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Über allen Gipfeln

Ein Ausschnitt aus Caspar Wolfs berühmten Gemälde "Gewitter und Blitzschlag am unteren Grindelwald-Gletscher, um 1777. Pressebild / Caspar Wolf

Berge, Gebirge, Gipfel. Gleich zwei Ausstellungen locken in die Bergwelt des 18. und 19. Jahrhunderts. Das Bündner Kunstmuseum vermittelt einen Eindruck über den Umgang mit dem Bergmotiv in der Romantik. Im Kloster Muri zeigt das Aargauer Kunsthaus Caspar Wolf, der als eigentlicher Entdecker der Alpen für die Malerei gilt.

Dieser Inhalt wurde am 08. Juni 2001 - 11:03 publiziert

Hohe Berge, Steinschlag, plötzlich hereinbrechende Gewitter, Blitze und rollender Donner, kaltreissende Bäche, Gletscher, Schnee, schiefergraue Wände, Geister und Teufel, erhabene Weite, fahrende Wolken, Höhlen, roter Himmel, ein eisiger Lufthauch. Bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts war die Überquerung der Alpen ein gefährliches, ein grosses Hindernis auf dem Weg in den Süden.

Manch eine kam nie mehr zurück, manch einer wurde verrückt. Die feindliche Umgebung wurde gemieden, umgangen, auf dem kurzmöglichsten Weg hinter sich gebracht. Künstlerisch fanden die Alpen keinen Niederschlag.

Immer weiter, immer höher

Mit zunehmender Bevölkerungsdichte wurden die Alpentäler besser erschlossen. 1578 erschien die erste Karte des Berner Oberlandes, die Alpen wurden vermessen, beschrieben, genutzt. Immer mehr Gipfel erhielten einen Namen, immer mehr Gipfel wurden bestiegen.

Im 18. Jahrhundert wurden die Alpen zum Gegenstand der wissenschaftlichen Forschung. Albrecht von Haller (1708-1777), Berner Gelehrter und Literat beschrieb das Gebirge, als würde er es malen. Begüterte Engländer läuteten den Alpentourismus ein. Und ab jetzt werden sie auch gemalt: die Alpen.

Gemalte Romantik

Die Bewegung der Romantik, die an der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert entstand, entwickelte sich aus der Unzufriedenheit, den zunehmenden Widersprüchen, der Entfremdung. Die gesellschaftliche Ordnung zeigte Auflösungstendenzen, die Französische Revolution stand vor der Tür. Dies führte zu einer neuen Naturverbundenheit, einer Sehnsucht nach Ursprünglichkeit, nach Reinheit.

Caspar Wolf, 1735 in Muri, Aargau geboren, gilt heute als Entdecker der hochalpinen Welt für die Malerei. Nach Lehr- und Wanderjahren in Süddeutschland wendet er sich mehr und mehr der Landschaftsmalerei zu. Auf Expeditionen in die Schweizer Berge malt er ganz im schwärmerischen Geist jener Tage. Beeindruckt von den Naturerlebnissen übersetzt er diese in die Malerei. Um eine genau Abbildung der Natur geht es dabei nicht, vielmehr muss das Licht, die Erhabenheit, der Pathos der Berge spürbar sein.

Drohende Gewitter, reissende Bäche, Wasserfälle, dramatische Himmels-Konstellationen, karge Berglandschaften, trutzige Wälder, grasende Kühe, klare Landschaft; neben Wolf gilt es auch Albert Lugardon, Alexander Calame, François Diday und andere (wieder) zu entdecken. Die bildnerische Alpenüberquerung bietet manches Gipfelerlebnis, und wer bei Ferdinand Hodlers "Eiger, Mönch und Jungfrau" angekommen ist, einem Vorboten der Moderne, steht und schaut.

Brigitta Javurek

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