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Sulzer: Massiver Rückgang

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Der Winterthurer Medizinaltechnikkonzern Sulzer Medica hat wegen des Hüftgelenk-Debakels in den USA im ersten Halbjahr 2001 einen Reinverlust von 608,1 Mio. Franken hinnehmen müssen.

Dieser Inhalt wurde am 20. September 2001 - 20:43 publiziert

Im Vorjahressemester hatte das Unternehmen noch einen Gewinn von 99,9 Mio. Franken ausgewiesen. Der Betriebsverlust belaufe sich im ersten Halbjahr 2001 auf 805,2 Mio. Franken, wie das Unternehmen am Mittwoch in einem Communiqué bekannt gab.

Für den Industriekonzern Sulzer bleibt laut eigenen Angaben der Halbjahres-Verlust der ehemaligen Tochter Sulzer Medica "ohne Folgen". Die vollkonsolidierte Sulzer-Erfolgsrechnung, die den Verlust berücksichtigt, sei ohne "wirtschaftliche Bedeutung".

Vergleichskosten in USA der Rechnung belastet

Der gewaltige Verlust ist die Folge der in den USA erwarteten Vergleichszahlungen an die Opfer der fehlerhaften Hüft- und Knieprothesen. Kosten von umgerechnet 928 Mio. Franken wurden der Rechnung für das zweite Quartal belastet, wie es heisst. Das operationelle Ergebnis im zweiten Quartal sank gleichzeitig von 70 auf 52 Mio. Franken.

Die Zahlungen an die Opfer der fehlerhaften Hüft- und Knieprothesen werden das Ergebnis von Sulzer Medica auch in dem kommenden drei Jahren belasten, wie es in der Mitteilung heisst. Konzernchef Stephan Rietiker wird mit den Worten zitiert: "Aber ich werde dafür kämpfen, dass das Unternehmen dies auch verkraften kann."

Einstweilige Verfügung in USA erwirkt

Wie Sulzer Medica weiter bekannt gab, hat das Unternehmen vor dem für den Vergleichsvorschlag in den USA zuständigen Bundesbezirksgericht in Cleveland (Ohio) eine einstweilige Verfügung erreicht.

Sämtliche Gerichtsverfahren sowie die Vollstreckung von bereits ergangenen Urteilen zu Gunsten der betroffenen Patienten erführen damit eine aufschiebende Wirkung. Damit sei eine Gleichbehandlung aller Patienten gewährleistet, und es sei ausgeschlossen, dass ein Urteil in einem Einzelfall bereits vollstreckt werde. Die entsprechende Verfügung des Gerichts erging laut Mitteilung am letzten Montag.

Operative Probleme

Auch ohne Sondereinflüsse hat Sulzer Medica im ersten Halbjahr einen Rückgang hinnehmen müssen. Das Betriebsergebnis vor Abschreibungen auf Goodwill und Spezial-Faktoren sei um 18,2% auf 119,2 Mio. Franken geschrumpft, teilte das Unternehmen mit.

Dagegen habe der Umsatz beider Geschäftseinheiten zugenommen. Während der Bereich Orthopädie um 5,6% auf 593,2 Mio. Franken wuchs, legte der Umsatz der Kreislauf-Implantate um 5,3% auf 129,6 Mio. Franken zu.

Massnahmen zur Ergebnisverbesserung

Das Unternehmen habe Massnahmen eingeleitet, um eine "nachhaltige Verbesserung" zu erreichen, hiess es weiter. Im Bereich Herzklappen würden die Gewichte verlagert. Gefördert werden sollen biologische Herzklappen.

Auch soll die Kostenstruktur unter die Lupe genommen werden. Über operative und strukturelle Einzelheiten werde im vierten Quartal informiert, sagte Unternehmenssprecher Andy Bantel. Personelle Massnahmen stünden "nicht im Vordergrund".

Verlegung des Konzernsitzes

Sulzer Medica trennt sich auch örtlich von der früheren Mutter-Gesellschaft Sulzer AG. Noch dieses Jahr verlegt Medica den Konzernsitz von Winterthur nach Zürich. Produktion und Forschung bleiben in Winterthur.

swissinfo und Agenturen

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