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Syngenta: Erkrankte Mitarbeiter erhalten Entschädigung

Rund 300 Personen kamen mit dem Insektizid in Berührung. Keystone

An Blasenkrebs erkrankte Ex-Mitarbeiter des Syngenta-Werks in Monthey erhalten eine finanzielle Zuwendung. Der Agrochemiekonzern hat mit der Gewerkschaft Unia eine entsprechende Vereinbarung getroffen.

Dieser Inhalt wurde am 06. Dezember 2006 - 14:04 publiziert

Die Betroffenen waren zwischen 1966 und 1988 an der Produktion des Insektizids Galecron beschäftigt.

Neun ehemalige Mitarbeiter kommen in den Genuss einer einmaligen Zahlung, wie die Gewerkschaft Unia und Syngenta mitteilten. In zwei weiteren Fällen werden die Angehörigen verstorbener Mitarbeiter entschädigt.

Sämtliche Mitarbeiter oder Angehörigen erhalten dieselbe Summe. Über die Höhe der Entschädigung vereinbarte die Unia mit Syngenta Stillschweigen. Es handle sich jedoch um eine namhafte Summe, sagte Nico Lutz von der Unia auf Anfrage.

Das Unternehmen habe sich aus Respekt vor den ehemaligen Mitarbeitern zu einer Entschädigung entschlossen, sagte Rolf Furter von Syngenta. Die Firma sei erst sechs Jahre alt und habe einige Dossiers aus grauer Vorzeit geerbt.

Altes Ciba-Werk

In Monthey produzierte die damalige Ciba-Geigy von 1966 bis 1976 und von 1979 bis 1988 Galecron. Bei der Herstellung entstanden Zwischenprodukte, die möglicherweise die Ursache für ein vermehrtes Auftreten von Blasenkrebs bei den ehemaligen Angestellten sind.

Nach der Fusion von Ciba-Geigy und Sandoz zu Novartis wurden auf 2000 hin die Sektoren Pflanzenschutz und Saatgut vom Basler Chemiemulti ausgegliedert und mit dem Bereich Agrichemicals von AstraZeneca zur Syngenta fusioniert. Damals übernahm Syngenta das Werk Monthey.

Kein wissenschaftlicher Nachweis

Die Betroffenen bekommen ihre Entschädigung, obwohl der wissenschaftliche Nachweis eines Zusammenhangs der Galecron-Produktion mit den Blasenkrebs-Erkrankungen unmöglich war. Dazu war die Zahl der Fälle zu niedrig. Sollten weitere ehemalige Angestellte des Werks an Blasenkrebs erkranken, würden auch sie entschädigt.

Darüber hinaus wird Syngenta 250'000 Franken in eine Sensibilisierungs-Kampagne für Krebsprävention am Arbeitsplatz investieren. Zudem werden sich Experten der Gewerkschaft und des Chemiekonzerns jährlich zu einem Austausch über aktuelle Themen des Gesundheitsschutzes treffen.

"Die Vereinbarung mit Syngenta ist beispielhaft und zukunftsweisend", sagte Corrado Pardini, Branchenverantwortlicher für die chemische und pharmazeutische Industrie bei Unia. Die Gewerkschaft habe sich rasch mit dem Konzern verständigt, und man habe zusammen eine unkomplizierte Unterstützung der Betroffenen vereinbaren können.

Seit langem kritisiert

Die Ciba-Geigy war bereits seit Ende der Siebziger Jahre wegen der Gesundheitsrisiken bei der Anwendung des Insektizids kritisiert worden. 1988 beendete der Chemiemulti auf internationalen Druck hin die Produktion und führte gesundheitliche Überprüfungen der Mitarbeiter in Monthey ein. Heute werden immer noch 294 Personen regelmässig kontrolliert.

Nachdem 2005 bei einigen ehemaligen Mitarbeitern des Werks Monthey Blasenkrebs diagnostiziert worden war, bildete die Unia Wallis eine Expertengruppe. Die nationale Gewerkschaft griff den Fall auf und setzte sich mit Syngenta in Verbindung.

swissinfo und Agenturen

In Kürze

1996 fusionierten die Chemie-Giganten Ciba-Geigy und Sandoz.

Daraus enstand Novartis.

1998 wurde aus der Novartis Agrochemie zusammen mit der entsprechenden Sparte von AstaZeneca der Agrochemie-Konzern Syngenta.

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Fakten

Im ersten Halbjahr 2006 verzeichnete Syngenta einen Umsatz-Rückgang von 3% auf 5,2 Mrd. US-Dollars.

Der Reingewinn stieg um 8% auf 1,07 Mrd. Dollars.

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