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Schweizer Medaillenhunger für Ski-WM Val d'Isère

Didier Défago und Dominique Gisin, Schweizer Ski-Prinz und -Prinzessin wie aus dem Märchenland. Keystone

Ironie des Schicksals: Während Daniel Albrecht immer noch im Koma liegt, starten die Teamkollegen mit besten Karten in die Weltmeisterschaften in Frankreich. Die Schweiz könnte so viele Medaillen holen wie seit 20 Jahren nicht mehr.

Dieser Inhalt wurde am 02. Februar 2009 - 13:27 publiziert

Exakt zwei Jahrzehnte sind es her, seit die Skination Schweiz das letzte Mal so richtig abgeräumt hat: An der WM in Vail fuhren Maria Walliser, Martin Hangl, Vreni Schneider, Pirmin Zurbiggen & Co. elf Medaillen heraus.

Österreich brachte es damals in den USA gerade auf ein halbes Dutzend Mal Edelmetall. Seither hat der Wind aber bös gedreht: Der ewige Rivale dominiert Medaillenspiegel und Weltcup-Nationenwertung nach Belieben.

An den Weltmeisterschaften in Val d'Isère, die am Montag beginnen, könnte sich dies wieder ändern: Angeführt von Didier Défago und Dominique Gisin, den märchenhaft aufgestiegenen neuen Ski-Idolen, kann die Schweiz die erfreuliche Bilanz von Are 2007 übertreffen: Aus Schweden war die Equipe mit sechs Medaillen zurückgekehrt.

Wieder Sieger-Mentalität

Ein Blick auf den bisherigen Weltcup-Winter zeigt, dass der Trend steil nach oben zeigt: Hatten in der ganzen letzten Saison sechs Schweizer Siege resultiert, stehen im laufenden Winter schon zehn Erfolge auf dem Schweizer Konto.

Die Aussichten auf einen kurzen Nenner gebracht: Mit Ausnahme des Slaloms, wo bisher weder Männer noch Frauen wirklich überzeugten, liegen praktisch in jeder Disziplin Medaillen im Kunstschnee bereit.

Von der Abfahrt über Super-G, Riesenslalom bis zur Super-Kombination. Diese prächtigen Perspektiven gelten sowohl für die Herren als auch die Schweizer Frauen.

Lücke sofort geschlossen

Daniel Albrecht, der Kombinations-Weltmeister, wird seinen Titel nicht verteidigen können. Nach seinem fürchterlichen Sturz in Kitzbühel liegt er immer noch im künstlichen Tiefschlaf. Doch es spricht für die neue Qualität im Schweizer Team, dass andere da sind, die grosse Lücke sofort zu schliessen.

Mit seinen grossartigen Siegen am Lauberhorn und auf der Streif katapultierte sich der 31-jährige Didier Défago nicht nur an die Spitze eines starken Schweizer Speed-Teams, sondern auch in die Rolle eines ganz heissen Favoriten auf den Abfahrts-WM-Titel.

Der Aufstieg des Walliser Familienvaters vom zuverlässig-biederen Platzfahrer zum neuen Ski-Helden erinnert an ein Märchen. 2002 schien dem Junioren-Weltmeister von 1996 mit seinem ersten Weltcupsieg der Durchbruch gelungen. Seither aber vermochte Défago die Hoffnungen nicht zu erfüllen.

Zwar deutete er sein Potenzial stets mit guten Abschnittszeiten an. Aber sein "obligater" Bock pro Fahrt verhinderte jeweils, dass er in der Endabrechnung ganz vorne lag.

Neue Dynamik entfacht

Die beiden schwierigsten Abfahrten der Welt aber haben dem Routinier Défago genügt, um seiner schon etwas angejahrten Karriere wundersam neuen Schwung zu verleihen.

Doch dahinter sind Didier Cuche und Ambrosi Hoffmann parat, die "alten" Verhältnisse im Schweizer Abfahrtsteam wieder herzustellen. Sie gehören in Frankreich zum erweiterten Favoritenkreis. Nicht zu vergessen Carlo Janka, von dem noch die Rede sein wird.

