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Spritzen könnten bald ausgedient haben

Schmerzen beim Impfen könnten bald der Vergangenheit angehören. Keystone

Impfungen, wie jene, die gegen HIV getestet werden, könnten bald ohne Spritzen verabreicht werden, sagen Schweizer und europäische Wissenschaftler.

Dieser Inhalt wurde am 12. Februar 2008 - 08:04 publiziert

Aerosol-Impfstoffe könnten die bisherigen Verfahren ersetzen. Dies wäre besonders nützlich bei Impfprogrammen in Entwicklungsländern, wo es häufig an qualifiziertem medizinischem Personal und der nötigen Hygiene mangelt.

Die so genannte Aerosol-Technologie ist einer der neusten Methoden, die für gross angelegte Impfkampagnen getestet werden.

"Beim Spritzen gibt es Gesundheitsrisiken", sagt Jean-Pierre Kraehenbuhl, einer der Autoren einer Pan-europäischen Studie, die diese Woche in der Zeitschrift "Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America" veröffentlicht wurde. "In Entwicklungsländern kann dies ein reales Problem sein, nicht so mit Aerosolen."

Viele Menschen haben zudem Angst, eine Impfung bereite Schmerzen. "Das Injizieren grösserer Mengen von Impfstoff ist schmerzhaft. Mit der neuen Technik wäre das nicht der Fall", sagt Kraehenbuhl gegenüber swissinfo.

Die Weltgesundheits-Organisation (WHO) hat die Aerosol-Impfung für Masern mit kleinen Einweg-Geräten getestet, die eine einfache Verteilung des Impfstoffes erlauben.

Minimale Nebenwirkungen

Bis jetzt war diese Methode nicht für Krankheiten geeignet, die via Schleimhäute in den Körper gelangen, wie HIV, das Virus, das Aids verursacht. Für diese Krankheit gibt es bis jetzt nur experimentelle Impfstoffe. Die Forscher wollten jedoch wissen, ob die Aerosol-Technik bedienungssicher ist.

Die Tests wurden an Makaken-Affen durchgeführt. Sie mussten einen experimentellen Impfstoff gegen HIV durch eine Maske einatmen. Der Impfstoff mit beigefügten radioaktiven Markern wurde in einen Krankheitsüberträger eingepflanzt, in diesem Fall in ein Pocken-Virus.

"Die Idee ist, dass es keine Immunreaktion auf den Überträger, sondern nur auf den beigefügten Impfstoff gibt", erklärt Kraehenbuhl, der am Schweizerischen Institut für experimentelle Krebsforschung in Lausanne arbeitet.

Gemäss den Forschern war die Resonanz fast gleich, wie wenn den Makaken der Impfstoff injiziert worden wäre. Die Nebenwirkungen waren minimal, im schlimmsten Fall gab es eine Erkältung.

Die Impfstoffe erreichten auch die Schleimhautgewebe der Lunge und der Atemwege. Im Gehirn oder den Augen der Tiere waren keine Spuren nachzuweisen. Dort könnten sie nämlich schädlich sein.

"Die Aerosol-Impfung durch die Nase kann riskant sein, da es dort Zellen mit einer indirekten Verbindung zum Gehirn gibt", sagt Kraehenbuhl. Wir haben aber herausgefunden, dass die Einnahme via die nasale Route keinerlei toxischen Effekte zeigte.

Immer ein Risiko

Die Resultate zeigen auch, dass die theoretischen Risiken einer Aerosol-Immunisierung nicht grösser sind als bei einer Impfung mit einer Injektion. Laut Kraehenbuhl wurde die Sicherheit von intramuskulären HIV-Impfungen auch an Menschen erfolgreich getestet.

Er fügt jedoch hinzu, dass es trotz der positiven Ergebnisse unwahrscheinlich sei, dass alle künftigen Tests mit Menschen via nasalen Weg durchgeführt würden. Gewisse Impfstoffe würden über den Mund verabreicht, damit mögliche Risiken bei den Nasenhöhlen verhindert werden könnten.

Aber wäre das total sicher? Gemäss Kraehenbuhl kann man nicht davon ausgehen.

"Es gibt immer Risiken", sagt er. "Man muss das Kosten-Nutzen-Verhältnis beachten. Bei der Impfung von 100'000 Menschen gibt es vielleicht einen Zwischenfall. Aber ist das zu verhindern, wenn man einen Impfstoff benutzt? Wir werden auch beim Menschen Sicherheitsstudien durchführen."

Bis zur aktuellen Anwendung der Aerosol-Methode wird es noch eine gewisse Zeit dauern. Die Forscher haben von der Schweizer Regulierungsbehörde Swissmedic eine Genehmigung für eine so genannte Depositionsstudie an Freiwilligen erhalten. Die Lausanner Studie will herausfinden, ob ein Impfstoff von einer Person ausreichend absorbiert werden kann.

Verlaufen die Tests zufriedenstellend, möchten die Forscher erste klinische Tests durchführen.

swissinfo, Scott Capper
(Übertragung aus dem Englischen: Etienne Strebel)

Immunologische Abwehrreaktion

Impfstoffe helfen dem Körper Krankheiten abzuwehren. Sie erreichen dies, indem sie den Körper glauben lassen, er habe diese Krankheit.

In diesem Prozess gibt es vier Schritte, auch als immunologische Abwehrreaktion bekannt:

1. Der Impfstoff wird verabreicht. Er enthält geschwächte oder tote Formen der Krankheit.

2. Das Immunsystem des Körpers erkennt die Eindringlinge, auch Antigene benannt.

3. Sobald Antigene identifiziert werden, entwickelt das Immunsystem Proteine, so genannte Antikörper. Diese bekämpfen die Infektion, indem sie die Antigene töten. Die Antikörper werden von den weissen Blutkörperchen, den Lymphozyten, generiert.

4. Der Körper lagert dann diese krankheitsspezifischen Antikörper, damit sie beim Auftritt der Krankheit bereit stehen.

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Eine europäische Anstrengung

Koordiniert wurde die Studie in Lausanne.

Die Aerosol-Depositions-Untersuchungen wurden in Tours, Frankreich, durchgeführt.

Die Impf-Sammlung und einige Tests wurden in Rijswijk, Holland, erstellt.

Gewebeproben, so genannte Biopsien, wurden in Lausanne untersucht.

In Madrid wurden biologische Tests durchgeführt.

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