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Über Afghanistan ziehen düstere Wolken auf

Pakistanischer Knabe, vertrieben aus dem Swat Tal im Nordosten des Landes. Keystone

In Pakistan sind wegen der Offensive gegen die Taliban Hunderttausende auf der Flucht. Die Folgen für Afghanistan sind offen. Willi Graf, diplomatischer Vertreter der Schweiz und Chef des Deza-Büros in Kabul, verfolgt die Entwicklung mit grosser Sorge.

Dieser Inhalt wurde am 19. Mai 2009 - 16:39 publiziert

swissinfo: Welche Auswirkungen könnte die Entwicklung in Pakistan auf Afghanistan haben?

Willi Graf: Die Situation ist schwer einzuschätzen. Doch wenn die Taliban in Pakistan an Einfluss verlieren, besteht die Gefahr, dass sie sich wieder vermehrt nach Afghanistan zurückziehen und ganze Gebiete unter ihre Kontrolle bringen.

Die Lage in Afghanistan ist schon jetzt sehr angespannt. Ich befürchte, dass die militärischen Auseinandersetzungen noch zunehmen. Die gegenwärtige Situation zeigt, dass die Probleme mit Blick auf die gesamte Region angegangen werden müssen.

swissinfo: Kann die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (Deza) ihre Projekte in Afghanistan überhaupt noch durchführen?

W.G.: Wir versuchen, unter den schwierigen Bedingungen möglichst normal zu arbeiten. Das gelingt teilweise auch. Doch am afghanischen Himmel ziehen düstere Wolken auf. Die Sicherheitsfrage steht zunehmend im Vordergrund.

Teile des Landes sind bereits jetzt im Kriegszustand. Wie es in einigen Monaten aussieht, weiss niemand. Es ist denkbar, dass wir uns aus bestimmten Regionen zurückziehen müssen.

swissinfo: Welche Projekte sind angesichts der jüngsten Entwicklungen gefährdet?

W.G.: Ungewiss ist die Zukunft der verschiedenen ländlichen Entwicklungsprojekte im Norden. Für diese Projekte sind wir auf die Nordversorgungsroute angewiesen, die von den zentralasiatischen Republiken nach Kabul führt.

Weil auf dieser Strasse auch Güter für die internationalen Truppen transportiert werden, ist zu befürchten, dass es auf dieser Route vermehrt zu Anschlägen kommt, so dass der Zugang nicht mehr gewährleistet ist.

swissinfo: Die Deza unterhält rund 30 Projekte in Afghanistan. Wo liegen die Schwerpunkte?

W.G.: Die Deza setzt sich für gute Regierungsführung und die Mitsprache der Zivilgesellschaft ein. Sie war zum Beispiel massgeblich beteiligt am Aufbau einer Dachorganisation von zivilgesellschaftlichen Organisationen.

Wichtig ist auch die Verbesserung der Lebensbedingungen in ländlichen Gebieten. In manchen Regionen stirbt jedes vierte Kind bei der Geburt. Mit Mutter-Kind-Projekten kann die Sterblichkeit erheblich gesenkt werden.

swissinfo: Wie sehen Sie allgemein die Rolle der Schweiz in Afghanistan?

W.G.: Die Schweiz ist ein kleiner Partner, was das Volumen der Hilfe betrifft. Doch sie spielt eine besondere Rolle, weil sie - anders als die grossen Geldgeber - keine Truppen in Afghanistan stationiert hat.

Wir sind auch an Orten präsent, wo andere sich kaum engagieren. Dadurch geniessen wir eine hohe Glaubwürdigkeit, sowohl bei der Regierung als auch bei der Zivilgesellschaft.

swissinfo: Die USA haben eine neue Afghanistan-Strategie. Was ist davon bereits zu spüren und welche Entwicklung erhoffen Sie sich?

W.G.: Wir stellen bei den Vertretern der USA eine wachsende Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit anderen Geldgebern fest. Dies ist ein positives Signal.

Auch der Wechsel an der Spitze des Militärkommandos dürfte zu Veränderungen führen. Die USA haben angekündigt, künftig alles zu tun, um zivile Opfer zu vermeiden.

swissinfo: Im August finden die Präsidentschaftswahlen statt. Sind faire Wahlen angesichts der herrschenden Zustände realistisch?

W.G.: Es ist möglich, dass sich die Sicherheitslage im Vorfeld verschärft.

Doch aus einer langfristigen Perspektive ist es sehr wichtig, dass die Wahlen durchgeführt werden.

Wie die Umstände im August sein werden, ist allerdings nicht vorauszusehen.

Charlotte Walser, Infosüd/swissinfo.ch

Schweizer Hilfe in Afghanistan

Der Beginn der Schweizer Entwicklungszusammenarbeit in Afghanistan geht auf die frühen 1970er-Jahre zurück.

Ein Koordinationsbüro in Kabul eröffnete die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (Deza) nach dem Fall des Taliban-Regimes im Jahr 2002.

Seither unterstützt sie Projekte im Umfang von rund 18 Mio. Franken jährlich.

Verschiedene Deza-Projekte werden von Schweizer Hilfswerken durchgeführt.

Vor Ort präsent sind Helvetas, Terre des Hommes und Intercooperation.

Im Zentrum des Engagements von Helvetas stehen Wasserprojekte, Terre des Hommes führt vor allem Strassenkinder- und Mutter-Kind-Projekte durch (Von 100'000 Geburten enden in Afghanistan rund 2000 für die Mutter tödlich).

In ländlichen Gebieten trinken 80% der Bevölkerung verschmutztes Wasser, fast jedes zweite Kind geht nicht zur Schule.

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