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Schnee und Wasser verursachen Chaos

Die bis zum Brienzersee vorgestossene Lawine in Oberried ist eine der grössten, die in den letzten 50 Jahren im Kanton Bern niedergegangenen sind. Keystone

Das hohe Lawinenrisiko hat am Donnerstag einige Regionen in den Alpen lahmgelegt, speziell das Oberwallis. Am Freitag entspannte sich die Lage etwas.

Dieser Inhalt wurde am 09. März 2006 - 21:56 publiziert

Auch das Mittelland wurde vom schlechten Wetter nicht verschont: So werden Überschwemmungen aus den Kantonen Bern, Solothurn, Jura, Aargau und Basel gemeldet.

Die intensiven Schnee- und Regenfälle haben am Donnerstag vielerorts Probleme verursacht. So rutschte in Oberried am Brienzersee eine grosse Nassschneelawine durch das Dorf in den See.

Dabei wurden Strasse und Bahnlinie verschüttet. Sie dürften mehrere Tage geschlossen bleiben. Wegen der Gefahr von Nachlawinen wurden 60 Menschen evakuiert.

Wegen Lawinengefahr mussten vielerorts Strassen gesperrt werden, so namentlich Autoverladestellen. Dies gilt besonders für den Kanton Wallis. Von der Umwelt abgeschnitten waren das Lötschental, Leukerbad, das Saastal, das Obergoms und das Binntal.

Zermatt war mit der Bahn am Donnerstagmorgen wieder erreichbar; die Strasse blieb gesperrt. Auch in den Seitentälern des Unterwallis wurden Strassen wegen Lawinengefahr gesperrt.

Hohe Temperaturen – schwerer Schnee

Charly Wuilloud, im Kanton Wallis verantwortlich für Naturgefahren, sagt gegenüber swissinfo, die Lawinengefahr sei in seinem Kanton besonders hoch. "Wir haben schon früh bestimmte Strassenabschnitte geschlossen. Da die Temperaturen verhältnismässig hoch sind wird der Schnee sehr schwer und damit die auch die Lawinen, die bis in die unteren Wälder kommen."

Zudem sei es wegen des schlechten Wetters nicht möglich gewesen, die Lawinen zu sprengen, sagte Wuilloud weiter. Eine Sprengung sei zudem nur bei markant tieferen Temperaturen möglich.

Zweithöchste Gefahrenstufe

Das Eidgenössische Institut für Schnee- und Lawinenforschung in Davos (slf) hat die Gefahr auch am Donnerstag noch als "gross" eingestuft, nachdem in den westlichen Alpen bis 60 Zentimeter Neuschnee gefallen waren. Es gab zwar diverse Lawinenniedergänge. Menschen wurden jedoch keine verschüttet.

In den kommenden Tagen dürfte sich die Lage nach der kurzen Entspannung vom Donnerstagnachmittag wieder verschärfen. MeteoSchweiz erwartete durch eine Nordstaulage bis über das Wochenende hinaus stellenweise nochmals 50 bis 80 Zentimeter Neuschnee.

Zu viele Lawinentote

Thomas Wiesinger vom Eidgenössischen Institut für Schnee- und Lawinenforschung in Davos ist der Ansicht, dass nun das Maximum der Lawinengefahr erreicht sei. Er sagte gegenüber swissinfo: "Wir erwarten am Freitag und Samstag neue Schneefälle, deshalb wird sich die Lawinen-Gefahrensituation nicht so schnell entschärfen."

Wiesinger weiter: "Wir hatten 12 Lawinentote in 17 Tagen. Und wenn wir bedenken, dass der jährliche Durchschnitt 24 sind, ist das die Hälfte eines Durchschnitts-Jahres."

Gründe für die hohe Opferzahl innerhalb einer sehr kurzen Periode findet Wiesinger in der über langen Zeit sehr dünnen Schneedecke und den folgenden schweren Schneefällen mit Windverfrachtungen und den vielen Menschen, die ihre Ferien in den Alpen verbracht haben.

Mittellland: Überschwemmungen

In Teilen des Mittellands machten unterdessen die grossen Regenmengen zu schaffen. Allein im Kanton Solothurn mussten am Donnerstagmorgen gegen 40 Feuerwehren aufgeboten werden, um Dutzende überschwemmter Keller leer zu pumpen oder andere Gebäude vor Überschwemmungen zu schützen.

Auch aus dem Berner Seeland, dem Emmental und der Region Oberaargau wurden Überschwemmungen gemeldet. Auch im Thurgau führten die Flüsse Hochwasser. An einigen Orten floss Wasser auf die Strasse und behinderte den Verkehr.

Vereinzelt kam es auch in anderen Kantonen zu Überschwemmungen wegen Regenfällen und Schmelzwasser.

Tiefer Stand der Stauseen

Weil die Niederschläge in höheren Lagen als Schnee fielen, reduzierte sich der Speicherinhalt der Schweizer Stauseen weiter.

Derzeit beträgt er nur noch gut einen Fünftel der möglichen Kapazität.

swissinfo und Agenturen

Fakten

Lawinengefahr herrscht vor allem bei:

Neuschnee mit Wind

schneller und markanter Erwärmung

schwachen Schichten innerhalb der Schneedecke

Der erste schöne Tag nach einem Schneefall ist besonders unfallträchtig.

Die Lawinengefahrenstufen werden in gering, mässig, erheblich, gross und sehr gross eingeteilt.

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