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Volltanken mit Erdgas bitte

Ein Fahrzeug wird mit Erdgas betankt. Damit kann der CO2-Ausstoss reduziert werden. Keystone

Einige europäische Städte setzen auf Erdgas, das sich als günstige und umweltfreundliche Alternative zu Erdöl anbietet.

Dieser Inhalt wurde am 24. Mai 2005 - 11:19 publiziert

Auf den Schweizer Strassen verkehren gegenwärtig rund tausend Autos mit Hybridantrieb, doch in der nächsten Zeit wird ihre Zahl zweifellos zunehmen.

Wie dies häufig der Fall ist, benötigen innovative Lösungen im Energiebereich eine gewisse Zeit, bis sie sich auf breiter Ebene durchsetzen. Dies gilt auch für Erdgas oder Methan, das im Vergleich zum traditionellen Treibstoff umweltfreundlicher und günstiger ist – zurzeit liegen die Kosten pro Liter rund 30 Rappen tiefer.

Trotzdem sind der Schweiz gegenwärtig nur etwa 1200 erdgasbetriebene Fahrzeuge im Verkehr. Diese Zahl könnte allerdings in den kommenden Jahren erheblich zunehmen, da das Land mit einer angemessenen Infrastruktur ausgestattet werden soll.

Was in unseren Breitengraden noch ein ehrgeiziges Projekt darstellt, ist andernorts in Europa schon Realität. So sind in Italien rund eine halbe Million Erdgas-Fahrzeuge in Betrieb.

Ein viel versprechender Weg

Methan ist ein relativ umweltfreundlicher Treibstoff, da seine Emissionen keine bedeutenden Kohlenstoff- und Feinstaub-Rückstände aufweisen. Seit Erdgas künstlich aus Wasserstoff und Kohlendioxid gewonnen werden kann, gehört es zudem im Gegensatz zu Erdöl zu den erneuerbaren Energien.

Daher bildet es eine brauchbare Alternative zum traditionellen Treibstoff, zumindest so lange, bis für die Windenergie und die Geothermie wettbewerbsfähige Preise und Versorgungsnetze angeboten werden.

Erdgas-Taxis

Auf Grund dieser Kosten- und Umweltvorteile haben einige Gemeindeverwaltungen beschlossen, den Einsatz von bivalenten Fahrzeugen (das heisst Fahrzeuge, die sowohl mit Benzin als auch mit Erdgas betrieben werden) durch finanzielle Beiträge zu fördern.

In Berlin haben die Behörden bereits im Jahr 2000 eine breit angelegte Kampagne zur Förderung der Erdgasnutzung lanciert, die sich an die Taxibetriebe der Stadt richtete. Diese Kampagne wurde in Zusammenarbeit mit dem Umweltministerium, verschiedenen Umweltverbänden und einigen Autounternehmen durchgeführt. Mit den bereitgestellten Mitteln, rund 22 Mio. Franken, konnte zudem das Tankstellennetz ausgebaut werden.

Zur Zeit verkehren auf den Strassen der deutschen Hauptstadt insgesamt 713 Erdgas betriebene Taxis und Fahrschulfahrzeuge. In den nächsten Jahren soll dieser Zahl auf rund 1100 Fahrzeuge steigen.

Hindernisse auf mehreren Ebenen

Der Touring Club Schweiz (TCS) und der Verkehrs-Club der Schweiz (VCS) weisen übereinstimmend darauf hin, dass die Schweizer Bevölkerung Erdgas mit einer gewissen Zurückhaltung begegnet.

"Viele sind zu Unrecht der Ansicht, dass ein erhöhtes Explosionsrisiko besteht. Seit Jahren versuchen wir entsprechend zu informieren und aufzuzeigen, dass die Gefahren viel geringer sind als bei Bezin betriebenen Fahrzeugen", betont André Porchet, Leiter Umwelt und Verkehr des TCS.

Auf der gleichen Wellenlänge befindet sich Kurt Egli vom VCS, der betont, dass neben den Anstrengungen in Bezug auf die Information auch politische Unterstützung notwendig ist. "Zum Teil lässt sich der Rückstand der Schweiz gegenüber anderen Ländern sicherlich damit erklären, dass der Erdgaspreis noch zu hoch und die Tankstellendichte in unserem Land dementsprechend noch unzureichend ist."

In den kommenden Jahren dürfte sich die Situation jedoch erheblich ändern: Wenn der Bundesrat das Kyoto-Protokoll umsetzt, könnte die Erdgassteuer bis 2007 um 75% sinken.

Wichtige Entwicklung in den kommenden Jahren

Seit Erdgas zu Beginn der 70er-Jahre eingeführt wurde, gelangte es in der Schweiz nur als Brennstoff für Heizungen und als Energielieferant für die Industrie zum Einsatz. Verschiedene kleine und mittlere Unternehmen sind auf Erdgas umgestiegen, da sie von den Vorteilen überzeugt sind, die die Energiequelle in Bezug auf die Kosten, die Umweltbelastung und die Stabilität bietet.

"Nach einer bescheidenen Anfangsinvestition kann man endlich aufhören, sich Sorgen über die geopolitische Lage im Nahen Osten zu machen. Zudem ist es nicht mehr notwendig, Tanks zu installieren, und auch für die Kaminreinigung fallen zweimal tiefere Kosten an", erklärt Stéphane Maret, Direktor des im Erdgassektor tätigen Unternehmens Frigaz, in einem Interview mit "La Liberté".

Zur Zeit erst 52 Tankstellen in der Schweiz

Bei den Privatwagen ist allerdings noch etwas Geduld angesagt. Zurzeit bestehen im ganzen Land erst 52 Tankstellen und in einigen Kantonen keine einzige. Im Tessin wird Anfang Juni in der Nähe von Lugano die erste Erdgastankstelle eröffnet, während in Graubünden vorläufig noch keine konkreten Projekte bestehen.

Die Gasindustrie plant, in der ganzen Schweiz rund hundert Tankstellen einzurichten, um das grösste Hindernis zu beseitigen, das der Verbreitung von Hybridfahrzeugen derzeit entgegensteht.

Die Fahrzeugproduzenten ihrerseits versichern, dass bis 2010 für alle Fahrzeugkategorien Modelle mit Hybridantrieb hergestellt werden. Das Ziel besteht darin, dass bis zu diesem Datum rund 30'000 Fahrzeuge im Verkehr sind, die mit Methan betrieben werden.

swissinfo, Andrea Clementi
(Übertragung aus dem Italienischen: Maya Im Hof)

In Kürze

Aus geologischer Sicht ist Erdgas die gasförmige Phase von Erdöl. Es besteht hauptsächlich aus Methan und je nach Vorkommen aus unterschiedlichen Mengen von Kohlenwasserstoffen.

Dank seinem geringen Kohlenstoffgehalt entstehen bei Erdgas 25% weniger CO2-Emmissionen als bei Benzin und 30% weniger als bei Diesel. Zudem ist seine Fähigkeit, Ozon zu bilden, 80% geringer als bei Benzin und 50% geringer als bei Diesel.

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Fakten

2003 lag der Anteil von Erdgas am schweizerischen Energieverbrauch bei 11,8%. Der Sektor erwirtschaftete einen Umsatz von 1,7 Mrd. Franken und beschäftigte 1630 Personen.
Ende 2004 fuhren auf den Schweizer Strassen 1245 Erdgasfahrzeuge; in Italien sind es bereits eine halbe Million.
Im März 2005 bestanden in der Schweiz 52 Tankstellen.

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