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St. Moritz: Keine Unruhe vor dem Sturm

Bald wird die Zuschauertribüne fertiggestellt sein. swissinfo.ch

Im Engadiner Kurort findet vom 1. bis 16. Februar die Alpine Ski WM statt. Erwartet werden gegen 100'000 - vor allem jüngere - Besucher. Genau das wünschten sich die Organisatoren.

Dieser Inhalt wurde am 10. Januar 2003 - 15:48 publiziert

Drei Wochen vor Beginn laufen die Vorbereitungen nach Plan.

Das Zielgelände sämtlicher Wettbewerbe an der Ski-WM in St. Moritz liegt in Salastrains auf rund 2000 Meter Höhe. Wer diesen Zielraum zurzeit besucht, staunt über die hochalpine Grossbaustelle.

Die Zuschauertribüne ist für 5000 Leute ausgelegt. Bei Temperaturen von -15 Grad arbeiten zahlreiche dickvermummte Spezialisten. Ständig fahren Lastwagen mit allerlei Material vor: Container, Generatoren, (kilo-)meterweise Kabel, WC-Häuschen, bündelweise Slalomstangen, Kisten gefüllt mit Steckern und Zwischenstücken, Kunstoffrohre, das Siegerpodest in Einzelteile zerlegt, Kupplungen, Werkzeuge und Bohrer in Holzkisten.

Gigantische Baumaschinen und Hubstapler fahren von Depot zu Depot. Darin lagern Dutzende von Schneeräum-Geräten und Schneeschaufeln aller Art. Und aus dem gigantischen Puzzle, vor dem der Betrachter staunend stehen bleibt, wird die Alpine Ski-Weltmeisterschaft 2003 konstruiert.

Erstmals Kontrolle aus der Luft

Im Zielgebietes in Salastrains trifft man auf Martin Berthod, den Chef der Rennorganisation. Der ehemalige Schweizer Spitzenrennfahrer ist verantwortlich für die WM-Pisten, die alle im Corviglia-Gebiet liegen.

Doch wo sind die Pisten? Blickt man hin, wähnt man sich in einer Mondlandschaft. Berthod lacht: "Wir reissen die Pisten noch einmal auf und fräsen sie anschliessend wieder zu."

Damit werden die WM-Pisten noch kompakter und fester. Ob sie, wie vom Weltskiverband FIS verlangt, in tadellosem Zustand sind, wird erstmals in der Geschichte des Skirennsportes aus der Luft festgestellt. "Nächste Woche fliegt ein Flugzeug einer Berner Firma über die Pistenanlagen und misst die Schneequalität. Dann wissen wir, wo noch verbessert werden muss", sagt Berthod.

Sicherheitaspekte nach dem Beltrametti-Sturz

Martin Berthod und seine fast 500 Helferinnen und Helfer stellen der FIS die WM-Piste zur Verfügung. Die Rennen selber werden von den FIS-Verantwortlichen ausgeflaggt. Somit gibt es für die Schweizer Fahrerinnen und Fahrer keinen Heimvorteil.

Total 25 Kilometer Sicherheits- und Fangnetze werden entlang der Pisten angebracht. Berthod gibt zu bedenken, dass "der Sturz und die Tatsache, dass Silvio Beltrametti in Val d'Isère das Fangnetz durchschnitten hat, uns schon zu denken gab."

So sollen an den ganz kritischen Stellen insgesamt vier Netztypen hintereinander Fahrerinnen oder Fahrer auffangen, falls sie stürzen. "An der WM 74, die auch hier in St. Moritz stattfand, waren lediglich 200 Meter Netze gespannt. Und gefahren wurde damals nicht wesentlich langsamer", erinnert sich Berthod.

WM parallel zu den öffentlichen Skipisten

Noch dauert der Aufbau der Anlagen an. Die 65 TV-Kameras benötigen unzählige Meter Kabel, die zurzeit verlegt werden. Die WM-Strecke wurde insgesamt sechsmal untertunnelt. Damit können Ski- oder Snowboardfahrer jederzeit und an mehreren Stellen bis an die WM-Strecke heranfahren, um zuzuschauen. Der normale Skibetrieb läuft also auch während der WM im Corviglia-Gebiet weiter.

Die WM-Piste wird erst ab dem 20. Januar für die Öffentlichkeit teilweise und vom 25. Januar ganz gesperrt. "Für die WM brauchen wir nur acht Prozent aller Skipisten in St. Moritz", sagt Jürg Capol, der Marketingchef der WM 2003 gegenüber swissinfo. Damit tritt er dem oft erhobenen Vorwurf entgegen, während der Ski-WM könne man sich in St. Moritz nicht mehr privat auf den Pisten tummeln.

