "The Young Gods" wird zum ersten Mal eine Rockband auf der Festivalbühne stehen.

"Der Film 'Woodstock' aus dem Jahr 1969 wird auf eine Riesenleinwand vor der Bühne projiziert", erläutert Troxler das Projekt. "Die 'Young Gods' werden dazu die Songs von The Who, Grateful Dead oder Jimmy Hendrix aus ihrer Spielhaltung spielen."

Dass er damit seine eigene Tradition bricht und das Festival nicht mit einem Bezug zur Jazzgeschichte abschliesst, nimmt der 58-jährige Ehrenbürger von Willisau gelassen. "Musikalisch kommen wir doch alle aus der Woodstock-Epoche."

swissinfo, Andreas Keiser

In Kürze

Das 31. Jazz Festival Willisau findet vom 1. – 4. September in der Festhalle Willisau statt.

Auf der Hauptbühne treten an sechs Konzerten 13 Formationen auf.

Neu ist ist die "Late Spots"-Reihe unter dem Motto "Jazz meets Electronica" an drei Abenden (Donnerstag, Freitag und Samstag) nach den Hauptkonzerten.

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