Navigation

Studierende benoten ihre Dozenten

Nicht nur Studenten leiden unter Notendruck. Keystone Archive

Professoren und Dozenten an Schweizer Universitäten und Fachhochschulen müssen sich einer strengen Prüfung stellen – einer Online Bewertung durch ihre Studenten. Nicht alle Professoren sind begeistert.

Dieser Inhalt wurde am 31. März 2008 - 10:18 publiziert

Die Website MeinProf.ch ist seit Dezember online. Seither haben 2500 Studierende ihre Meinungen abgegeben. Diese haben bei einigen Professoren zu bösen Überraschungen geführt.

Während das Lehren von Suaheli eher Bestnoten bringt, führen Vorlesungen über das Computerzeitalter oder Management nicht zwangsläufig zu überdurchschnittlichen Bewertungen.

Jochen Bigus, Professor für Management an der Universität Bern, ist einer jener, deren Bewertung keine astronomischen Werte erreicht: Er weist eine Gesamtbewertung von 2,2 Punkten bei 5 möglichen auf und nur 1,8 Punkte beim Vergnügungsfaktor. Er räumt ein, vom Resultat etwas irritiert zu sein.

Schwachpunkt

"Ich glaube, es kann ein wenig irreführend sein, wenn nur sechs Studenten an der Bewertung teilnehmen", sagt er gegenüber swissinfo. "In-house-Evaluationen, an denen sich mehr als 100 Studierende beteiligen, geben mir ein aussagekräftigeres Resultat."

Bigus weist damit auf einen Schwachpunkt des Online-Bewertungs-Systems hin: Die Zahl der Teilnehmer sei viel zu gering, um so eine Evaluation richtig repräsentativ zu machen.

Repräsentativer werden

"Wir brauchen mindestens zehn mal mehr Bewertungen", räumt Patrick Mollet ein. Der Leiter von MeinProf.ch sagt weiter: "Um wirklich repräsentativ zu werden, müssen wir neben den Deutsch sprechenden Studierenden auch die Französisch- und Italienischsprachigen einbeziehen."

Er verteidigt jedoch das Konzept der Website, sei dies doch der einzige Weg, die Lehrkräfte öffentlich zu bewerten, "denn In-house-Evaluationen bleiben vertraulich und landen in der Regel in irgendeiner Schublade, wo niemand sie sieht".

Pro und Kontra

Trotz seines eigenen schlechten Abschneidens ist Bigus nicht der Meinung, das System sei von Grund aus schlecht.

"Es ist gut für die Studierenden, dass sie sagen können, was sie denken und es ermuntert die Professoren vielleicht, einen besseren Job zu machen", sagt er. "Einige Studierende könnten jedoch dieses System dazu missbrauchen, Lehrkräfte zu diskreditieren."

Für Mollet ist dieses Probleme jedoch kaum mehr als ein Tropfen in einem Wasserglas. Denn das Original der MeinProf-Website in Deutschland habe gezeigt: "Mit einer genügend grossen Zahl von Bewertungen werden die missbräuchlichen einfach in der Masse untergehen."

Rechtliche Schritte

Einige Professoren in der Schweiz haben sich darüber beschwert, öffentlich bewertet zu werden und zum Teil auch rechtliche Schritte angedroht. "Ja, es gibt Drohungen, aber niemand hat sie bis jetzt umgesetzt", erklärt Mollet. Er ist überzeugt, dass die Betreiber der Webseite nicht vor Gericht gezerrt werden.

Einen Teil seines Vertrauen baut auf Verlautbarungen aus dem Büro des eidgenössischen Datenschützers. Es hat kürzlich verlauten lassen, die Daten auf der Webseite seien nicht vertraulich und die Kriterien zur Bewertung der Lehrkräfte seien sachlich.

Ein weiterer Grund für seine Zuversicht: In Deutschland hat sich kürzlich ein Gericht auf die Seite der Webseiten-Betreiber geschlagen und festgehalten, dass diffamierende Äusserungen von Studierenden Teil des Evaluationsprozesses seien.

Das Gericht hatte jedoch anerkannt, dass die Betreiber das diffamierende Material von der Webseite entfernt hätten. Man könne sie aber nicht verpflichten, die Online-Präsenz 24 Stunden pro Tag zu überwachen.

Neue Realität

Für Mollet sind das eigentliche Problem jene Professoren, die Angst davor haben, öffentlich bewertet zu werden. Es sei für sie ein völlig neues Konzept, obwohl es in anderen Ländern schon lange eingeführt sei.

Bigus meint, egal, wie gut oder schlecht die Ergebnisse seien, müssten sich die Lehrkräfte mit dieser Realität arrangieren. Er hofft aber, dass die Online-Bewertung in Zukunft nicht missbraucht wird.

"Die Bewertungen sind für die Professoren nicht immer von Vorteil, weil sie einen falschen Eindruck vermitteln könnten – gut oder schlecht", sagt er gegenüber swissinfo.

"Die Resultate könnten jedoch später Konsequenzen haben, etwa wenn Universitäten und Fonds über Projektfinanzierungen entscheiden."

swissinfo, Scott Capper
(Übertragung aus dem Englischen: Etienne Strebel)

Beurteilung

MeinProf wurde 2005 von fünf Studenten in Berlin als deutschlandweites Beurteilungssystem für Lehrkräfte entwickelt.

Studierende können Professoren und Dozenten anhand sieben Kriterien (Fairness, Unterstützung, Material, Verständlichkeit, Spass, Interesse und Verhältnis Note/Aufwand) bewerten und Kommentare dazu abgeben.

Die Betreiber der Webseite wollen den Studierenden nach eigenen Angaben helfen, die besten Kurse und die besten Schulen auszuwählen

End of insertion

Artikel in dieser Story

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Webseite importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@swissinfo.ch

In Übereinstimmung mit den JTI-Standards

In Übereinstimmung mit den JTI-Standards

Mehr: JTI-Zertifizierung von SWI swissinfo.ch

Diskutieren Sie mit!

Diesen Artikel teilen

Passwort ändern

Soll das Profil wirklich gelöscht werden?