Was ist ein Märchenprinz ohne Prinzessin? Auch die gibt es im Schweizer Lager. Es ist nicht - oder noch nicht - die erst 17-jährige Lara Gut, sondern Dominique Gisin. Die 21-jährige Engelbergerin kopierte Défago mit der Präzision einer Schweizer Uhr und gewann einen Tag nach dessen erstem Abfahrts-Triumph ebenfalls ihre erste Weltcup-Abfahrt.

Und wie Défago schob sie eine Woche später gleich Sieg Nummer 2 nach. Damit hisste sich Gisin für die WM-Abfahrt in die Rolle einer Kronfavoritin.

Doppelschlag im Doppeltakt

Auch Gisins grossartiger Doppelerfolg kommt quasi aus dem Nichts. 2007, kurze Zeit nach ihrem ersten Weltcupsieg, folgte der brutale Rückschlag: Kreuzbandriss und lange Zwangspause. Viele Monate und mehrere Knieoperationen später ist Gisin jetzt wieder zurück. Und wie!

Die grandiosen Doppelschläge Défagos und Gisins sind aber nur die Krone einer eindrücklichen Rückkehr der Schweiz zur Skination. Sie besticht nicht mit einer grossen Breite wie die Österreicher, sondern durch verblüffende Qualität.

Mit seinem Kombinationssieg in Wengen hat Carlo Janka gezeigt, dass er schon mit 22 Jahren ganz an der Spitze angekommen ist. Der Bündner verkörpert bei Swiss Ski die neue Rennfahrer-Generation: Vielseitig, nervenstark, selbstsicher, kontrolliert. Janka spricht lieber mit Taten auf der Piste als mit Worten.

Silvan Zurbriggen, auch er einer, der nach einem Kreuzbandriss wieder auferstanden ist, unterstrich mit seinem Sieg in der klassischen Kombination in Kitzbühel, dass er just auf den Saisonhöhepunkt in Topform kommt. Er lässt in Val d'Isère sogar wieder mal von einer Medaille im Slalom träumen.

Luxusproblem für Selektionär

Bei den Frauen kann Cheftrainer Hugues Ansermoz fast so aus dem Vollen schöpfen wie Herrencoach Martin Rufener. Auch Ansermoz schickt neben Gisin gleich mehrere ganz heisse Eisen in die WM-Rennen.

Multi-Talent Lara Gut ist gut für Edelmetall gleich in Abfahrt, Super G und Riesenslalom. Fabienne Suter setzt ihre Hoffnungen auf den Super-G. In ihrer Paradedisziplin führt der Weg zu Gold nur über die Schwyzerin. Da ist aber auch noch Andrea Dettling, die im letzten Super-G vor der WM erstmals aufs Podest gefahren ist.

Hier sah sich der Walliser Cheftrainer gar vor ein Luxusproblem gestellt: Zur WM im Super-G dürfen nur vier Schweizerinnen starten. Gleich sieben seiner Fahrerinnen aber hatten einen Weltcup-Rang unter den ersten 10 erreicht, und somit die WM-Qualifikation. Zustände, von denen andere Betreuer nur träumen können.

Ein solcher interner Konkurrenzkampf auf höchstem Niveau ist die beste Voraussetzung im komplexen Puzzle, das einen Medaillengewinn erst ermöglicht.

swissinfo, Renat Künzi

Das WM-Programm

Montag, 2.: Februar: Eröffnungsfeier

Dienstag, 3.: Super-G Frauen

Mittwoch, 4.: Super-G Männer

Freitag, 6.: Super-Kombination Frauen

Samstag, 7.: Abfahrt Männer

Sonntag, 8.: Abfahrt Frauen

Montag, 9.: Super-Kombination Männer

Mittwoch, 11.: Nationen-Cup

Donnerstag, 12.: Riesenslalom Frauen

Freitag, 13.: Riesenslalom Männer

Samstag, 14.: Slalom Frauen

Sonntag, 15.: Slalom Männer

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