Navigation

Viele Regionen setzen auf das Mega-Sportevent

Für die Euro 2008 werden Fussballfans aus ganz Europa in die Schweiz kommen.

Die Euro 2008 wird vor allem den vier Austragungsstädten wirtschaftlich etwas bringen. Aber auch abgelegenere Gegenden wollen von dem Grossanlass profitieren.

Dieser Inhalt wurde am 30. Januar 2008 - 14:49 publiziert

Wichtige Fragen bleiben aber bisher offen. Werden sich die Fans auf Basel, Zürich, Bern und Genf beschränken? Oder werden sie ihren Aufenthalt für einen Besuch anderer Orte in der Schweiz nutzen?

In vier Schweizer Städten werden Gruppenspiele der Endrunde der Fussball-Europameisterschaft 2008 ausgetragen. Und überall laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren. Für die Euro 08 werden Hunderttausende von Fussballfans in der Schweiz erwartet.

Diese Invasion an Gästen wird hauptsächlich den vier Spielstädten Basel, Zürich, Bern und Genf zu Gute kommen. Doch auch in peripheren Regionen hofft man darauf, sich eine Scheibe vom Euro 08-Kuchen abschneiden zu können.

Das Tessin ist ein gutes Beispiel: Obwohl der Südkanton weit entfernt ist von allen Austragungsorten, beziehen die Deutschen und die Schweden in Ascona beziehungsweise Lugano ihr Euro 08-Quartier. Die Schweden dürften das Tessin auch dank des grosszügigen Sponsorings durch die Stadt Lugano gewählt haben.

Tessin als EM-Quartier

"Das gesamte Marketing für die Euro 2008 ist auf die vier Gastgeber-Städte konzentriert worden, obwohl wir Schweiz Tourismus mehrmals aufgefordert haben, auch die anderen Kantonen zu berücksichtigen", klagt Patrick Lardi, Kommunikationschef von Tessin Tourismus.

"Erst als die Deutschen das Tessin als EM-Quartier gewählt hatten, erinnerte sich Schweiz Tourismus daran, dass das Tessin ein Hauptmarkt für deutsche Feriengäste ist."

Dank der Anwesenheit deutscher und schwedischer Spieler mitsamt Anhang hofft der Tessiner Verkehrsverein auf eine grosse mediale Präsenz in den jeweiligen Heimatländern. Ein junges Publikum - und im Falle der Schweden ein neues Publikum - soll angesprochen werden.

Wallis hofft

Im Tourismuskanton Wallis macht man sich ebenfalls Hoffnungen auf Fussballgäste, auch wenn keine Nationalmannschaft diesen Kanton als EM-Quartier gewählt hat. Marco Decurtins vom Walliser Tourismusbüro ist überzeugt, dass einige Euro 08-Fans im Wallis buchen werden.

"Dank dem neuen Lötschberg-Tunnel ist das Wallis per Bahn nur noch eine Stunde von Bern entfernt", meint Decurtins. Einige Gäste könnten auch für eine Verlängerung ihres Euro 08-Besuchs nach den Spielen optieren.

Das Wallis lotet momentan Sponsoring-Möglichkeiten in den vier Spielorten der EM aus. "Wir wollen zudem mit den Journalisten zusammenarbeiten, die in die Schweiz kommen und sicherlich nicht nur in Bern, Basel, Genf oder Zürich bleiben", fügt Decurtins an.

Gemeinsame Projekte

Der Kanton Jura ist nicht weit entfernt von Basel, wird von der Euro 08 aber nicht direkt tangiert. Im Vergleich zu den Tourismuskantonen Wallis oder Tessin weist er keine vergleichbare Hotelinfrastruktur auf. Und keine Nationalmannschaft hat den Jura als "Basislager" gewählt.

Trotzdem ist man auch in diesem Kanton in Hinblick auf die Euro 08 aktiv. Der Verkehrsverein hat ein Reservationssystem eingerichtet, um während der Europameisterschaft einfach Zimmer buchen zu können. Die Städte Basel, Genf, Zürich und Bern haben sich angeschlossen. Wer also an den Austragungsorten kein Bett findet, kann in den Jurabogen ausweichen.

