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Verkaufs-Hoch: Die Schweiz lernt Elektroautos lieben

Haptische und digitale Steuerung kombiniert: Wer heute einen Neuwagen mit Elektroantrieb kauft, muss sich dem neusten Stand der Technologie stellen. Credit: Zoonar Gmbh / Alamy Stock Photo

Die Zahl der neu verkauften Elektroautos in der Schweiz nimmt weiter zu – laut dem Touring Club Schweiz sogar schneller als prognostiziert.

Dieser Inhalt wurde am 18. Januar 2022 - 14:15 publiziert

Die Verkäufe von Fahrzeugen mit alternativen Antrieben (reine Elektrofahrzeuge, Plug-in-Hybride, andere Hybridmodelle und gasbetriebene Fahrzeuge) sind im vergangenen Jahr stark gestiegen. Sie machen 2021 fast die Hälfte aller in der Schweiz verkauften Neuwagen aus.

Das letzte Jahr endete besonders stark: Von September bis November entfielen 18,3% der Neuzulassungen auf reine Elektrofahrzeuge und 28% auf Plug-in-Fahrzeuge (Elektro- und Plug-in-Hybride), wie der Touring Club Schweiz (TCS) mitteilte.

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Der TCS bezeichnete den Schwellenwert von 18,3% als einen Meilenstein. Die Elektrofahrzeuge hätten den "Tipping Point" eindeutig überschritten und seien nun bereits zum Mainstream geworden.

"Angesichts des technischen Fortschritts, der zunehmenden gesellschaftlichen Akzeptanz und der immer grösseren Auswahl an Elektrofahrzeugen schreitet die Entwicklung der Elektromobilität schneller voran als erwartet. Die 50%-Marke für vollelektrische Fahrzeuge, die von den meisten Expertinnen und Experten erst für das Jahr 2030 erwartet wurde, dürfte daher deutlich schneller erreicht werden", so der Verband.

Insgesamt wurde der Verkauf von Fahrzeugen in der Schweiz im Jahr 2021 durch Covid-19, Verzögerungen in den Lieferketten und Engpässe bei den Computerchips gebremst. Und das, obwohl sich nach Angaben der Schweizer Import-Organisation Auto-Schweiz viele Schweizer Kundinnen und Kunden neue Autos wünschen. Der Jahresabsatz (238'481 PKW im Jahr 2021) lag leicht über dem von 2020, aber fast ein Viertel unter dem von 2019.

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Auto-Schweiz-Sprecher Christoph Wolnik bestätigte, dass sich der Mangel an Computerchips auf den Absatz von E-Autos auswirkt: "Seit Beginn der Computerchip-Krise haben Autohersteller und Autoimporteure in ihren Produktions- und Lieferplänen systematisch Elektromodelle bevorzugt", sagt er. Damit meint er, dass die wertvollen Halbleiter eher in neue Elektrofahrzeuge statt in Modelle mit Verbrennungsmotor eingebaut werden.

Dieser Trend werde sich in den nächsten sechs Monaten fortsetzen, so Wolnik. Er schätzt, dass alle Fahrzeuge mit alternativem Antrieb zusammen im Jahr 2022 die 50%-Marke knacken, wobei der Anteil der reinen Elektroautos wahrscheinlich 18 bis 19% betragen werde. Dies ist zum Teil auf das Computerchip-Problem zurückzuführen, aber auch auf ein breiteres Angebot an billigeren Modellen und strengere europäische CO2-Emissionsvorschriften.

Das schnelle Wachstum bei Elektroautos ist jedoch weltweit ungleichmässig verteilt. Die Schweiz befindet sich in der Spitzengruppe der internationalen Rangliste, während Norwegen die anderen Länder weiterhin in den Schatten stellt.

Dort machten reine Elektroautos 2021 fast zwei Drittel der dortigen Neuwagen-Verkäufe aus, da Norwegen sein Ziel verfolgt, als weltweit erstes Land den Verkauf von Benzin- und Dieselautos komplett einzustellen.

Das ölproduzierende Norwegen fördert den Umstieg auf emissionsfreie Autos mit ermässigten Steuern auf Elektrofahrzeuge und einer Reihe von Anreizen und Befreiungen, um Autokäuferinnen und -käufer zum Umstieg zu bewegen. In der Schweiz sind die Anreize für Plug-in-Fahrzeuge nicht koordiniert und variieren von Kanton zu Kanton.

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Nur drei Autohersteller – Tesla, Hyundai und Toyota – konnten ihre Verkäufe in der Schweiz im Vergleich zu 2019 steigern, während alle anderen Hersteller zu kämpfen hatten. Ende 2020 waren in der Schweiz 43 reine Elektromodelle erhältlich. Ein Jahr später hatte sich das Angebot schon um 50% erhöht. Dabei stachen die Verkäufe der vollelektrischen Limousine Tesla Model 3 hervor.

Ein weiterer Trend: Die Schweizerinnen und Schweizer tauschen ihre Geländewagen gegen neue kleine Elektro-SUV und Crossover-Wagen ein. Solche Modelle gehörten im vergangenen Jahr zu den beliebtesten vollelektrischen Neuzugängen.

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Mobilität und Elektroautos sind Teil des neuen Umweltgesetzes, das die Schweizer Regierung im Dezember letzten Jahres vorgelegt hat. Das Gesetz zielt darauf ab, die Treibhausgas-Emissionen bis 2030 gegenüber 1990 zu halbieren.

Mit dem neuen Gesetz will der Bundesrat in Übereinstimmung mit den EU-Vorschriften einen strengeren CO2-Grenzwert für Fahrzeuge festlegen und die Autoimporteure bestrafen, sollten sie die neuen Ziele nicht erreichen.

Das neue Gesetz soll dazu führen, dass jedes Jahr mehr klimafreundliche Fahrzeuge importiert werden. Zudem soll damit ein Projekt im Umfang von 210 Mio. Franken finanziert werden, damit mehr Stromtankstellen für Elektroautos installiert werden können.

Nach Angaben der Europäischen Beobachtungsstelle für alternative Kraftstoffe standen 2021 in der Schweiz insgesamt 8497 öffentliche Ladestellen zur Verfügung – eine Zunahme von über 600 im Vergleich zum Vorjahr. Die Dichte der öffentlichen Ladeinfrastruktur in der Schweiz entspricht damit etwa dem europäischen Durchschnitt.

Wo die Schweiz jedoch noch hinterherhinkt, ist die private Ladeinfrastruktur, d.h. die Möglichkeit der Autobesitzerinnen und -besitzer, ihr Elektroauto zu Hause zu laden, besonders in städtischen Gebieten.

"Die Hürden für das Laden zu Hause sind für Mietende, Wohnungsbesitzende und Anwohnende, die auf der Strasse parkieren müssen, immer noch zu hoch", sagt Krispin Romang, Geschäftsführer des Vereins "Swiss eMobility". Der Verein drängt die Regierung in dieser Frage zu einer politischen Lösung.

>> In diesem Video erfahren Sie mehr über die Herausforderungen der Ladeinfrastruktur in der Schweiz (teils in Dialekt).

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