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Warnstreik in der Schweizer Druckindustrie

Die Mediengewerkschaft Comedia hat am Mittwochmittag (13.10.) einen landesweiten, dreistündigen Warnstreik durchgeführt. Dabei wurden insbesondere Nachverhandlungen für einen Gesamtarbeitsvertrag (GAV) in der grafischen Industrie gefordert.

Dieser Inhalt wurde am 13. Oktober 1999 - 15:09 publiziert

Die Mediengewerkschaft Comedia hat am Mittwochmittag (13.10.) einen landesweiten, dreistündigen Warnstreik durchgeführt. Bei den Protestaktionen wurden insbesondere Nachverhandlungen für einen Gesamtarbeitsvertrag (GAV) in der grafischen Industrie, 200 Franken mehr Lohn für alle und 3'000 Franken Minimallohn gefordert.

Der Besuch der Protestveranstaltungen wurde von Comedia-Sprechern als gut bezeichnet. In Zürich, wo für 14.00 Uhr eine Protestkundgebung angesagt war, haben sich nach Comedia-Angaben rund 400, in Winterthur und St. Gallen je etwa 150 Comedia-Mitglieder am Warnstreik beteiligt. Weitere Protestveranstaltungen gab es in Frauenfeld (TG), Luzern, Zofingen (AG), Aarau, Solothurn, Bern (Bild) und Basel sowie in Genf, Lausanne, Montreux (VD), Martigny (VS), Freiburg, Delsberg (JU) und Neuenburg.

Die Comedia kritisiert im wesentlichen, dass der Arbeitgeber-Branchenverband Viscom den im vergangenen April vereinbarten Gesamtarbeitsvertrag (GAV) einzig mit der kleineren Gewerkschaft Syna unterschrieben hat. Dies komme einer Ausgrenzung der Comedia gleich. In einer Urabstimmung des Comedia-Drucksektors war der GAV vergangenen Juni klar abgelehnt worden, allerdings bei schwacher Stimmbeteiligung. Die Viscom lehnte Nachverhandlungen ab; inzwischen wurde für den kommenden 27. Oktober aber ein Gespräch zwischen den Konfliktparteien vereinbart.

Der neue, fünf Jahre laufende GAV bringt laut Syna nächstes Jahr eine Lohnerhöhung von 0,8 Prozent sowie die Anhebung der Minimallöhne von 2.800 auf 3.000 bis Ende 2001. Weiter wurden unter anderem die 40-Stunden-Woche, fünf bis sechs Wochen Ferien, Schicht-, Sonntags- und Feiertagszuschläge von 100 Prozent und ein 16-wöchiger bezahlter Mutterschaftsurlaub vereinbart, wie Syna mitteilte.

Die Comedia bezeichnet die von Viscom zugestandene Lohnerhöhung von 0,8 Prozent oder höchstens 40 Franken als Verspottung der Beschäftigten; sie sei durch die Teuerung der letzten zwölf Monate bereits aufgefressen. Bis 2005 sei keine weitere Lohnanpassung mehr vorgesehen, was auf einen fünfjährigen Lohnstopp hinauslaufe. Die Schicht- und Sonntagszuschläge beliefen sich auf 75 bis 100 Prozent; faktisch würden in den Betrieben aber 75 Prozent bezahlt.

Die Viscom hatte die Vorwürfe der Comedia bereits letzte Woche scharf zurückgewiesen und als Gefährdung der Sozialpartnerschaft kritisiert. Die Comedia wurde zur GAV-Unterzeichnung aufgefordert.

Unterdessen ist es auch zwischen den Gewerkschaften Comedia und Syna zum Streit gekommen. Syna warf der Comedia vor, mit Halb- und Unwahrheiten zu hausieren und die gewerkschaftliche Solidarität zu verletzen. Eine Hauptaufgabe der Gewerkschaften sei es, GAV abzuschliessen und nicht zu verhindern. Die Comedia entziehe ihren Mitgliedern praktisch jeden GAV-Schutz.

Die Gewerkschaft Comedia vertritt 10'000 von insgesamt 39'000 Angstellten der Branche; Syna lediglich rund 3'000.

SRI und Agenturen

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