Volle Betten oder Image Building

Tatsächlich herrscht im eleganten Kurort immer noch eine gewisse Skepsis der WM gegenüber. Eine spontane Blitzumfrage von swissinfo in einigen Hotels legt offen, dass diese im jetzigen Zeitpunkt für die WM-Saison noch nicht ausgebucht sind.

Die Stammgäste würden St. Moritz während dieser Zeit meiden. Die Hotels hoffen, ihre Betten dafür mit Offiziellen und Medienvertretern zu füllen.

Der Marketingchef Jürg Capol sieht das Ganze aus einem anderen Blickwinkel: "Sämtliche Untersuchungen zeigen, dass solche Anlässe eine Langzeitwirkung haben", kontert er und denkt ans Image des Kurorts.

Dauerhafte Investitionen, mehr Junge und DJ Bobo

Zudem profitiert St. Moritz von den Infrastruktur-Verbesserungen im Skigebiet. Weit über 30 Mio. Franken des WM-Budgets von total 80 Mio. Franken wurden auf die WM hin in Bahnen und Anlagen investiert, rechnet Capol.

Und wenn man zu Recht immer wieder die vielen noblen und reichen Gäste, die St. Moritz bevölkern, anspreche, so komme der Ort doch um eine gewisse Verjüngung nicht herum. Jürg Capol: "Es gilt, mit einer Ski-Weltmeisterschaft eine gewisse Verjüngungsstruktur der Gästeschaft anzupeilen."

Viele der erwarteten rund 100'000 Zuschauerrinnen und Zuschauern werden jüngere Leute sein, die wohl zum ersten Mal St. Moritz sehen. Schon deshalb spielt an der Eröffnungsfeier, am 1. Februar, DJ Bobo. Ausgerechnet auf der Polowiese.

WM: schnee-, WEF- und kriegssicher

St. Moritz wird am 1. Februar auf jeden Fall bereit sein. Die Skipisten liegen zwischen zwei- und dreitausend Metern Höhe. Sie sind also schneesicher und wurden zudem "technisch beschneit", wie der Einsatz von Schneekanonen offiziell heisst. Das Wetter im Engadin, so Capol, sei meist gut.

Auch wenn die Schweizer Alpinen nicht so brillant abschneiden sollten wie auch schon, dürften die Zuschauerzahlen kein Problem sein. Österreich und Italien liegen ja praktisch um die Ecke.

Wegen dem World Economic Forum (WEF) in Davos, das Ende Januar kurz vor dem Start der WM endet, erwarte man keine negativen Einflüsse. Die Sicherheitskräfte hätten allerdings verschiedene Szenarien vorbereitet.

Bleibt noch die Weltpolitik. Was geschieht, wenn die Irak-Krise zum Irak-Krieg wird?

"Die Weltpolitik können wir nicht beeinflussen", sagt Capol. Doch die Ski-WM werde auch im Falle eines Kriegs stattfinden. Während des Golfkriegs 1991 habe Saalbach diese Situation bereits einmal durchgestanden: "Da war auch Krieg im Irak und es kam dennoch eine schöne WM zustande!"

swissinfo, Urs Maurer, St. Moritz

Fakten

Zu Fuss kommt man auf dem "Schellenursli-Weg" in 30 Minuten vom Bahnhof in das Zielgelände.
Die "Patrouille Suisse" wird vor der Herrenabfahrt am 8. Februar über dem WM-Gelände ihre Flugshow präsentieren.
Höhpunkte auf der Plazza Publica sind die Startnummern-Auslosungen und die Siegerehrungen.

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In Kürze

Für die Durchführung der Ski-WM 2003 in St. Moritz wurde eigens ein Verein FIS alpine Ski WM (VAS) gegründet.

Die WM findet von 1. bis 16. Februar 2003 statt.

Der Start der Herrenabfahrt liegt auf 2840 Metern Höhe am Piz Nair. Der Chef Rennorganisation, Martin Berthod, rechnet mit einer Fahrzeit von einer Fahrzeit von hundert Sekunden.

Die Bauten am Zielgelände beanspruchen rund 5000 Quadratmeter Boden. Es werden 100 Container aufgebaut.

Im Hallenbad von St. Moritz werden 400 Medienleute gleichzeitig arbeiten können. 1500 werden von der WM berichten.

Bereits wurden für rund 6 Mio. Franken Tickets verkauft.

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