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Strategie-Kurse für Schweizer Armee im Pentagon

Die Teilnehmer des Strategiekurses vor dem "National War College" in Washington. M.-C. Bonzom

Mehrere ranghohe Vertreter der Schweizer Armee und anderer Stellen haben am Freitag eine Reise über strategische Studien in Washington abgeschlossen. Gemäss der Schweizer Botschaft in den USA eine Premiere.

Dieser Inhalt wurde am 01. Juli 2008 - 08:07 publiziert

Sechs Wochen lang haben die Teilnehmer im Pentagon und im Nationalen Nachrichtendienst Kurse absolviert.

Zudem haben sie auch Spezialisten von zwei der renommiertesten US-Denkfabriken in Sachen Sicherheit, so genannten "Think Tanks", zugehört, der Brooking Institution und der Rand Corporation.

Die Gruppe war unter Leitung von Oberst Beat Lauper, Vertreter des Departements für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport VBS an der Eidgenössischen Technischen Hochschule ETH in Zürich, nach Washington gereist.

Die Teilnehmer werden 2009 den neuen Master-Lehrgang über Sicherheitspolitik und Krisenmanagment abschliessen.

Neue Prioritäten

"Unser Besuch ist strategischer Natur. Es geht darum, eine weltweite Perspektive über die Risiken und Bedrohungen zu erhalten, besonders in der Welt nach dem 11. September", erklärt Oberst Beat Lauper gegenüber swissinfo. Er nimmt damit Bezug auf die Anschläge auf das Pentagon und das World Trade Center.

"Wir müssen wissen, wie die Sicherheits-Probleme durch die einzige Supermacht angegangen werden", fügt der Oberst im Generalstab an. Nach seinem Aufenhalt in Washington zieht er die Schlussfolgerung, dass es für die Schweiz notwendig sei, "einen globalen Zugang zu haben und mehrere Regierungsstellen für eine Zusammenarbeit mobilisieren zu können".

Armeechef Roland Nef, der seit Januar 2008 im Amt ist, setzt seine Priorität auf die Ausbildung der Bodentruppen und der Luftwaffe, deren Führung und militärischem sowie zivilem Personal.

Unter dieser Optik finanziert die Armee Studien für den Master an der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Zürich. "Die Ausbildung ist dazu ein Schlüssel, denn sie schafft das Fundament der bewaffneten Truppen und garantiert, dass die Führungskräfte in der Armee für die Zukunft gewappnet sind", erklärt Lauper.

Veränderung in der Luft

In Washington fand die Gruppe von Beat Lauper eine offenes Klima vor, was die Spezialisten nicht erwartet hätten.

"Was uns erstaunte, war die Offenheit unserer amerikanischen Gesprächspartner und die Vielfalt ihrer Meinungen, im Gegensatz zur in Europa vorherrschenden Ansicht, dass George Bush alles lenkt", sagt der Oberst.

Man spüre jedoch, dass die amerikanische Präsidenschaftswahl "eine Veränderung innerhalb der Regierung bringen wird", so Lauper.

"Die Amerikaner haben anerkannt, dass die Art und Weise, wie sie ihre Politik während der letzten acht Jahre geführt haben, vor allem in der ersten Amtszeit von Bush, auch zu wichtigen negativen Resultaten führte", erklärt Reto Häni,
Delegierter für Informatik im Verteidigungs-Departement VBS, gegenüber swissinfo.

Häni beobachtet in den USA zwei Tendenzen: "Nachdem sie alles ganz alleine gemacht haben, sind sich die Amerikaner erstens nun bewusst, dass sie mit anderen zusammenarbeiten und die bewaffneten Truppen mit Zivilen arbeiten müssen", sagt er.

Er betont, dass diese Tendenz auch in der Schweiz aufkomme, wo das Militär aufgerufen ist, mit der Polizei, dem Zivilschutz, den Rettungsdiensten und dem Departement für auswärtige Angelegenheiten EDA zusammenzuarbeiten.

"Zum zweiten sind uns die USA in Sachen Technologie weit voraus, beginnen aber zu verstehen, dass High Tech nicht zwingend vieles ändert", fügt Reto Häni an und betont, dass "Medium Tech", wie es in der Schweiz angewendet wird, "ein besseres Kosten-Nutzen-Verhältnis hat als High Tech".

Mehr mit weniger

Peter Soller, Oberst im Generalstab und Chef Einsatzführung der Schweizer Luftwaffe, erwähnt im Gespräch mit swissinfo, dass ihm die Weiterbildung in Washington "einen tieferen Einblick darüber vermittelt hat, welche Beziehungen die Amerikaner nicht nur mit Europa, sondern auch mit China oder Indien anstreben".

"Wir haben realisiert, dass, auch wenn es Unterschiede über Mittel und Zweck gibt, die Ansichten über die Herausforderungen in der Welt sich nicht so sehr unterschieden, dass diese zwischen den USA und Europa stehen würden", sagt der Armee-Oberst.

Die Weiterbildung in Washington erfolgt zu einem Zeitpunkt, wo sich die Schweizer Armee im Übergangsprozess befindet. Ein neues Reformprojekt wird in diesem Jahr vom Parlament geprüft, während das Budget und der Personalbestand um rund 50% verkleinert wurden.

"Wir stehen unter enormem Druck", erläutert Reto Häni. Die Armeeangehörigen sind aufgefordert, "mit weniger mehr zu machen. Das Parlament will, dass wir mehr Truppen ins Ausland schicken. Zwischen den Mitteln, die uns heute zur Verfügung stehen und dem politischen Willen gibts aber eine Diskrepanz", bedauert der VBS-Informatik-Chef.

Die gleiche Besorgnis herrscht beim Einsatzchef der Luftwaffe. "Man gibt uns Aufgaben, die auszuführen sind, jedoch nicht die angemessenen Mittel. Das stelle ich jeden Tag fest", teilt Peter Soller mit.

Oberst Soller, der auch Super-Puma-Helikopter der Armee fliegt, bestätigt beispielsweise, dass der "Graben" zwischen den Einsätzen und zur Verfügung stehendem Personal und Ausrüstung "eine Besorgnis über die Sicherheit der Flüge" hervorruft.

swissinfo, Marie-Christine Bonzom, Washington
(Übertragung aus dem Französischen: Gaby Ochsenbein)

Internationale Sicherheit

Der Master of Advanced Studies in Security Policy and Crisis Management wurde vor drei Jahren an der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Zürich lanciert.

Der Studienlehrgang steht hochqualifizierten und erfahrenen Führungskräften aus Wirtschaft, Politik, Verwaltung und Armee offen, die sich in den Bereichen Sicherheitspolitik und Krisenmanagement aus- und weiterbilden möchten.

Die Studienreise nach Washington sei die erste aber nicht die letzte dieser Art gewesen, sagt Oberst Beat Lauper.

Die Berufsmilitärs, die an dieser Ausbildung teilnehmen, werden ausser in Washington auch an Kursen am Kings College in London ausgebildet.

Die Organisatoren des Masters sehen auch Ausbildungen in Südost-Asien vor, namentlich in Singapur, wegen der hohen Qualität der dortigen Universitäten.

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