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Schweizerschulen im Ausland genesen nur langsam von Corona

Schüler:innen der Schweizer Schule Peking. educationsuisse

Nach dem coronabedingten Unterbruch des Schulbetriebs blicken die offiziellen Auslandschulen der Schweiz in die Zukunft. Was macht sie "schweizerisch"? Dies gilt es als erstes zu definieren.

Dieser Inhalt wurde am 18. Juli 2022 - 14:00 publiziert

Vom 11. bis 13. Juli trafen sich die Schulleiter:innen sowie die Verantwortlichen der 18 Schweizer Schulen im Ausland im Kanton Thurgau zu ihrer ersten vollständigen JahreskonferenzExterner Link in der Schweiz seit drei Jahren.

Am 13. Juli, dem offiziellen Tag, der auch für Gäste offen war, nahmen über hundert Personen teil.

Der Thurgau ist der Patronatskanton des Colegio Pestalozzi, der Schweizerschule in Lima, Peru, die während der Pandemie zu den am stärksten betroffenen Schulen des Netzwerks gehörte. Sie war über ein Jahr lang auf Fernunterricht umgestellt.

Die meisten anderen Schulen, die über Lateinamerika, Asien und Teile Europas verstreut sind, sind "fast wieder zurück in der Normalität", sagt Barbara Sulzer Smith, die Leiterin von EducationsuisseExterner Link, der Organisation, welche die Schweizerschulen im Ausland vertritt.

Innenminister Alain Berset konnte sich bei seinem Besuch der Schweizerschule in Rom im Mai dieses Jahres selbst ein Bild von der Situation machen. "Nach Schliessung und Fernunterricht, welche die Schweizerschule in Rom mit Bravour gemeistert hat, ist es umso schöner, hier ihr 75-jähriges Bestehen zu feiern", twitterte er anschliessend.

Einzig die jüngste Schweizer Auslandschule in Peking musste auch dieses Jahr wieder Fernunterricht durchführen, so Sulzer Smith von Educationsuisse. Die Schulen in der chinesischen Hauptstadt waren im Mai wegen einer Häufung von Corona-Fällen geschlossen worden.

Herausforderungen

"In einigen Schulen bestand die Herausforderung darin, die Kinder [nach dem Fernunterricht] wieder in den normalen Schulalltag zu integrieren", sagt Sulzer Smith gegenüber SWI swissinfo.ch.

Obwohl die Deutschkenntnisse einiger Schüler:innen – dies ist die wichtigste Schweizer Sprache, die an den Schweizerschulen angeboten wird – aufgrund mangelnder Übungsmöglichkeiten etwas nachgelassen hätten, sei das allgemeine Schulniveau dank des effektiven Fernunterrichts gut gehalten worden, fügte sie hinzu.

Die Schüler:innenzahlen an den Schweizerschulen sind jedoch leicht rückläufig. Die neuesten Zahlen für 2020 – jene für 2021 werden in Kürze veröffentlicht – zeigen 7970 Schüler:innen für dieses Jahr, verglichen mit 8000 im Jahr 2019.

"Wir hatten mehrere Auslandschweizerfamilien, die [wegen der Pandemie] in die Schweiz zurückkehrten. Jedoch nahmen einige Schulen neue Kinder auf, weil einheimische Familien erkannten, dass die Schweizerschulen auch in Krisen- oder Pandemiezeiten eine gute Schulbildung bieten", sagt Sulzer Smith.

In den Schweizerschulen im Ausland, die ursprünglich für Expat-Familien ins Leben gerufen wurden, stammen heute nur noch etwa 20% der Schüler:innen ursprünglich aus der Schweiz. Der Rest der Schulgemeinschaft setzt sich aus Einheimischen und Kindern anderer Expats zusammen.

Die Schulen sind gebührenpflichtig, aber nicht gewinnorientiert und werden von einem Patenkanton unterstützt. Dieser stellt pädagogische Hilfe und BeratungExterner Link (aber keine finanziellen Mittel) bereit. Die finanzielle Unterstützung kommt von der Regierung.

Schweizerschulen im Ausland müssen ausserdem bestimmte, in der Schweizer Gesetzgebung festgelegte Kriterien erfüllen. So muss etwa die Mehrheit der Lehrkräfte Schweizer:innen sein. Nur so erhalten die Schweizerschulen ihr Label.

Definieren Sie "Swissness"

In den letzten Jahren wurde jedoch der Ruf nach einer genaueren Definition der "Swissness" laut – insbesondere vor dem Hintergrund eines hart umkämpften Marktes für internationale Schulen. Allein in Singapur, dem Standort einer der Schweizerschulen, gibt es schätzungsweise über 60 internationale Schulen. Auch in China ist der Markt stark umkämpft.

Kai Reusser / swissinfo.ch

Dies hat dazu geführt, dass eine neue Charta erarbeitet wurde, die am 13. Juli der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Darin wird definiert, was die 18 Schweizerschulen unter "Swissness" in ihren Werten, aber auch im Lernen und Lehren sowie im Schulmanagement verstehen. Sie beinhaltet auch, wie die Schulen als kulturelle Knotenpunkte agieren und vernetzt arbeiten.

So wird etwa festgehalten, dass die Beteiligung von Lehrer:innen, Schüler:innen und Eltern an schulischen Entscheidungen sehr wichtig ist. Dies spiegelt die Bedeutung der direkten DemokratieExterner Link – in der das Volk ein Mitspracherecht hat – in der Schweiz wider. Diese Beteiligungsmöglichkeit unterscheidet die Schweizerschulen von anderen Schulsystemen, in denen die Schulleiter:innen wahrscheinlich das letzte Wort haben.

"Viele dieser Charta-Werte werden in Schweizerschulen im Ausland bereits gelebt, aber wir wollen sie sichtbarer machen", sagt Sulzer Smith.

(Übertragung aus dem Englischen: Melanie Eichenberger)

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