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Tour de Suisse: Das Volksfest trotzt Doping-Skandalen

Heile Schweizer Bergwelt, skandalgeschüttelte Radprofi-Szene (Bild von 2004). Keystone

Das Doping-Karussell dreht sich immer schneller, doch die Zuschauer entlang der Strassen feiern die Radprofis unverdrossen weiter. Auch an der Tour de Suisse, die am Samstag beginnt.

Dieser Inhalt wurde am 15. Juni 2007 - 21:59 publiziert

Am Start in Olten fehlen Jan Ullrich und Aitor Gonzalez, die Sieger 2006 und 2005: Beide wurden wegen Dopings aus dem Verkehr gezogen.

Vom 16. bis 24. Juni rollt sie wieder, die Tour de Suisse (TdS), die traditionelle Schweizer Radrundfahrt mit Volksfest-Charakter.

Die Frage, wer am übernächsten Sonntag in Bern als Gesamtsieger einfährt, tritt hinter eine andere Frage zurück: Hat die Tour de Suisse 2007 einen Gewinner, der nicht in den Fängen der Dopingjäger hängen bleibt?

Die "neuen Sieger"

Jan Ullrich, der letztjährige Sieger, stolperte über Blutdoping, das ihm in der Affäre um den spanischen Blutpanscher Eufemiano Fuentes nachgewiesen werden konnte.

Ullrich trat im Februar zurück, Fuentes soll wieder im Geschäft sein, wie der spanische Ex-Profi und Doping-Enthüller Jesús Manzano erklärte.

Der TdS-Gewinner von 2005, der Spanier Aitor Gonzalez, sitzt immer noch seine zweijährige Sperre ab, er betrog mit Steroiden.

Gleich erging es Floyd Landis und Ivan Basso: Die Gewinner von Tour de France und Giro d'Italia 2006 sind ebenfalls als Dopingsünder entlarvt.

Chronologie der Geständnisse

Angesichts dieser eigentümlichen Generation von Siegern ist Armin Meier als Direktor der Tour de Suisse nicht zu beneiden. Zudem findet die Schweizer Rundfahrt im Auge eines eigentlichen Doping-Orkans statt.

Ende Mai gestanden reihenweise ehemalige Fahrer des Teams Telekom EPO-Doping. Derweil gewann mit Danilo Di Luca ein Fahrer den Giro d'Italia, der als eine der Hauptpersonen im Fall "Oil for Drugs" aus dem Jahr 2004 fungiert. Fortsetzung folgt.

In die Euphorie rund um den Giro platzte die Nachricht vom Selbstmordversuch des belgischen Profis Frank Vandenbroucke. Der 33-Jährige sah keinen Ausweg mehr, dem Teufelskreis aus Dopingaffären, Drogensucht und Depressionen zu entkommen. Er wurde gerettet.

Auch Boonen und Bettini im Zwielicht

Dem selben Strudel hatten die Kletterkönige Marco Pantani und José Maria Jimenez nicht entgehen können; der Italiener starb 2004 mit 34 Jahren, der Spanier im Jahr davor mit 32.

Zu guter letzt folgte vor einer Woche die Razzia gegen das belgische Team Quick Step um Weltmeister Paolo Bettini und Ex-Titelträger Tom Boonen. Dabei wurden grosse Mengen Dopingmittel beschlagnahmt.

Sauberes Mithalten möglich?

Die Fans lassen sich auch durch schlimmste Horrorgeschichten nicht davon abhalten, die grosse Party entlang der Strassen weiter zu feiern. Das weiss auch Armin Meier. "Die Tour de Suisse wird auch diesmal ein riesiger Publikumserfolg werden", sagt er.

Meier ist überzeugt, dass Fahrer ohne chemischen Turbo am neuntägigen Anlass mit den Besten mithalten könnten, sogar angesichts dreier Bergankünfte.

Schluss mit Grande Boucle und Giro?

Der Rennleiter bezweifelt dagegen, ob man ungedopt eine Tour de France gewinnen könne. Die dreiwöchigen Rundfahrten sollten deshalb gekürzt werden, weil die körperlichen und mentalen Anforderungen einfach zu hoch seien.

Um dem sportlichen Aspekt noch Genüge zu tun: Einen klaren Favoriten kennt die diesjährige TdS nicht. Als Anwärter auf den Gesamtsieg gelten Andreas Klöden, Michael Rogers, Carlos Sastre, Fränk Schleck, Jaroslaw Popowitsch und Damiano Cunego.

Etappensiege im Blick

Schweizer werden um den Gesamtsieg kaum mitreden können. Zeitfahr-Weltmeister Fabian Cancellara hat es auf den Prolog zum Auftakt in Olten sowie das abschliessende Zeitfahren in Bern abgesehen. Etappensiege visieren auch Martin Elmiger, Michael Albasini oder Gregory Rast an.

TdS-Direktor Meier als Ex-Profi kennt das Geschäft in all seinen Facetten. Er hatte 1998 zum Team Festina gehört, das wegen organisiertem Doping von der Tour de France ausgeschlossen worden war. Neben Alex Zülle und Laurent Dufaux gestand auch Armin Meier Doping.

swissinfo, Renat Künzi

Tour de Suisse 2007

Start am 16. Juni (Prolog in Olten), Ziel am 24. Juni (Zeitfahren in Bern), Totaldistanz 1252 Kilometer.

Neun Etappen, u.a. mit den Pässen Flüela, Lukmanier, Nufenen, Furka, Grimsel und Susten.

Drei Bergankünfte: Malbun (4. Etappe), Crans-Montana (6.) und Grimsel (7).

Schweizer Zugpferd ist Fabian Cancellara. Der Zeitfahr-Weltmeister visiert in Prolog und dem abschliessenden Rennen gegen die Uhr an.

Martin Elmiger, Michael Albasini oder Gregory Rast optieren ebenfalls auf einen Etappensieg.

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Doping

Der Radsport gehört mit Leichtathletik und Ski Nordisch zu den Sportarten, die am meisten dopingverseucht sind.

Die Probleme: Die Nachweis-Methoden hinken der Realität meist mehrere Jahre hinterher und die Instanzen der Dopingbekämpfung leiden meist an akuter Geldknappheit.

Verbreitete illegale Substanzen (meist Medikamente):

EPO: regt die Bildung roter Blutkörperchen an (wichtig für Sauerstofftransport).

Blutdoping: Infusion von Eigen- oder Fremdblut, das mit roten Blutkörperchen angereichert ist.

Wachstumshormone: Regulieren wichtige Stoffwechselvorgänge. Auch für Muskelaufbau, weil EPO Muskeln abbaut.

Insulin: Reguliert den Blutzucker (wichtig für Leistung). Unterstützt Muskelaufbau.

Testosteron: Steroidhormon, u.a. für Muskelaufbau und Regeneration.

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