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Schweizer Software spürt Landminen auf

Opfer von Landminen in Afghanistan erhalten ihre Prothesen. Keystone

Dank eines Computer-Programms der ETH Zürich können Landminen in Konfliktregionen rascher entdeckt und entschärft werden.

Dieser Inhalt wurde am 11. August 2003 - 11:47 publiziert

Das Informationssystem hilft den Teams vor Ort zu entscheiden, wo sie mit der Entminung beginnen müssen.

"Minen töten und verstümmeln Menschen noch Jahre und Jahrzehnte, nachdem ein Konflikt zu Ende ist" sagt Reto Häni von der Forschungsstelle für Sicherheitspolitik an der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Zürich (ETH) gegenüber swissinfo. Deshalb entwickelte der Software-Spezialist Häni und sein Team das Information Management System for Mine Action (IMSMA), das die Entminung einen grossen Schritt voranbringt. Und damit viele Menschenleben retten hilft.

Die Software ist eine Kombination von einer Datenbank mit einem geografischen Informationssystem (GIS). Die Daten werden von den Minenräumungs-Teams vor Ort in mühevoller Kleinarbeit zusammengetragen und darauf elektronisch erfasst.

Als Grundlage für die Datenerhebung dienen vor allem Karten von ehemaligen Kriegsparteien, lokale Berichte über explodierte Minen, über Munitionsabwürfe von Flugzeugen sowie Beobachtungen über die Verminung von Gebieten durch Soldaten.

Prioritätensetzung...

Mit dem IMSMA können die Minenräumer rasch entscheiden, wo aufgrund der grössten Bedrohung für Zivilisten als erstes mit der Entminung zu beginnen ist. "Es liegen immer noch unzählige Minen aus dem Zweiten Weltkrieg in der Wüste, wo sich aber kaum jemand befindet. Aber eine einzige Mine, die den Zugang zu einer Schule blockiert, kann weitreichende Folgen für das Leben einer ganzen Gemeinde haben", verdeutlicht Häni das Problem.

... und Gefahrenkarte retten Leben

Zudem können rasch Gefahrenkarten von Landstrichen ausgedruckt werden, die mit Minen verseucht sind. "Eines der Hauptziele ist die Verhinderung von Minenopfern," so Häni. "Wenn rasch Karten mit den gefährlichen Zonen vorliegen, wird die Zivilbevölkerung diese Gegenden meiden."

Häni ist sich aber darüber im Klaren, dass allein mit dem Informationssystem das Problem der Landminen nicht gelöst werden kann.

Feuertaufe im Kosovo

Die Software kam zum ersten Mal in Kosovo zum Einsatz und wird jetzt in 30 Ländern, unter anderem im Irak, erfolgreich angewendet. Das Internationale Zentrum für Minenräumung in Genf unterstreicht den Nutzen des IMSMA für friedenssichernde Truppen, die Lokalbevölkerung und Nichtregierungs-Organisationen.

"Das Problem der Landminen ist allgemein nicht so sehr ihre Beseitigung, sondern die Suche nach ihnen", sagt Davide Orifici, Sprecher des Genfer Zentrums. "Dieses System des Informations-Management erlaubt es, detaillierte Karten über bestimmte Landstriche zu erstellen."

Traurige Zahlen

Gemäss den Angaben des International Centre for Humanitarian Demining in Genf sind weltweit momentan noch immer 100'000 Millionen Landminen im Boden vergraben. Das US-Aussenministerium spricht von 50 Millionen. Die in Zürich ansässige Stiftung Welt ohne Minen geht davon aus, dass auf der Welt alle halbe Stunde eine Landmine explodiert.

swissinfo, Vincent Landon
(aus dem Englischen übertragen von Renat Künzi)

Fakten

Schätzungsweise 50 Mio. Landminen sind weltweit im Boden vergraben
Sie töten und verstümmmeln Menschen noch lange nach Kriegsende
Das IMSMA erleichtert die Setzung von Prioritäten bei der Minenräumung
Es ermöglicht die rasche Herstellung von Gefahrenkarten für Zivilisten

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In Kürze

Am meisten von Landminen betroffen sind Afghanistan, Angola, Bosnien-Herzegowina, Kambodscha, Mozambik und Nicaragua.

1997 sprach die Konferenz von Ottawa einen weltweiten Bann gegen Antipersonen-Minen aus.

Die 1997 tödlich verunglückte Prinzessin Diana engagierte sich stark gegen Landminen.

1997 erhielt Jody Williams und die Internationalen Kampagne für ein Verbot von Landminen (ICLB) den Friedensnobelpreis.

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