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Vermehrter Exodus von Nachwuchsspielern

Nachwuchs-Spieler Jonas Elmer wird zu Chelseas Reserve-Mannschaft transferiert. Keystone

Der Schweizerische Fussballverband (SFV) äussert Bedenken, weil zu viele der besten jungen Spieler von europäischen Clubs abgeworben werden.

Dieser Inhalt wurde am 06. Juli 2005 - 10:00 publiziert

Gemäss SFV befinden sich rund 30 Schweizer Spieler im Alter unter 18 Jahren unter Vertrag im Ausland. Und ihre Zahl wächst.

Der Schweizerischen Fussballverband warnt, dass sich immer mehr Schweizer Nachwuchsspieler im Alter von weniger als 18 Jahren unter Vertrag mit ausländischen Clubs befinden. Dabei ist kürzlich eine internationale Regelung in Kraft getreten, die Spieler im Teenager-Alter bei Ausland-Transfers schützen soll.

Der jüngste "Export" ist der 17-jährige Jonas Elmer, den der Londoner Club Chelsea kürzlich bei Grasshoppers Zürich abgeworben hat.

Der Schweizer Verteidiger, der in der Schweizer Gruppe der unter 17-Jährigen spielte, ist mit einem dreijährigen Vertrag für Chelsea gesetzt, nachdem er von einem Talentsucher aufgestöbert worden war.

Elmer soll demnach im Reserve Team dieses Clubs spielen und seine Schule in England fortsetzen.

Hansruedi Hasler, Technischer Direktor des Schweizerischen Fussballverbands, glaubt, Elmers Fall sei symptomatisch für ein Problem, das langsam ausser Kontrolle gerate.

"Es zeigt sich, dass die jungen Spieler nicht in die Zukunft denken, sondern sich auf die Gegenwart konzentrieren", sagt Hasler gegenüber swissinfo. "Erhält ein Nachwuchsspieler eine attraktive Transfer-Offerte im Alter von 16 oder 17, kann er kaum Nein sagen, und es liegt auch nicht in unserer Hand, ihn davon abzuhalten, falls er und seine Eltern glauben, dass dies das Richtige sei."

Es flimmert vor den Augen

Hasler sagt, den jungen Spielern, die das Land verlassen, flimmere in erster Linie das Geld in den Augen, während sie die Schwierigkeiten unterschätzen. Viele von ihnen sähen die guten Möglichkeiten zu Hause gar nicht mehr, wenn ihnen sechsstellige Beträge unter die Nase gehalten würden.

"In der Schweiz gibt es sehr gute Trainings-Gelegenheiten für Nachwuchs-Spieler", sagt Hasler. "Wenn 16- oder 17-Jährige hingegen ins Ausland gehen, entdecken sie, dass ihr Leben oft sehr schwierig wird. Sie mögen ja in einem Top-Club spielen, doch ihre schulische Ausbildung könnte leiden."

Der SFV empfiehlt, dass Fussballer im Teenage-Alter nur dann einen Ausland-Aufenthalt ins Auge nehmen sollen, wenn sie mindestens zwei Jahre Praxis in einem Club der Swiss Super League aufweisen.

"Es dürfte ja klar sein, dass das Spielen in der Super League viel mehr Erfahrungen bringt als in einem Reserve-Team bei Bayern München oder Chelsea", sagt Hasler.

Im Verband betont man, dass Spieler, die die Schweiz im Alter von unter 18 Jahren verlassen, mehr Zeit auf der Reservebank verbringen als wenn sie hier blieben.

Elmer ist nicht der erste

Elmer ist nur der jüngste Fall in einer langen Liste von jungen Schweizer Fussballern, die vom Prestige und vom Geld der Top-Clubs verführt werden, ob sie nun Chelsea, Arsenal oder Bayern München heissen.

Der Nachwuchs-Spieler folgt Landsleuten wie Johan Vonlanthen, der von den Young Boys Bern 2003 zu PSV Eindhoven wechselte, als er 17 Jahre alt war.

Elmers Transfer zu Chelsea ist laut Hasler "ein klassischer Fall, wie er nicht vorkommen dürfte". Er wurde gerade einmal zwei Wochen vor dem Datum bekannt gegeben, an dem die Regelung über den Transfer von minderjährigen Nachwuchsspielern in Kraft trat.

Der Weltfussball-Verband Fifa erliess ab 1. Juli die Regelung, wonach der internationale Transfer von unbegleiteten Spielern nur dann zulässig ist, wenn die Spieler 18-jährig sind.

Nur ein "kleiner Schritt"

Laut Hasler ist diese Fifa-Order ein "kleiner Schritt" in die richtige Richtung. Er warnt jedoch, dass noch mehr getan werden müsste, um den Exodus zu bremsen.

"Wir sind froh um diesen Fifa-Entscheid, denn mit 18 Jahren werden die Spieler unabhängig und können eigene Entscheide treffen, was ihre Zukunft betrifft", sagt Hasler.

"Dies dürfte den Nachwuchs-Talenten einen gewissen Schutz bieten", so der SFV-Vertreter im weiteren, "doch das Problem kann dadurch nicht entschärft werden". Der SFV müsse seine Bemühungen verstärken, die Spieler und deren Eltern zu überzeugen, dass es nicht gut sei, das Land zu früh zu verlassen.

Auslandschweizer sollen das Loch füllen

Hasler wird wohl den Abfluss von Spielern aus der Schweiz nicht aufhalten können. Doch er hat einen Plan, wie sich die dadurch entstehenden Löcher auffüllen lassen.

Der SFV hat eine Zusammenarbeit mit der Auslandschweizer-Organisation ASO begonnen, um jugendliche Fussballer mit Schweizer Pass zu finden, die im Ausland geboren sind.

"Im Ausland leben rund 600'000 Schweizer. Ich denke, dass darunter auch einige zu finden sind, die gut Fussball spielen können", hofft Hasler.

Ein erster Schritt dieser Kampagne, neue Talente unter den Auslandschweizern aufzuspüren, wird ein Artikel von Nationaltrainer Köbi Kuhn in der September-Ausgabe der 'Schweizer Revue' sein. Die 'Schweizer Revue' ist die mehrsprachige Zeitschrift für die Schweizer im Ausland.

Der SFV hofft, eine ausgewählte Gruppe von Spielern zu einem Eingangstrainings-Camp in die Schweiz einladen zu können.

swissinfo, Ramsey Zarifeh
(Übertragung aus dem Englischen: Alexander Künzle)

Fakten

Die neue Fifa-Reglung legt fest, dass ein internationaler Spieler-Transfer erst ab dem Alter von über 18 Jahren erlaubt ist.
Diese Regel gilt nicht für den Fall, dass die Eltern des Fussballers in das Land ziehen, wo der neue Club liegt – "aus Gründen, die nichts mit Fussball zu tun haben".
Die Fifa erlaubt der Transfer von 16- bis 18-Jährigen, falls dies innerhalb der EU geschieht und falls der neue Club ein "gleichwertiges Fussball-Training" sowie die Möglichkeit offeriert, weiterhin die Schule zu besuchen.

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