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Schweizer Presse bedauert "verpasste Chance"

Gastgeberin Angela Merkel mit dem russischen Präsidenten Putin (links) und dem kanadischen Premier Stephen Harper. Keystone

Am Tag nach dem Ende des G-8-Gipfels in Heiligendamm kommen die meisten Schweizer Zeitungen zum Schluss, dass die Staatschefs die Erwartungen enttäuscht haben.

Dieser Inhalt wurde am 09. Juni 2007 - 13:41 publiziert

Am G-8-Gipfel in Heiligendamm wurde eine Milliarden-Hilfe für Afrika versprochen, ein Kompromiss beim Klima, aber nicht in der Kosovo-Frage gefunden.

Vernichtend fällt das Urteil der Basler Zeitung aus: "Mit hehren Zielen ist die G-8-Vorsitzende in dieses Gipfeltreffen gegangen. Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel wollte die Armut bekämpfen, der Globalisierung ein menschliches Gesicht verleihen und den Klimawandel aufhalten. Gelungen ist ihr nichts davon."

Das Blatt kritisiert insbesondere "die Mächtigen der Welt", die weiterhin versuchten, sich mit Versprechen und Absichtserklärungen aus der Affäre ziehen: "Kleingeistig hat jeder in erster Linie den eigenen Vorteil im Auge, ist keiner bereit, ernsthaft Abstriche zu machen, wird aber nicht müde, sie von anderen zu verlangen."

Auch der Tages-Anzeiger kritisiert die Unverbindlichkeit: "Angesichts der Zweifler und Mahner haben die G-8-Länder die Chance verpasst, ihre erneuerten Versprechen als grundsätzliches Bekenntnis zum Prinzip der Hilfe zu deklarieren: zu einer besser überdachten, in Kreisen afrikanischer Reformkräfte verankerten und mit Erfolgskontrollen verknüpften Hilfe, die nicht bevormundet, sondern die Eigeninitiative unterstützt."

Kritik am russischen Präsidenten

Die Neue Züricher Zeitung (NZZ) nimmt in ihrem Kommentar die Haltung des russischen Präsidenten Wladimir Putin aufs Korn: "Putin ist durch die milden westlichen Reaktionen in seiner Angriffslust nur bestärkt worden. Es ist denkbar, dass er vor den Wahlen im Jahr 2008 - in Russland und Amerika - etwas aus Bush herausschlagen will."

Denn gewöhnlich seien abtretende amerikanische Präsidenten milder gestimmt und sorgten sich bereits um ihren Platz in den Geschichtsbüchern.

"Wenn Bush nun Anfang Juli auf dem Anwesen seines Vaters amerikanische und westliche Interessen wirklich wahren will, müsste er sich etwas Konkretes vornehmen. Die Stichworte lauten 'Kosovo' und 'Iran'", mahnt die NZZ.

"Akzeptabler Kompromiss"

Während die Deutschschweizer Presse den Gipfel mehrheitlich negativ wertet, schreibt der Corriere del Ticino vom halbvollen Glas. Obwohl nicht von den Ausgangspositionen in Heiligendamm abgewichen worden sei, hätten "die Mitglieder doch einen akzeptablen Kompromiss erreicht".

Die grosse Neuigkeit dieses Gipfels ist laut dem Corriere die Anerkennung der öffentlichen Meinung: "Die Staatschefs lassen sich immer stärker von den Themen der 'zukünftigen Supermacht', der öffentlichen Meinung, beeinflussen."

swissinfo und Agenturen

In Kürze

Vom 6. bis 8. Juni haben sich in Heiligendamm die Staats- und Regierungschefs der G-8-Staaten zu ihrem Gipfel getroffen.

Der G-8 gehören Deutschland, Frankreich, Grossbritannien, Italien, Japan, USA, Kanada (seit 1976) und Russland (seit 1998) an.

"Wachstum und Verantwortung" lautete das Leitmotiv des Gipfels, das dieses Jahr unter deutscher Präsidentschaft stand.

Die zentralen Themen des Gipfels waren die Ausgestaltung der globalisierten Weltwirtschaft und die Entwicklung Afrikas.

Die Schweizer Regierung hat dieses Jahr versucht, ihre Klima-Anliegen über das EU-Umweltminister-Treffen in Essen auch in Heiligendamm einzubringen.

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