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Schweizer Katrina-Hilfe liegt auf Halde

Immer noch haben die Behörden Mühe, die Hilfsgüter im Süden der USA zu den Betroffenen zu bringen. Keystone

Die Schweiz wartet weiterhin auf das grüne Licht der USA, um die Hilfe für die Opfer des Hurrikans Katrina zu den Betroffenen zu bringen.

Dieser Inhalt wurde am 09. September 2005 - 16:12 publiziert

Bern und Washington sprechen von logistischen Problemen. Daniel Warner, Vize-Direktor des Genfer Instituts für Internationale Studien, macht die überforderte Bürokratie für das Chaos verantwortlich.

Viele Staaten haben den USA nach der Hurrikan-Katastrophe in den Südstaaten ihre Hilfe angeboten. Doch zum grossen Frust mancher Geber scheint es, dass die Supermacht mit der ungewohnten Rolle als Spenden-Empfängerin überfordert ist.

Hilfsgüter liegen in Flughäfen rum, Experten sitzen in den Startlöchern und warten seit Tagen auf grünes Licht aus Washington. Die EU-Kommission monierte in Brüssel Probleme bei der Koordinierung der Hilfsangebote. Es fehle jede Rückmeldung über den Einsatz der Hilfsgüter.

Nach Informationen der "Washington Post" wird die ausländische Hilfe vom Amtsfilz in den USA behindert. Die US-Koordinationsstelle Federal Emergency Management Agency (FEMA) und das US-Aussenministerium verstrickten sich in der Bürokratie, schrieb die Zeitung unter Berufung auf Diplomaten.

Kein Grünes Licht für Schweizer Hilfe

Die US-Behörden wollten das Material direkt verteilen und nicht in Zwischenlager deponieren, erklärt Andreas Stauffer, der Sprecher des Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) in Bern. Die DEZA warte nach wie vor auf die Erlaubnis, Schweizer Hilfsgüter in die USA liefern zu können.

"Ich denke, die USA müssen sich mit so gewaltigen logistischen Problemen befassen, dass sie nun dabei sind, die Prioritäten auszuloten. Ich glaube aber nicht, dass das Angebot der Schweiz nicht der Situation entsprechend ist. Wir haben die verlangten Hilfsgüter in einer Menge zur Verfügung gestellt, die zu verkraften ist und bei der wir sicherstellen können, dass sie rechtzeitig am richtigen Ort eintrifft", sagt Stauffer gegenüber swissinfo.

Das Problem sei, dass zum Beispiel Deutschland mengenmässig mehr Material zugesagt habe als etwa die Schweiz. Nun denke man in den USA, dass kleinere Mengen weniger wichtig seien und deshalb warten könnten.

Die Bestimmungsorte für die Hilfsgüter und die Verhältnisse vor Ort seien nicht bekannt. "Und so lange die US-Behörden nicht sagen, welche Güter wo gebraucht werden, hat es keinen Sinn, Güter in der Welt herum zu schicken."

Daniel Wendell, Sprecher der US-Botschaft in Bern, verwies auf die "schwierige logistische Lage in den USA". Es brauche Zeit, um sicherzustellen, dass die Hilfe an den richtigen Ort gelange.

Liste mit Gütern

Aus der Schweiz stehen seit Dienstag 50 Tonnen Hilfsgüter bereit - Decken, Zelte, Plastik-Abdeckfolien und Hygiene-Sets. Die USA waren am Sonntag auf ein Hilfsangebot der Schweiz eingetreten.

Sie hatten eine Liste mit Gütern erstellt, die zur Bewältigung der Hurrikan-Katastrophe benötigt werden. Auch mehrere Schweizer Experten könnten im Katastrophengebiet zum Einsatz kommen.

Leute ohne Erfahrung

Daniel Warner ist amerikanischer Staatsbürger und Vizedirektor am Institut universitaire des hautes études internationales in Genf.

Er sagt gegenüber swissinfo, dass die USA schlecht organisiert seien. Dafür gebe es Gründe: Der Präsident habe mit Mike Brown einen Mann ohne Erfahrungen an die Spitze der Katastrophenschutz-Behörde (FEMA) gewählt. Auch andere Spitzenleute dort hätten keine Erfahrung.

"Dazu kommt die Fokussierung auf den Terrorismus", sagt Warner. "Es gibt absolut keine Struktur für grosse Katastrophen. Die Nationalgarden sind im Irak und stehen – wie ein Grossteil des Materials auch – nicht zur Verfügung."

Es sei eine grosse Katastrophe geschehen und das Erschreckende daran sei, dass Tag um Tag vergehe und noch immer kein Mensch zuständig sei, sagt Warner weiter.

"Die Verwirrung unter den verschiedenen Behörden ist total. Alles ist blockiert. In der Zwischenzeit sterben die Leute an Hunger und Krankheiten, weil alle unfähig sind, die Hilfe zu organisieren und die Probleme zu lösen."

Amerika, so Warner, habe es unterlassen, eine funktionierende Katastrophenhilfe aufzubauen.

swissinfo

In Kürze

Rund 60 Länder, 23 aus Europa, haben den USA nach der Hurrikan-Katastrophe Hilfe zugesagt.

Aus der Schweiz stehen 50 Tonnen Hilfsgüter - Decken, Zelte, Plastik-Abdeckfolien und Hygienesets – bereit zur Lieferung.

Auch sind 8 Experten (Logistik, Medizin und Wasseraufbereitung) bereit, in die USA abzureisen.

Im Südosten der USA mussten nach dem Hurrikan mehr als eine Million Menschen ihr Zuhause verlassen. Die Zahl der Opfer ist nicht bekannt.

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