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US-Staatsanwalt erweitert Anklage gegen den Schweizer Jungen Raoul

Der in den USA des schweren Inzests beschuldigte elfjährige Raoul Wüthrich soll sich nun zu einem weiteren Anklagepunkt verantworten. Neu wird ihm auch ein sexueller Übergriff auf seine fünfjährige Schwester vorgeworfen.

Dieser Inhalt wurde am 05. November 1999 - 10:54 publiziert

Der in den USA des schweren Inzests beschuldigte elfjährige Raoul Wüthrich soll sich nun zu einem weiteren Anklagepunkt verantworten. Neu wird ihm auch ein sexueller Übergriff auf seine fünfjährige Schwester vorgeworfen.

Richterin Mailyn Leonard fällte diesen Entscheid am Donnerstag (5.11.) nach einer wegen einer Tonbandpanne nötig gewordenen zweiten Anhörung des Kindes. Für einen solchen Übergriff gebe es genügend Anhaltspunkte hiess es. Eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft erklärte, der neue Anklagepunkt ergebe sich, weil nicht hinreichend geklärt werden konnte, ob der Junge und das Mädchen mindestens Halbgeschwister seien. Dies sei jedoch für eine Anklage wegen Inzest Voraussetzung. Der Anklage fehlen offenbar die Geburtsurkunden der beiden Kinder. Voraussetzung für eine Anklage wegen sexueller Nötigung eines Kindes ist, dass zwischen dem angeblichen Täter und seinem Opfer ein Altersunterschied von mindestens vier Jahren besteht. Dies ist im Fall von Raoul und seiner Stiefschwester der Fall.

Der Staatsanwalt wirft dem Elfjährigen nun nicht mehr nur "qualifizierte Blutschande" vor, sondern auch "sexuelle Nötigung eines Kindes". Am Termin der formellen Anklageerhebung gegen den Jungen, der schweizerisch-amerikanischer Doppelbürger ist, ändert sich nichts.

Raouls Anwalt Arnold Wegher sagte, sein Mandant werde am Montag bei der formellen Anklageerhebung sich nicht schuldig bekennen. Ausserdem werde er das Gericht ersuchen, das Verfahren gegen Raoul einzustellen. Dieser habe nach dem Gesetz Anrecht auf einen Prozess inerhalb von 60 Tagen.

Unterdessen verdichten sich die Anhaltspunkte dafür, dass sich Anklage und Verteidigung ohne Durchführung des Prozesses einigen könnten. Das amerikanische Rechtssystem sieht solche Lösungen vor, falls sich der Angeklagte schuldig bekennt. Dabei werde auch erwogen, den Knaben anschliessend zur therapeutischen Betreuung in die Schweiz ausreisen zu lassen. Auch die Schweizer Justizministerin Ruth Metzler wurde in der Presse mit der Aussage zitiert, sie habe zusammen mit Aussenminister Joseph Deiss über Lösungsansätze diskutiert, wie der Junge allenfalls in die Schweiz überstellt werden könnte. Sie wolle mit hoher Priorität bei der Suche nach Lösungen helfen, erklärte Bundesrätin Metzler.

Die erneute Anhörung war nötig geworden, weil die erste Anhörung wegen eines technischen Defekts nicht auf Tonband aufgenommen wurde. Raoul erschien mit zwei Anwälten und einem vom Gericht bestellten Betreuer. Während der Anhörung spielte er mit einer Kamera und malte mit Farbstiften. Eine anschliessende Sitzung über den weiteren Verbleib des Buben war nicht öffentlich. Einer der Anwälte von Raoul erklärte, er sei von der Unschuld seines Mandanten überzeugt. Der Prozess soll am Montag eröffnet werden.

Der stellvertretende Staatsanwalt Hal Sargent erklärte bei der Anhörung, Raoul habe im vergangenen Monat vier Feuer gelegt. Er nannte jedoch keine weiteren Einzelheiten. Es wurde auch nicht klar, ob diese Brände im Heim gelegt wurden, in dem Raoul zeitweise untergebracht wurde.

Sargent sagte auch, Raoul habe gegenüber einem Therapeuten zugegegeben, er habe seine Schwester unzüchtig berührt.

Nach der Anhörung wurden die Medienvertreter aus dem Saal gewiesen, bevor über den weiteren Aufenthaltsort von Raoul beraten wurde. Die Richterin begründete dies mit dem Medienrummel um den Fall. Eine Bitte der Verteidigung, den anwesenden Schweizer Botschafter Alfred Defago zuzulassen, schlug sie mit der Begründung aus, sie wisse ja nicht einmal ob Raoul tatsächlich Schweizer Bürger sei.

SRI und Agenturen



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