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Weihnachtsorkane brachten der Schweiz Tod und Verwüstung

Der schwerste Orkan seit Menschengedenken hat über Weihnachten in der Schweiz Tod und Verwüstung angerichtet. Mindestens elf Menschen kamen ums Leben. Die Schäden an Gebäuden, Infrastruktur und Wald sind gewaltig.

Dieser Inhalt wurde am 26. Dezember 1999 - 07:45 publiziert

Der schwerste Orkan seit Menschengedenken hat über Weihnachten in der Schweiz Tod und Verwüstung angerichtet. Mindestens elf Menschen kamen ums Leben. Die Schäden an Gebäuden, Infrastruktur und Wald sind gewaltig. Der Verkehr kam am Stefanstag weitgehend zum Erliegen.

Das Orkantief fegte an Weihnachten und am Stefanstag in mehreren Wellen von Westen her über die Schweiz hinweg. Am verheerendsten waren die Folgen des Orkans "Kurt" am Sonntag: Acht Menschen wurden von umstürzenden Bäumen und von Dachteilen getötet.

Im Skigebiet von Crans-Montana zerschellte eine mit fünf Menschen besetzte Gondel auf der Skipiste, nachdem im Sturm ein Baum auf die Kabel der Bahn gestürzt war. Ein Insasse war auf der Stelle tot. Zwei Menschen erlitten schwere Verletzungen, zwei weitere kamen mit leichteren Verletzungen davon.

Gleich drei Tote waren im Kanton Aargau wegen umstürzender Bäume zu beklagen: Ein sechsjähriger Knabe wurde in Suhr getötet. In Möhlin wurde ein 66-jähriger Mann von einer Tanne erschlagen. Eine zweite Person wurde verletzt. In Buchs starb ein 73-jähriger Mann unter einem umstürzenden Baum. In der Zürcher Innenstadt wurde ein 58-jähriger Mann in seinem Auto auf der Alfred-Escher-Strasse durch eine umstürzende Buche des Belvoirparks getötet. In Wolfhalden im Kanton Appenzell-Ausserrhoden kam eine Spaziergängerin ums Leben. Sie wurde von einem Baum begraben. Ihr Begleiter musste schwer verletzt ins Spital gebracht werden. Ebenfalls von einem umstürzenden Baum wurde eine 51-jährige Fussgängerin im bernischen Jegenstorf getötet. Ein 66-jähriger Mann war in Neuheim im Kanton Zug mit Dacharbeiten beschäftigt, als eine Windböe das Dach abdeckte und den Mann zu Boden schleuderte. Er starb noch auf der Unfallstelle. In Dielsdorf (ZH) wurde eine Person von einer herabstürzenden Eternitplatte erschlagen; sie schwamm in einem geheizten Aussenbecken, als der Sturm die Platte vom Dach wegfegte.

Während die Schweizerische Meteorlogische Anstalt (SMA) am Samstag auf dem Jungfraujoch die höchste Windgeschwindigkeit mit 230 Kilometern pro Stunde (km/h) gemessen hatte, tobte der Orkan "Kurt" am Stefanstag im Flachland mit Tempi, wie sie selbst beim verheerenden Orkan "Vivian" im Februar 1990 nicht erreicht worden waren. In Basel wurden Windspitzen von 145 Km/h und in Luzern solche von 141 Km/h erreicht. Mit Tempo 206 fegte der Sturm über das 1'100 Meter hohe Hörnli im Zürcher Oberland hinweg. In Plaffeien (FR) wurden Spitzen von 155 Km/h, in Bern solche mit 133,6 Kilometer gemessen.

Riesige Schäden - Stromausfälle - Verkehr steht still

Bei den Polizeidienststellen gingen Tausende von Schadensmeldungen ein. Bäume wurden entwurzelt, Strommasten geknickt, Häuser abgedeckt, Baugerüste weggefegt, Festzelte weggerissen. In verschiedenen Landesteilen fiel der Strom während Stunden aus. Hunderte von Feuerwehrleuten, Polizeibeamten und Freiwilligen standen im Grosseinsatz. Zahlreiche Strassen - darunter auch einzelne Autobahnabschnitte - mussten für den Verkehr gesperrt werden.

Bei der Bahn ging auf vielen Strecken während Stunden gar nichts mehr. Am Nachmittag wurde der Zugsverkehr auf den Hauptverkehrsachsen von Zürich aus nach Basel, Bern und Schaffhausen eingestellt. SBB und die Polizeidienststellen vieler Kantone sprachen von chaotischen Verhältnissen.

Die Polizei warnte Spaziergänger, Wälder zu betreten. Die Verkehrsmeldezentrale des TCS rief die Automobilisten auf, wenn möglich auf Autofahrten zu verzichten. Im Tessin schneite es bis in tiefe Lagen.

Massive Behinderungen gab es auch auf den Flughäfen. Zahlreiche Flüge mussten annulliert werden. Umleitungen waren kaum möglich. Der Sturm richtete auch Schäden an der Infrastruktur der Landesflughäfen in Zürich-Kloten, Basel-Mülhausen und Genf-Cointrin an. Bei Flügen, die landen konnten, wurden die Passagiere zum Teil bös durchgeschüttelt.

SRI und Agenturen

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