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Schweizer Fussball-Liga greift durch

Fackeln werden in allen Stadien der obersten Ligen verboten. Keystone

Schweizer Fussballfans werden in Zukunft mit mehr Sicherheitskontrollen in Stadien rechnen müssen, eine der neuen Massnahmen gegen Hooligans.

Dieser Inhalt wurde am 16. Februar 2005 - 16:12 publiziert

Der erste Härtetest für die neuen Regeln der Schweizer Fussball-Liga (SFL), geht am Sonntag zum Start der zweiten Saisonhälfte über die Bühne.

Die Fussballverantwortlichen der Schweiz kämpfen eine "Schlacht um die Seele des Fussballs", wie es Thomas Helbling, Sicherheits- und Fanverantwortlicher der SFL, gegenüber swissinfo bezeichnete.

"Wir wollen sowohl Sicherheit wie auch Fankultur verbessern, und damit den Fussballanhängern beweisen, dass wir es mit dem Durchgreifen gegen den Hooliganismus ernst meinen."

So sollen neu die Klubs für ein auswärtiges Fehlverhalten ihrer Fans gerade stehen müssen. Während der letzten beiden Jahre konnten Klubs nur für Straftaten ihrer Fans bei Heimspielen zur Verantwortung gezogen werden. Dies nach einem Gerichtsentscheid zu Gunsten des FC Zürich.

Für viele steht die Zunahme von Gewalt und Vandalismus im Zusammenhang mit dieser Regel. Fans hatten bei Auswärtsspielen leichtes Spiel, denn die Polizei bleibt in der Schweiz ausserhalb der Stadien und überlässt die Kontrolle den Sicherheitsdiensten.

So hatten letztes Jahr zum Beispiel Basler Fans das Thuner Stadion kurz und klein geschlagen, was zu Schäden von mehreren zehntausend Franken geführt hatte.

Disziplinarstrafen

Nun sollen Klubs, deren Fans sich gewalttätig benehmen, kräftig zur Kasse gebeten werden, ohne Publikum spielen oder sogar Punkte abgeben müssen.

Die verschiedenen Massnahmen bringen die Schweiz auf Kurs mit den Empfehlungen des Europäischen Fussballverbands UEFA.

Doch Helbling will nicht gelten lassen, dass die Schweiz bisher zu wenig gegen den Hooliganismus getan habe.

"In der Schweiz nahm das schlechte Benehmen langsamer zu als in Ländern wie England, Holland oder Deutschland."

Und er ergänzte: "Wir hatten keine Katastrophe wie Hillsborough in England, daher brauchten viele etwas länger, um das Problem zu erkennen. Doch anscheinend ist das Stadium mehr und mehr zu einem rechtsfreien Raum geworden."

Störungen

Für Störungen ausserhalb der Stadien sind die Klubs jedoch weiterhin nicht haftbar. Diese bleiben in der Verantwortung der Polizei.

Bereits hat die Bundespolizei angekündigt, dass sie die Hooligans im Vorfeld der Euro 2008 (Fussball-Europameisterschaft in Österreich und der Schweiz) in Schranken halten will.

Geplant sind eine Datenbank bekannter Hooligans, präventive Inhaftierung und die Einführung von Reise- und Stadion-Beschränkungen. Diese Massnahmen müssen allerdings noch vom Parlament abgesegnet werden.

Für die Schweizer Fussball-Liga, welche die Vorschläge der Bundespolizei begrüsst, bedeutet das Fehlen einer Datenbank eine Einschränkung in der Suche und Identifikation von Fussballrowdys.

Ein weiterer wichtiger Schritt ist die Einführung eines standardisierten Regelwerks für alle Klubs, die seit Mitte Januar Zugangsregeln zu den Stadien festschreibt. Die Liste beinhaltet auch die zukünftig verbotenen Artikel vom Messer über Baseballschläger, Schlagringe bis zu Fackeln und Feuerwerk.

Fan-Arbeit

Um sicherzustellen, dass die neuen Regeln zu den Fans gelangen, müssen die Klubs einen Fan-Verantwortlichen bestimmen, der die Verbindung zwischen Klub und Fans gewährleistet.

"Wir haben nun den gleichen Standard in der ganzen Schweiz, was für die Fans sehr wichtig ist", betonte Helbling. "Sie wissen nun, was sie erwartet, sei es in einem Stadium in St. Gallen, Bern, Neuenburg oder wo auch immer."

Eine detaillierte Liste mit Regeln zur Verbesserung der Sicherheit in den Stadien wurde an alle Sicherheitschefs verschickt. Zudem wird die Anzahl der Inspektionen in Stadien erhöht.

Für Terence Wilsher, Sicherheitschef von Neuenburg Xamax, dem derzeit drittplazierten Klub in der höchsten Liga, waren diese einheitlichen Regeln schon lange fällig, wie er gegenüber swissinfo betonte.

Er begrüsse den Schritt zu mehr Professionalität, hauptsächlich im Bereich Stadionsicherheit. "Die Situation bei der Sicherheit hat sich mehr und mehr verschlechtert und ist heute ein grosses Problem. Praktisch kein Spiel endet ohne Gewalt oder Vandalismus."

Verantwortung für Fans

Nun sei es an den Klubs, eine Beziehung zu den Fans aufzubauen, so Wilsher. Damit könnten ihnen die Konsequenzen ihrer Aktionen besser klar gemacht werden.

Doch er glaubt nicht, dass die Klubs allein den Hooliganismus beseitigen können. "So wie es heute aussieht, kommen wir nie dorthin. Einzig mit strengen Massnahmen durch die Gerichte kann etwas erreicht werden. Heute sind sie zu sanft."

Auch für SFL-Vertreter Helbling ist klar, dass die Fans nicht über Nacht zu Lämmern werden. Für den Mentalitätswechsel brauche es wohl einige Zeit.

"Leider unternehmen wir erst jetzt die ersten Schritte in dieser Sache, und wir sind noch nicht weit gekommen", sagte er.

"Doch wir müssen in die Sicherheit investieren, denn wenn wir es nicht tun, wird der Fussball sein Herz verlieren, und die 95 Prozent der Fans, die sich gut benehmen, werden nicht mehr kommen."

swissinfo, Adam Beaumont
(Übertragen aus dem Englischen: Christian Raaflaub)

Fakten

Laut der Polizei gibt es in der Schweiz zwischen 300 und 400 Hooligans.
Die Behörden befürchten, dass Rechtsextreme versuchen, unter gewalttätigen Fussballfans neue Mitglieder anzuwerben.
2003 zeigte eine Studie einen Anstieg von Angriffen von Skinheads und Hooligans auf Fans und Sicherheitsleute.

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In Kürze

Der Wettskandal im deutschen Fussball hat auch Auswirkungen auf die Schweiz.

Der Schweizerische Fussballverband (SFV) hat beschlossen, das definitive Schiedsrichter-Aufgebot für die beiden obersten Spielklassen erst am Vortag einer Begegnung zu erlassen und am späten Nachmittag des Spieltags bekannt zu geben.

Die Schiedsrichter wollen zudem einen Ehrenkodex unterschreiben. Anzeichen auf Manipulationen gibt es laut Fussballverband aber keine.

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