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TAGESÜBERBLICK WIRTSCHAFT

Dieser Inhalt wurde am 05. Oktober 2010 - 17:37 publiziert

Bern (awp/sda) - Dienstag, 5. Oktober 2010
MILLIARDENZAHLUNG UND HAFTSTRAFE: Ein Pariser Gericht hat dem Ex-Wertpapierhändler Jérôme Kerviel die volle Schuld für die milliardenschweren Fehlspekulationen bei der Grossbank Société Générale gegeben. Kerviel wurde zu fünf Jahren Haft verurteilt, zwei davon werden auf Bewährung ausgesetzt. Ausserdem soll der heute 33-Jährige der Société Générale die 4,9 Mrd. Euro zurückzahlen, die die Bank durch seine Geschäfte 2008 verlor. Es ist die höchste Schadensersatzsumme, die je ein französisches Gericht einem einzelnen aufgebrummt hat. Der Richter befand Kerviel des Vertrauensmissbrauchs, der Fälschung und der betrügerische Eingabe von Daten ins Computersystem für schuldig. Die Bank habe von Kerviels Tun keine Kenntnis gehabt.
BERNANKE MAHNT ZUM SPAREN: US-Notenbankchef Ben Bernanke hat vor den Folgen des ausufernden Haushaltsdefizits der USA gewarnt. Er sieht eine "wachsende und reale Gefahr" für die US-Wirtschaft. Als Abhilfe bringt er eine Art "Schuldenbremse", wie sie die Schweiz kennt, ins Spiel. Unter den Möglichkeiten, die Bernanke vorbrachte, um das Budget wieder unter Kontrolle zu bringen, nannte er die Erfahrungen der Schweiz mit der Schuldenbremse, welche die Ausgaben im Einklang mit den Einnahmen halten soll. Er könne sich die Einführung von solchen Haushaltsregeln vorstellen, hielt Bernanke fest. Ein solcher Schritt wäre auch ein wichtiges Signal an die Bürger, dass der Kampf gegen das Haushaltsdefizit ernstgenommen werde. "Dies wäre gut für das Vertrauen", erklärte Bernanke.
FINANZSEKTOR BLEIBT ACHILLESFERSE: Der Internationale Währungsfonds (IWF) ist unzufrieden mit dem erreichten Mass an Finanzstabilität in der Welt. Die Schuldenkrise in einigen europäischen Ländern habe sogar eher einen zeitweiligen Rückschritt gebracht, heisst es in einem neuen IWF-Bericht zur globalen Finanzstabilität. "Erforderlich sind weitere regulatorische Reformen und mehr Klarheit über Massnahmen, die zur Vermeidung künftiger Finanzkrisen nötig sind", mahnte der Fonds. In seinem Basis-Szenario geht der IWF von einer schrittweisen weiteren Verbesserung der weltweiten Finanzstabilität aus. Ohne weitere Sicherheitspuffer in den Bankenbilanzen bleibe das Bankensystem anfällig für Vertrauensschocks.
DRUCK AUF CHINA VERSTÄRKT: Der Konflikt um die niedrig gehaltene Währung Chinas wird schärfer. Die Europäer verlangten in Brüssel am Rande des EU-Asien-Gipfels in ungewöhnlich deutlichen Worten eine Aufwertung des Yuan. Die EU geht aber nicht so weit wie die USA - Washington brachte inzwischen Strafzölle gegen chinesische Produkte auf den Weg. Am Rande des Spitzentreffens ging es um wichtige Vorhaben: So will Japan nach dem Vorbild Südkoreas einen Freihandelspakt mit der EU schmieden. Die Ankündigung Pekings vom Juni, die feste Anbindung des Yuan an den US-Dollar aufzuheben, habe bisher nicht die gewünschte Wirkung gezeigt, bemängelte der Vorsitzende der Euro-Finanzminister, Jean-Claude Juncker.
KURZARBEIT BEI ALSTOM GEFORDERT: Die Aargauer Regierung will den drohenden Abbau von bis zu 750 Stellen in den Alstom-Werken in Birr und Baden möglichst durch Kurzarbeit abfedern. Der Abbau wäre ein "schwerer Schlag" für den Industriestandort Aargau, wie der Regierungsrat am Dienstag mitteilte. Volkswirtschaftsdirektor Urs Hofmann werde sich möglichst bald mit der obersten Leitung von Alstom Schweiz treffen. Er war am Montag über den Stellenabbau informiert worden. Bei den Gesprächen soll die Einführung von Kurzarbeit geprüft werden. Der Kanton zeigte sich zudem bereit, Hilfe zu leisten. Die Mitarbeiter wurden am Dienstagnachmittag von der Alstom Schweiz über den Stellenabbau informiert.
DOLLAR SCHWÄCHELT WEITER: Der Wert der US-Währung gegenüber dem Franken fiel am Dienstag auf den tiefsten Stand seit März 2008. Am Nachmittag stand der Dollar bei 0,9686 Franken, nachdem er am Vortag bei 0,9710 Franken geschlossen hatte. Nach Ansicht von Analysten der ZKB geht die Schwäche des Dollars vor allem auf die Entwicklung in der Eurozone zurück: Die Abschwächung der Konjunktur in Europa ist nicht so stark wie befürchtet. Dies feiere nun der Markt, was auch den Franken gegenüber dem Dollar stärker mache.
