Navigation

Wissenschaft

Die Schweiz als Ideenküche für den Roboter von morgen

Bekannt ist sie unter anderem für Uhren, Schokolade, Pharmazie oder Raumfahrttechnologie. Die Schweiz hat aber noch andere Spezialitäten zu bieten: etwa die Robotik. Das Land ist in diesem Bereich vor allem in der Forschung tätig, obwohl viele der hier entwickelten Maschinen bereits in Labors eingesetzt werden.

Dieser Inhalt wurde am 01. Juni 2022 - 11:30 publiziert
Skizzomatic (Illustration)

In einem Land, das sich in der Präzisionsmechanik und Elektronik auszeichnet, scheinen Roboter fast eine natürliche Evolution zu sein. Im Jahr 2010 lancierte der Schweizerische NationalfondsExterner Link (SNF) das Nationale Kompetenzzentrum (NCCR) RobotikExterner Link, das erste seiner Art in den Ingenieurwissenschaften.

Nach 12 Jahren und Investitionen in Höhe von 85 Millionen Franken wird die Finanzierung im November 2022 auslaufen. Was ist das Ergebnis? Die beliebtesten Roboter werden heute nicht in der Schweiz, sondern in Japan, Korea, China, Deutschland oder den USA hergestellt. Dennoch ist das Land in der Forschung weltweit führend, und die Produkte von Startups finden ihren Weg auf den Markt.

Aude Billard ist Leiterin des Labors für Algorithmen und LernsystemeExterner Link (LASA) an der Eidgenössischen Technischen Hochschule LausanneExterner Link (EPFL). Sie leitet auch den neuen NTN Innovation Booster für RobotikExterner Link, der den Wissenstransfer und den Übergang in die industrielle Phase fördern soll.

Bei einigen Produkten ist diese Phase bereits weit fortgeschritten. Dies gilt vor allem für professionelle Drohnen – ein Bereich, in dem Schweizer Marken zu den erfolgreichsten der Welt gehören, wie dieser kurze Überblick aus dem Jahr 2018 zeigt.

Und warum sollte man sich an die traditionelle Drohnen-Hubschrauber-Kombination halten? Das Labor für Intelligente SystemeExterner Link (LIS) der EPFL etwa hat eine Drohne in Form eines Vogels entwickelt.

Dank des Auftriebs ihrer Flügel verbraucht sie viel weniger Energie und kann daher mit einer einzigen Batterieladung viel länger fliegen als eine herkömmliche Drohne. Sie hat auch Krallen, mit denen sie Gegenstände greifen kann. Und sie schafft es damit, auf einem Draht zu landen, um ihren Akku aufzuladen. Das kann möglicherweise auf einem Stromkabel sein.

Der Leiter des Labors, Professor Dario Floreano, leitet seit 12 Jahren auch das NCCR Robotics. Er hat uns seine Türen geöffnet.

Diese Drohnen sind keine Spielzeuge. Dennoch sind sie noch nicht in der Lage, beispielsweise Waren auszuliefern oder Menschenleben zu retten. Derzeit dienen sie vor allem dazu, Dinge zu erkennen, die dem menschlichen Auge entgehen. Das kann in einem Bereich wie der Landwirtschaft sehr wertvoll sein.

Heutzutage kann sich niemand vorstellen, C-3PO oder einem Terminator zu begegnen, nicht einmal in einem Labor. Auch wenn humanoide Roboter noch ein ferner Traum sind, so gibt es doch einige, die sich bereits den Tieren annähern.

Dies, weil sie über Extremitäten verfügen, die sie überall hinbringen: vier Beine. Die amerikanischen Maschinen von Boston DynamicsExterner Link performen in diesem Bereich besonders beeindruckend.

In der Schweiz ist man noch nicht so weit, aber ein Zürcher Startup-Unternehmen bietet bereits eine Art Roboterhund an, der sich in unruhigen Umgebungen bewegen kann. Man denkt dabei an Rettungsmissionen nach Katastrophen oder Bombenangriffen. Doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg.

Roboter sind zwar noch nicht in der Lage, einen Menschen aus Trümmern zu retten, aber sie können bereits heute viel für unsere Gesundheit tun. Der sehr breite Bereich der medizinischen Robotik war in den vom NCCR geförderten Projekten mit am besten vertreten.

Es reicht von Roboterprothesen über Exoskelette, die Menschen mit Behinderungen wieder Mobilität verleihen sollen, bis hin zu Roboterchirurgen.

Für einen unserer Newsletter hatten wir uns mit einem Pionier auf diesem Gebiet getroffen.

Es gibt auch den Roboter als Lehrperson – ein Trend, der durch die Pandemie und den Fernunterricht Schub erhalten hat. Aber hier sind sich alle einig: Ein Roboter wird vielleicht eines Tages im Unterricht assistieren, aber niemals selbständig eine Klasse führen können.

Denn obwohl ein Roboter wendig, furchtlos und schnell ist, besser sieht und schneller rechnet als wir, verfügt er nicht über die ausgereifte Intelligenz eines Menschen. Seine ist künstlich – und das macht den Unterschied.

Bisher hat es noch kein System mit künstlicher Intelligenz geschafft, den vor 70 Jahren erfundenen Turing-Test zu bestehen, bei dem sich ein Computer in einem einfachen Gespräch blind als Mensch ausgibt – und dabei nicht als künstliche Intelligenz entlarvt wird.

Dies ist der aktuelle Stand der Robotik in der Schweiz. Vielversprechend oder enttäuschend? Das hängt von der Sichtweise ab. Sicher ist jedoch, dass die Entwicklung in diesem Bereich rasend schnell voranschreitet.

Externer Inhalt

(Übertragung aus dem Französischen: Christian Raaflaub)

In Übereinstimmung mit den JTI-Standards

In Übereinstimmung mit den JTI-Standards

Mehr: JTI-Zertifizierung von SWI swissinfo.ch

Diesen Artikel teilen

Passwort ändern

Soll das Profil wirklich gelöscht werden?