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Swissmem warnt vor EU-feindlicher Abstimmung

Swissmen-Präsident Johann Schneider-Amman sieht vorsichtig optimistisch in die Zukunft. Keystone

Für die Schweizer Maschinenindustrie, die grösste Arbeitgeberin im Lande, war 2004 "zufriedenstellend". Für 2005 ist man vorsichtig optimistisch.

Dieser Inhalt wurde am 23. Februar 2005 - 19:23 publiziert

Johann Schneider-Ammann, Chef des Branchenverbandes Swissmem, warnt jedoch vor der Ablehnung des freien Personenverkehrs mit der EU an der Urne.

Die Swissmem-Spitze präsentierte an einer Medienkonferenz in Zürich eine Auftrags-Zunahme der 290 Mitgliedsfirmen in der Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie von 7,1% für das Jahr 2004.

Die Verkäufe der Swissmem-Mitglieder erhöhten sich um 5,8% und die Exporte stiegen um 8,3%. Mit 306'888 Angestellten blieb das Beschäftigungsniveau erhalten.

Schneider-Amman sieht als Hauptschwerpunkte für das Jahr 2005 den Einsatz für ein Ja in den beiden EU-relevanten Abstimmungen, die Einführung eines neuen Export-Risiko-Garantie-Gesetzes sowie die Erneuerung des industrieweit geltenden Gesamtarbeits-Vertrages.

swissinfo: 2004 scheint, ein gutes Jahr für Ihre Mitglieder gewesen zu sein. Sind Sie auch für die Zukunft optimistisch?

Johann Schneider-Ammann: "Ich bin optimistisch, dass dieses Jahr so gut wird wie das letzte. Wir sind der Ansicht, dass die weltweite Konkurrenz gleich bleiben wird und wir versuchen, unsere Position weiter zu verbessern. Das bedeutet, ich erwarte einen vergleichbaren Umsatz wie letztes Jahr. Der Umsatz ist das eine, Margen und Profite sind das andere. Zudem müssen wir unsere Hausaufgaben machen: Kostenreduktionen, versuchen produktiver zu sein, mehr Innovation, usw.

swissinfo: Welche Auswirkungen könnte es für die Industrie haben, wenn die Ausweitung des Personenfreizügigkeits-Abkommens auf die neuen EU-Staaten von den Schweizerinnen und Schweizern abgelehnt wird?

J.S.A.: Das wäre eine absolute Katastrophe. Wenn das Stimmvolk im September abstimmt, muss es bedenken, was da auf dem Spiel steht. Es geht nicht darum, ob Polen, Tschechen oder Ungaren in der Schweiz arbeiten dürfen. Es geht um den zukünftigen Erfolg der Schweizerischen Maschinen-, Elektro-, und Metallindustrie in ihren wichtigsten Export-Märkten. Zwei Drittel unserer Exporte gingen 2004 in die Europäische Union (EU).

Diese Abkommen ist Teil eines aus sieben Teilen bestehenden Paketes. Und wenn wir dagegen stimmen, würde die EU wahrscheinlich Gegenmassnahmen ergreifen. Ohne den freien Personenverkehr gibt es auch keinen freien Warenverkehr. Wir würden auch darunter leiden, nicht mehr Teil des Europäischen Forschungs- und Entwicklungsprogramms zu sein. Gar nicht zu reden von Handelsschranken und öffentlichen Ausschreibungen.

Wir würden eine grosse Anzahl Arbeitsplätze verlieren. Welcher verantwortungsbewusste Unternehmer würde noch in der Schweiz investieren, wenn ihn dies von den Märkten abschotten würde? Ich möchte wirklich nicht an ein solches Szenario denken.

swissinfo: Damit verbunden ist auch die Abstimmung über Schengen-Dublin. Ist diese gleich wichtig?

J.S.A. Das hat nicht dieselbe Bedeutung, weil es nicht Teil desselben Paketes ist. Aber wir brauchen eine Integration in Europa, und deshalb werden wir – die Industrie –auch dabei für ein Ja kämpfen.

swissinfo: Weiter haben sie das neue Gesetz zur Exportrisiko-Garantie hervorgehoben. Wie wichtig ist das?

J.S.A.: Es ist sehr wichtig. Das heutige Gesetz entspricht nicht den internationalen Standards, weil es nur für Aufträge mit Staaten gilt. Geschäfte mit Firmen des Privatsektors werden nicht abgesichert. Macht man trotzdem Geschäfte mit privaten Firmen, können Kosten entstehen, die bis 80% höher sein können. Das neue Gesetz schliesst diese Lücke, wenn es vom Parlament angenommen worden ist.

swissinfo: Und welche Bedeutung messen sie der Erneuerung des Gesamtarbeits-Vertrages zu, der Ende 2005 ausläuft?

J.S.A.: Die Sozialpartnerschaft in der Industrie und in diesem Land ist extrem wichtig. In einem hochentwickelten Land ohne eigene natürliche Ressourcen ist der optimale Einsatz der Arbeitszeit ein zentraler Wettbewerbsfaktor.

Wir haben eine sehr hohe, auf gegenseitigem Vertrauen basierende Flexibilität. Auf dieser Grundlage möchten wir die Zusammenarbeit mit unseren Sozialpartnern fortsetzen. Sie gestattet längere Wochen- oder Jahres- Arbeitszeiten, beinhaltet eine grössere Flexibilität und erlaubt individuelle Gehaltsverhandlungen. Diese massgeschneiderte Lösung ist einer der Grundlagen der Wettbewerbsfähigkeit der Schweizer Industrie.

swissinfo-Interview: Chris Lewis
(Übertragen aus dem Englischen von Etienne Strebel)

Fakten

Bestellungen: +7,1% auf 89,5 Mrd. Fr.
Verkäufe: +5,8% auf 90,7 Mrd. Fr.
Ausnutzungsziffer: +7,4% auf 88,2%
Angestellte: 306'888 (Ende Sept. 04) gegen 305'972 (Ende 2003)
Arbeitslose: 10'843 (vorher 13'184)
Teilzeitangestellte: 1285 (1829 im Jahr 2003)
Anzahl Swissmem-Mitglieds-Firmen: 290

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