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Wahlbarometer: Rot-Grün leicht im Aufwind

swissinfo.ch

Würde jetzt gewählt, käme es in der Schweiz zu einer leichten Verschiebung Richtung Links: Sowohl Sozialdemokraten wie Grüne könnten leicht zulegen.

Dieser Inhalt wurde am 07. Oktober 2005 - 18:01 publiziert

Dies zeigt eine Umfrage des Forschungsinstituts gfs.bern im Auftrag der SRG SSR idée suisse zur Halbzeit der Legislatur von 2003 bis 2007.

Nach den Wahlen im Herbst 2003 wehte ein bürgerlich geprägter Wind durch das Parlament. Im Zug der erstarkten Rechten wählten die Volks- und Ständevertreter mit Christoph Blocher einen neuen Bundesrat in die Regierung, der diesen Trend verstärkte. Die bürgerliche Wende wurde angekündigt.

"Sie hat eindeutig nicht stattgefunden", betont Claude Longchamp, Leiter des Instituts gfs.bern, welches die Umfrage zur Halbzeit der Legislatur von 2003 bis 2007 durchgeführt hat.

Motivierte Linke

Vielmehr zeige die Befragung von Wahlwilligen, dass sich die Polarisierung auf beiden Seiten des politischen Spektrums fortsetzen würde. "Und wenn schon, hat diese einen umgekehrten Akzent: Heute ist die Linke besser motiviert denn je, wählen zu gehen."

Dies hat einen ganz bestimmten Grund, wie die Politikwissenschafter herausgefunden haben: Neuwählende würden laut der Umfrage nämlich zu fast einem Drittel die Sozialdemokratische Partei (SP) wählen.

Und diese Neuwählenden machen über einen Viertel aller aus, die wählen gehen wollen.

Auch möchten wieder generell mehr Menschen wählen gehen. Die Stimmbeteiligung würde bei 54% liegen, wären heute Parlamentswahlen. Seit den 1970er-Jahren ist damit erstmals wieder ein Trend zu höherer Beteiligung an Wahlen festzustellen.

FDP verliert weiter

Die beiden stärksten Kräfte in der Schweizer Politik würden mehr oder weniger auf ihren heutigen Anteilen der Wählerschaft bleiben: Sowohl die Schweizerische Volkspartei (SVP) mit 27% wie auch die Sozialdemokratische Partei (SP) mit 24% würden ganz leicht zulegen.

Drittstärkste Partei bliebe weiterhin die Freisinnig-Demokratische Partei (FDP) mit 16%. Allerdings müsste sie einen Rückgang von einem Prozent hinnehmen. Die Partei sei für viele nicht mehr fassbar, sagt Longchamp. "Bei keiner Partei haben sich so viele Menschen von der Partei und der Politik abgewendet, wie bei den ehemaligen FDP-Wählern."

Ihren Rückgang auf 15% stoppen könnte die Christlichdemokratische Volkspartei (CVP), die ein wenig zulegt. "Mit Doris Leuthard hat sie auch die anerkannteste Parteipräsidentin, so dass die CVP-Stimme heute im medialen, politischen Diskurs wieder etwas mehr berücksichtigt wird", stellt Longchamp fest.

Schliesslich könnten die Grünen (GPS) mit einem leichten Zuwachs an Wählerinnen und Wählern rechnen. Sie kämen laut Umfrage auf einen Anteil von 8%. Halten könnte sich die Evangelische Volkspartei (EVP). Die Liberale Partei (LP), die sich neulich mit den Freisinnigen verbrüdert hat, würde ebenfalls ein Prozent verlieren (neu: 1%).

Kampf um die Mitte

Das Wahlbarometer schliesst aus der Umfrage, dass der Wahlkampf vor allem um die politische Mitte geführt werden wird. Dies hauptsächlich zu Lasten der FDP, die bis zu den letzten Wahlen in der Mitte die wählerstärkste Partei war.

"Sie hat sich selber nach rechts bewegt", konstatiert Longchamp. "Und hat damit auf der rechten Seite, wo die Felle eigentlich schon längst verteilt und bei der SVP auch weitgehend aufgehoben sind, kaum richtig zulegen können."

Dafür habe sie in der Mitte viel Kredit verloren. "Diese Mitte ist eigentlich heute immer noch eher bürgerlich. Aber sie ist unentschieden, in welche Richtung sie wählen will."

Weil die FDP sich auch in ihren zentralen Themen wie der Wirtschaftspolitik nicht mehr in früherem Masse durchsetzen kann, "wendet man sich lieber entweder an die SVP oder an die SP". Denn besonders die SVP sei heute als grosse Themen-Partei bekannt, gefolgt von der SP.

swissinfo, Christian Raaflaub

Fakten

Parteistärken der Umfrage 2005 (in Klammern: Wahlen 2003):
SVP: 27% (26,6%)
SP: 24% (23,3%)
FDP: 16% (17,3%)
CVP: 15% (14,4%)
GPS: 8% (7,4%)
EVP: 2% (1,8%)
LP: 1% (2,2%)

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In Kürze

Für das Wahlbarometer 2005 hat das Forschungsinstitut gfs.bern 2125 Wahlberechtigte aus der ganzen Schweiz befragt, sprachregional gewichtet.

Die Umfrage fand im September 2005 statt, während der letzten 10 Tage vor der Abstimmung vom 25. September (Ausdehnung der Personenfreizügigkeit auf die neuen 10 EU-Staaten).

Der statistische Stichprobenfehler liegt bei 2,2%.

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