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Schweizer Banken wenig beunruhigt

Der italienische Finanzminister Giulio Tremonti. Keystone

Im Rahmen der zweiten italienischen Steueramnestie sind deutlich weniger Gelder von Schweizer Banken nach Italien zurückgeflossen.

Dieser Inhalt wurde am 18. Mai 2003 - 12:54 publiziert

Beim ersten Dekret waren rund 90 Mrd. Franken Vermögen gemeldet worden. Rund 60 Milliarden stammten aus der Schweiz.

Seit Anfang Jahr läuft für italienische Staatsbürger die Neuauflage des so genannten Steuerschilds (Scudo fiscale). Am 15. Mai lief die erste Phase dieser Massnahme ab, die im Falle einer Meldung nicht-deklarierter Vermögen eine Busse von 2,5% vorsah. Vom 16. Mai bis zum Ende der Steueramnestie Ende Juni 2003 gelten 4%.

Eine erste Bilanz zeigt, dass das nach dem italienischen Finanzminister Giulio Tremonti benannte Dekret bisher bei weitem nicht dieselbe Schlagkraft erreicht hat wie die erste Auflage. Ein massiver Geldabfluss, den vor allem die Tessiner Banken befürchtet hatten, ist bisher ausgeblieben.

Die Credit Suisse Group verzeichnete im ersten Quartal 2003 einen Nettoabfluss von italienischen Geldern von rund 400 Mio. Franken. Dies liege klar unter den Werten der ersten Steueramnestie, erklärt CS-Pressesprecherin Gabriela Cotti Musio.

Gotthard-Bank trift es hart

Damals musste die CS Group einen Nettoabfluss von 3,3 Mrd. Franken verbuchen. Keine konkreten Zahlen nannte bisher die UBS. Sie will erst nach Ablauf des Dekrets Ende Juni Bilanz ziehen. UBS-Pressesprecherin Monika Dunant: "Im ersten Quartalsresultat hat es sich nicht signifikant ausgewirkt."

Bei der UBS flossen in Folge der ersten Steueramnestie 15,6 Mrd. Franken ab, wobei knapp die Hälfte wieder bei italienischen Niederlassungen der Schweizer Grossbank landeten.

Genauere Schätzungen lieferte vor wenigen Tagen die Gotthard-Bank mit Sitz in Lugano. Sie geht von einem Abfluss von rund einer Milliarde Franken aus. Bei der ersten Steueramnestie waren es 3 Mrd. Franken.

Vom Off-Shore zum On-Shore

Geradezu gut geht es - nach eigenen Angaben - der Banca del Gottardo. Dank einer neuen Filiale in Mailand konnte die Hälfte der zurückgeflossenen Vermögen bei der italienischen Tochtergesellschaft aufgefangen werden, wo die Gelder nun On-shore verwaltet werden.

Beim ersten Steuerschild verlor die Bank zwei Drittel der italienischen Gelder an Konkurrenten in Italien. Diese hatten durch eine aggressive Politik um die rückgeführten Gelder gebuhlt, indem sie teilweise sogar die Zahlung der Strafbussen für ihre Kunden übernahmen.

Franco Citterio, Direktor der Tessiner Bankiervereinigung (ABT), geht im Moment davon aus, dass nur 20 bis 25% der Summe des ersten Pakets erreicht werden. Firmen und Gesellschaften machten von der Möglichkeit des Steuerschilds kaum Gebrauch, obwohl ihnen - im Gegensatz zur ersten Auflage - diese Möglichkeit offen stehe.

Hohe Ziele von Tremonti

Beim ersten Steuerschild zwischen November 2001 und Juni 2002 wurden beim italienischen Fiskus knapp 90 Mrd. Franken an nicht-deklarierten Vermögen gemeldet. Ein Grossteil der Gelder wurde vom Ausland nach Italien transferiert. Etwa 60% der rückgeführten Vermögen stammten aus der Schweiz, und davon wiederum der Löwenanteil aus dem Tessin.

Die rund 60 Mrd. Franken, die aus der Schweiz zurückgeflossen sind, entsprechen laut dem Sprecher der Schweizerischen Bankiervereinigung (SBVg), Thomas Sutter, 10 bis 15% des Gesamtvermögens aus Italien, das in der Schweiz verwaltet wird.

Für die Neuauflage des Steuerschilds hat Finanzminister Tremonti ein Ziel von 7 bis 8 Mrd. Euro vorgegeben, die er dank der Bussen der Staatskasse zuführen will. Doch um dies zu erreichen, müssten mehr als 150 Mrd. Franken deklariert werden. Von diesem Ziel scheint Tremonti im Moment meilenweit entfernt.

Gerhard Lob, Lugano

Fakten

Zweite Steueramnestie in Italien vom 1.1 bis 30.6.2003
Strafbussen auf nicht-deklarierte Vermögen: 2,5% bis zum 15. Mai, danach 4%.

Erste Schätzungen zum Rückfluss italienischer Vermögen:
1 Mrd. Franken (Gotthard-Bank)
400 Mio. Franken (CS Group)

Bilanz der ersten ital. Steueramnestie (Nov 2001 bis Juni 2002):
Rückfluss: 90 Mrd. Franken
Anteil aus der Schweiz: Knapp 60%

Summe aller in der Schweiz verwalteten Gelder aus Italien:

400 bis 600 Mrd. Franken (Schätzung der SBVg)

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