Die Erwartungen sind vor allem in der jurassischen Hauptstadt Delémont gross. Denn aus Events vergleichbarer Grösse hat man Erfahrungen gesammelt. "Während der Uhrenmesse in Basel sind bei uns alle Hotels ausgebucht", weiss Toinette Wisard von Jura Tourismus.

Unvorhersehbare Fans

Im Falle des Tessins ist immerhin ein Imagegewinn garantiert. Dafür sorgen die deutsche und schwedische Nationalmannschaft als vorübergehende "Botschafter" dieses Landesteils.

Ob sich die Präsenz der Fans in den Logiernächten niederschlägt, ist wesentlich schwieriger vorherzusehen. "Wir wissen nicht, was die Fans machen", meint Toinette Wisard. "Werden sie nur in den Austragungsstädten bleiben oder auch andere Orte der Schweiz besuchen?"

Und wie viele Tage werden sie in der Schweiz bleiben? "Eine Sache ist sicher", meint Patrick Lardi von Tessin Tourismus. "Wir wollen die Fans positiv überraschen; im Tessin jedenfalls werden wir sicherlich ein Feuerwerk der Gastfreundschaft entfachen."

swissinfo, Daniele Mariani
(Übertragung aus dem Italienischen: Gerhard Lob)

Euro 2008 als Wirtschaftsfaktor

Das Sportereignis des Jahres könnte der Schweiz einen wirtschaftlichen Nutzen von 640 bis 860 Millionen Franken bescheren. Zu diesem Schluss kommt eine im Auftrag des Bundesamtes für Sport erstellte Studie.

Nutzniesser werden in erster Linie Hotels und Gastrobetriebe sein. Weitere Auswirkungen dürfte der sportliche Grossanlass für die Bauwirtschaft, die Nahrungsmittelindustrie sowie die Werbe- und Medienwirtschaft haben.

Schätzungen gehen von 1 bis 1,4 Millionen ausländischen Besuchern während der Euro 08 aus.

Diese positiven Erwartungen werden teils durch eine Studie gedämpft, welche die wirtschaftlichen Auswirkungen der Fussball-Weltmeisterschaft in Deutschland im Jahr 2006 untersucht hat.

Gemäss dieser Studie waren die Auswirkungen auf die deutsche Volkswirtschaft unerheblich, da die Besucher "nur" 500 Millionen Euro ausgegeben haben. Dieser Betrag sei gesamtwirtschaftlich irrelevant.

End of insertion

Anreize

Die Stadt Lugano bezahlt die Flugtickets für die schwedische Nationalmannschaft, die ihre Gruppenspiele in Österreich bestreitet. Die Kosten belaufen sich auf 70'000 bis 80'000 Franken.

Der für Sport zuständige Stadtrat Giovanni Cansani verteidigt diese "Investition" mit dem Werbeeffekt für Lugano in Skandinavien.

Die Präsenz der deutschen Nationalmannschaft in Ascona/Tenero belastet das Budget der öffentlichen Hand nicht. Selbst für den Sicherheitsdienst kommen die Deutschen auf.

Die italienische Nationalmannschaft hingegen wird in ihrem Euro-Quartier im Hotel Schloss Weikersdorf in Baden (Österreich) keinen Rappen locker machen müssen. Die gesamten Kosten (schätzungsweise 300'000 Euro) werden vom Bundesland Niederösterreich übernommen.

End of insertion

Artikel in dieser Story

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Webseite importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@swissinfo.ch

In Übereinstimmung mit den JTI-Standards

In Übereinstimmung mit den JTI-Standards

Mehr: JTI-Zertifizierung von SWI swissinfo.ch

Diskutieren Sie mit!

Diesen Artikel teilen

Passwort ändern

Soll das Profil wirklich gelöscht werden?