JAPANS LEITZINS AUF NULL: Im Kampf gegen die Wirtschaftskrise und den starken Yen flutet die japanische Notenbank die heimische Wirtschaft mit billigem Geld. Der Leitzins werde auf 0,0 bis 0,1 Prozent gesenkt, teilte die Bank von Japan mit. Sie will zudem über einen Fonds Vermögenswerte kaufen und Milliarden-Kredite zur Verfügung stellen. Der Schritt kam überraschend - der Yen ging auf Talfahrt, die japanischen Börsen drehten umgehend ins Plus. Auch in den USA wird damit gerechnet, dass die Notenbank Fed die schwächelnde Konjunktur mit weiteren Milliarden stützt.
NORWEGEN ERWARTET MILLIARDENÜBERSCHUSS: Norwegen hat sich nach Ansicht der Regierung von der Wirtschaftskrise erholt. Für 2011 erwartet die Regierung einen Haushaltsüberschuss von 266,1 Mrd. Kronen (33,1 Mrd. Euro) und ein Wirtschaftswachstum von 3,1 Prozent, wie sie mitteilte. Schon in diesem Jahr rechnet die Regierung mit einem Überschuss von umgerechnet 28,3 Mrd. Euro bei einem Wirtschaftswachstum von 1,7 Prozent. Norwegen hat grosse Öl- und Gasvorkommen. Es leitet einen Grossteil seiner Einnahmen aus der Förderung in seinen Staatsfonds, der zu den grössten der Welt zählt. Das Volumen des Staatsfonds dürfte bis Ende dieses Jahres auf 375 Mrd. Euro und bis Ende 2011 auf fast 418 Mrd. Euro steigen wird. Bis zu vier Prozent der Fondseinnahmen darf die Regierung in den normalen Haushalt fliessen lassen.
SCHWEIZER TEUERUNG KAUM VERÄNDERT: Die Schweizer Konsumentenpreise haben sich im September kaum verändert. Innert Jahresfrist betrug die Teuerung 0,3 Prozent. Bereits im August hatte sie bei 0,3 Prozent gelegen, im September des Vorjahres bei -0,9 Prozent. Gegenüber dem Vormonat blieb der Landesindex der Konsumentenpreise unverändert auf dem Stand von 103,4 Punkten (Dezember 2005=100), wie das Bundesamt für Statistik (BFS) mitteilte. Damit hoben sich zwei Effekte auf: steigende Preise wegen anziehender Nachfrage im Zuge der kräftigen Konjunkturerholung und sinkende Preise wegen der Frankenstärke. Trotz markant billiger gewordener Beschaffungsmöglichkeiten im Euro- und im Dollarraum, sanken die Endpreise für Importgüter innert Jahresfrist nur um 0,2 Prozent. Die Inlandgüter verteuerten sich dagegen um 0,4 Prozent.
HOHER SCHULDENBERG BEI SUNRISE: Sunrise wird in den nächsten Jahren hohe Schulden zu tragen haben. Ein Grossteil des Preises, den der neue Besitzer CVC für das Telekomunternehmen bezahlt hat, wird Sunrise nämlich als Fremdkapital aufgebürdet. Nach Angaben von CVC schultert Sunrise 2,3 Mrd. Franken in Form von Krediten und Obligationen, die zwischen 2016 und 2018 fällig werden. Das sind rund zwei Dritteln des Kaufpreises von 3,3 Mrd. Franken.
NEUER NAME BEI GOLDBACH: Das europaweit tätige Werbevermarkterin Goldbach Media nennt sich ab sofort Goldbach Group. Die meisten der rund 40 Gesellschaften in der Schweiz und im Ausland werden unter einer einzigen Dachmarke zusammengefasst. Das Unternehmen werde aus drei Sparten bestehen, teilte die Gruppe mit. Goldbach besitzt unter anderem die Schweizer Werberechte für alle deutschen Privatsender und die Schweizer Station Drei+. Unter dem Namen Goldbach Media wird weiter das klassische Geschäft ausserhalb des Internets wie die Werbevermarktung in Fernsehen und Radio geführt. Der Umbau kostet eine halbe Million.
PROTEST BEI CARDINAL: Etwa 50 Cardinal-Angestellte haben in Freiburg während einer Stunde ihre Arbeit niedergelegt. Sie protestierten damit gegen den Entscheid des Getränkekonzerns Feldschlösschen, die Brauerei in Freiburg definitiv zu schliessen. Für die Protestierenden ging es bei der Aktion vor allem um Respekt und Würde. Ihr Vertreter René Fragnière kritisierte den Feldschlösschen-Konzern, der die Vorschläge der Angestellten zur Rettung des Standorts in Freiburg verworfen hatte. "Wir haben lediglich Verachtung gespürt", sagte er. Feldschlösschen nahm den Arbeitsunterbruch mit Enttäuschung zur Kenntnis. Der Konzern sei aber bereit, den Dialog mit den Angestellten fortzusetzen.

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