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Urin als Dünger

Keystone Archive

Beim Pinkeln erleichtern wir uns - belasten aber auch die Umwelt. Separate Urinentsorgung würde Gewässer schützen, die Kanalisation entlasten und sparen helfen. Der Kanton Baselland will in einem Pilotversuch aus gereinigtem Urin Dünger herstellen.

Dieser Inhalt wurde am 15. August 2001 - 20:36 publiziert

Mit 1,5 Litern Urin pro Einwohner und Tag rechnet man im Baselbiet; die Abwasserreinigungs-Anlagen (ARA) haben jedoch 500 Liter Abwasser pro Kopf zu bewältigen. Was den Urin verdünnt, fliesst von Haushalten und Firmen zu, fällt aber auch vom Himmel.

Den grössten Aufwand bescheren den ARA Nährstoffe sowie Verunreinigungen im Urin. Diese sind stark verdünnt und sehr schwierig abzutrennen - Trenn-Toiletten sind der erste Ansatz dazu. Heikle Stoffe sind etwa Hormone und hormonaktive Substanzen, die im Verdacht stehen, bei Fischen Krankheiten und Organschäden auszulösen.

Idee aus Schweden

Die Idee der Trenn-Toilette stammt aus Schweden: Dort laufen seit anfangs der 90er-Jahre Ökodorf-Projekte, wo mit rohem Urin Felder gedüngt werden. Ohne Urin im Abwasser könnten Kanalisation und ARA bei uns kleiner, einfacher und billiger sein. Heute kostet das Abwasserwesen pro Schweizer Kopf im Jahr um die 1'000 Franken.

Die Baselbieter Bau- und Umweltschutz-Direktion (BUD) will zusammen mit der Eidgenössischen Anstalt für Wasserversorgung, Abwasserreinigung und Gewässerschutz (EAWAG) einen Schritt weiter gehen: Urin soll dereinst separat gesammelt, zu lastarmen Zeiten in die ARA geleitet und dort auch separat aufgespaltet und zu Dünger verarbeitet werden.

Die BUD will konkret im landesweit ersten staatlichen Versuch die ganzen Hauseinrichtungen in der neuen Kantons-Bibliothek im Alltag austesten. Diese wird ab Ende 2002 gebaut; genaue Zahlen zu den Kosten etwa für die Tanks werden für die noch ausstehende Parlaments-Vorlage erst ermittelt.

Virtuelle Pioniergemeinde

Die EAWAG hält die Urin-Trennung in der ganzen Schweiz für ein in schrittweise anzustrebendes Fernziel. Schon bald ist neben den realen Bibliotheks-Klos im Baselbiet ein virtueller Test eines ganzen ARA-Einzugsgebietes als Modell geplant: Für Sissach und seine 20'000 Einwohner sollen Realisierung und Betrieb theoretisch durchgerechnet werden.

swissinfo und Agenturen

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