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Sahara-Geiseln auf dem Weg in die Freiheit

Aufatmen: Nach monatelanger Geiselhaft in der Wüste sind die vier Schweizer frei. Keystone Archive

Nach rund sechs Monaten sind die in der Sahara verschleppten 14 europäischen Geiseln - darunter vier aus der Schweiz - frei. Sie werden im Verlauf des Dienstags in Malis Hauptstadt Bamako erwartet.

Dieser Inhalt wurde am 19. August 2003 - 08:49 publiziert

Die Schweizer Aussenministerin Micheline Calmy-Rey äusserte sich erfreut über die Freilassung.

Die letzten 14 der insgesamt 32 in der Sahara verschleppten europäischen Touristen sind nach rund sechs Monaten Geiselhaft wieder frei, zur Freude ihrer Familien und der Mittelsmänner. Im Verlauf des Dienstags sollen die Touristen aus der Schweiz, Deutschland und den Niederlanden in die Hauptstadt Malis, Bamako, gebracht werden.

Die Schweizer Aussenministerin Micheline Calmy-Rey zeigte sich am späten Montag-Abend "froh und erleichtert", wie sie auf Schweizer Radio DRS sagte. Sie will bei der Ankunft der Schweizer am Flughafen in Zürich anwesend sein.

Von Bamako via Köln nach Zürich

Der ZDF-Korrespondent in Bamako berichtete am Dienstag-Morgen, die Gruppe der Touristen sei mit Vertretern der malischen Regierung auf dem Weg nach Gao. Die Gruppe ist nicht wie zunächst angenommen mit einem Flugzeug, sondern mit Jeeps unterwegs.

Im Verlauf des Tages werden die 14 Europäer in Bamako erwartet. Eine Maschine der deutschen Luftwaffe wird sie in Gao, im Norden des Landes, abholen. Nach der Ankunft in Bamako, voraussichtlich im Verlauf des Abends, werden die Geiseln dann von Malis Staatspräsident Amadou Toumani Touré empfangen.

Von Bamako aus sollen sie später mit der deutschen Maschine nach Köln-Wahn gebracht werden. Die Schweizer fliegen dann von dort aus weiter nach Zürich.

Kein Kontakt mit den Medien

Nach Ansicht von Experten sollten die freigelassenen Geiseln, die man als traumatisiert betrachten müsse, nach ihrer Freilassung sofort ihre Angehörigen kontaktieren können und von der Öffentlichkeit abgeschirmt werden.

Dies will auch das Schweizer Aussenministerium (EDA) so handhaben. Bei der Ankunft in Zürich würden sich Aussenministerin Calmy-Rey und Vertreter des Krisenstabs den Medien stellen, erklärte das EDA. Die freigelassenen Geiseln selbst würden von der Öffentlichkeit abgeschirmt.

Bern und Berlin bestätigten am Montag-Abend

"Wir bestätigen, dass sich die 14 Geiseln in den Händen der malischen Behörden in Sicherheit befinden", hatte Simon Hubacher, Sprecher des Schweizer Aussenministeriums, am Montag-Abend in Bern erklärt.

Gemäss Angaben des Schweizer Vertreters vor Ort, Peter Sutter, seien alle Freigelassenen bei guter Gesundheit, so Hubacher. Im Juli war eine 45-jährige Frau aus Deutschland an einem Hitzschlag in der Geiselhaft gestorben.

Vor dem Schweizer Aussenministerium hatte schon die deutsche Regierung die Freilassung bestätigt. Der malische Präsident habe gegenüber Staatssekretär Jürgen Chrobog versichert, dass alle 14 Geiseln nunmehr in malischer Hand seien, sagte ein Sprecher des Aussenministeriums in Berlin am Montag-Abend.

Laut Chrobog, Leiter des Krisenstabs der deutschen Regierung vor Ort, trug das Verhandlungsgeschick von Malis Präsident Amadou Toumani Touré entscheidend zur Beendigung des Geiseldramas bei.

Monatelanges Ringen um Freiheit

Das Schicksal der Geiseln in der Sahara hatte Politiker, Angehörige und Diplomaten monatelang in Atem gehalten. Die vier Schweizer waren Ende Februar in Algerien verschwunden.

Insgesamt waren im Februar und März 32 Touristen verschleppt worden, die im Süden Algeriens ohne lokale Führer unterwegs waren. Mitte Mai war eine erste Gruppe von 17 Geiseln befreit worden. In der zweiten Gruppe befanden sich neben den vier Schweizer Touristen neun Deutsche und ein Niederländer.

Diplomatische Vertreter vor Ort

Die Schweiz und Deutschland hatten Polizisten und Ermittler nach Algerien und später nach Mali entsandt, um die Bemühungen zur Freilassung der Geiseln vor Ort zu unterstützen. Der Chef des Krisenstabs im Schweizer Aussenministerium, Botschafter Peter Sutter, befindet sich wie sein deutscher Kollege Chrobog seit Sonntag in Bamako.

Übergabe am Sonntag gescheitert

Ein erster Übergabeversuch der 14 Geiseln in Mali war am Sonntag nicht wie erwartet über die Bühne gegangen. Es kam zu Verzögerungen.

Lösegeld bezahlt?

Unklar bleibt die Frage, ob für die Freilassung ein Lösegeld bezahlt wurde. Unter Berufung auf malische Kreise berichteten Medien in den letzten zwei Tagen, es sei ein Lösegeld von rund 7 Mio. Franken (4,6 Mio. Euro) vereinbart worden. Dieses soll von der malischen Regierung bezahlt worden sein. Später soll das Geld in Form von Entwicklungshilfe zurück an Mali fliessen.

Ursprünglich war von einer Lösegeld-Forderuung in Höhe von 65 Mio. Euro die Rede gewesen. Weder Calmy-Rey noch die deutsche Regierung bestätigen diese Berichte.

Auf der "Gräberpiste" verschwunden

Insgesamt waren zwischen dem 22. Februar und dem 8. März in Algerien 32 Touristen verschleppt worden. Die vier Schweizer, zwei Frauen und zwei Männer, waren in der algerischen Sahara ohne lokalen Führer unterwegs auf der so genannten "Gräberpiste", als sie verschwanden.

Mitte Mai wurden 17 der insgesamt 32 Geiseln vom algerischen Militär befreit. Sie hatten sich nach offiziellen algerischen Informationen in der Gewalt der islamistischen Gruppe der Salafisten befunden, die Verbindungen zur Al Kaida haben soll.

Im Juli flohen die Geiselnehmer mit ihren Gefangenen aus Algerien in die Berge im Norden Malis. Dort wurden sie in der Bergregion um Kidal lokalisiert. In den letzten Tagen soll die Gruppe der Entführten weit verstreut gewesen sein.

swissinfo und Agenturen

Fakten

Insgesamt waren im Februar und März 32 Touristen verschleppt worden, die im Süden Algeriens ohne lokale Führer unterwegs waren.

Mitte Mai war eine erste Gruppe von 17 Geiseln befreit worden.

In der zweiten Gruppe befinden sich 4 Schweizer, 9 Deutsche, 1 Niederländer.

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