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Vor 50 Jahren anerkannte die Schweiz die Volksrepublik China

Als eines der ersten westlichen Länder anerkannte die Schweiz am 17. Januar 1950 die Volksrepublik China. Dreieinalb Monate nach Ausrufung der Volksrepublik teilte Bundesrat Max Petitpierre (Bild) der neuen Regierung die de-jure Anerkennung mit.

Dieser Inhalt wurde am 16. Januar 2000 - 13:34 publiziert

Als eines der ersten westlichen Länder anerkannte die Schweiz vor 50 Jahren die Volksrepublik China. Dreieinhalb Monate nach Ausrufung der Volksrepublik durch Kommunistenführer Mao Zedong am 1. Oktober 1949 teilte Bundesrat Max Petitpierre (Bild) der neuen Regierung in Peking am 17. Januar 1950 die de-jure Anerkennung mit. Am 10. Februar traf die positive Antwort aus Peking ein.

Die Schweiz war damit nach den skandinavischen Ländern und Grossbritannien der fünfte westliche Staat, der das kommunistische China anerkannte. Die meisten anderen Länder des Westens folgten den USA und hielten die Beziehungen zu der nach Taiwan geflüchteten nationalistischen (Kuomintang-)Regierung aufrecht.

Petitpierres Verdienst

Die schnelle Anerkennung war ein Bruch mit der bislang praktizierten extrem zurückhaltenden Chinapolitik der Schweiz. Zudem anerkannte Bern hier ausdrücklich die kommunistische Regierung - entgegen der Praxis, nur Staaten anzuerkennen.

Dieser Schritt war das Verdienst von Bundesrat Max Petitpierre, wie Botschafter Christian Blickenstorfer, Chef der Politischen Abteilung II im Eidg. Departement für auswärtige Angelegenheiten EDA, gegenüber der Nachrichtenagentur sda erklärte. Der damalige Aussenminister konnte dank solider Informationen den Bundesrat zum raschen Handeln bewegen.

Petitpierre, der die schweizerische Nachkriegs-Isolation zu überwinden suchte, wollte im Falle Chinas die Fehler vermeiden, welche die schweizerische Aussenpolitik gegenüber der Sowjetunion begangen hatte. Hier hatte sich die Anerkennung bis 1946 verzögert.

Entscheidend für den schweizerischen Entschluss war, dass die Regierung in Peking de facto das chinesiche Festland kontrollierte. Dort lebten die weitaus meisten Angehörigen der Schweizer China- Gemeinde - darunter mehrere inhaftierte Missionare, und dort befanden sich die schweizerischen Wirtschaftsinteressen.

Schweizerische Sonderstellung

Die frühe Anerkennung erwies sich als richtig: Nach dem 1950 ausgebrochenen Koreakrieg, in dem China den Westmächten gegenüberstand, wäre ein solcher Schritt viel schwieriger gewesen, so Blickenstorfer.

Mit der frühzeitigen Anerkennung verschaffte sich die Schweiz ein Vertrauenskapital, auf dem enge Beziehungen aufgebaut werden konnten - trotz unterschiedlicher Systeme und Ideologien. Von chinesischer Seite wurde dies immer wieder betont. Bis in die Siebziger Jahre spielte die Schweiz die Rolle einer Schaltstelle für chinesische Kontakte mit westeuropäischen Staaten.

Dagegen erfüllten sich die Hoffnungen auf ein rasches Aufblühen der Handelsbeziehungen nach der Anerkennung nicht. Diese entwickelten sich erst nach der Öffnung Chinas in den Siebziger Jahren rasant - wobei das Reich der Mitte bis heute ein schwieriger Markt blieb.

Problem Tibetflüchtlinge

Als heikel erwies sich die Frage der Tibetflüchtlinge, die ab 1960 in der Schweiz die grösste Tibeterkolonie ausserhalb Asiens bildeten. So hat das chinesische Vertrauenskapital in die Schweiz nach Einschätzung Blickenstorfers letzten März gelitten, als es wegen der Exiltibeter-Demonstrationen beim Besuch des chinesischen Staatspräsidenten Jiang Zemin zum Eclat kam. Viel weniger Schaden nahmen dagegen die Wirtschaftsbeziehungen, wie sich beim China-Besuch von Bundesrat Couchepin letzten November gezeigt habe. Die Firmen hätten jedenfalls keine Einbussen registriert.

Die Beziehungen zu China gleichen in der Tibetfrage einer schwierigen Gratwanderung. Die Schweiz betrachtet Tibet als Teil Chinas, pocht aber gleichzeitig gegenüber Peking auf Wahrung der Freiheits- und Religionsrechte der Tibeter. Dieser Dialog ist aber nach den Worten des Botschafters seit dem Eclat vom letzten März sowie wegen der allgemeinen Verhärtung der chinesischen Haltung in der Tibetfrage schwieriger geworden.

SRI und Agenturen

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