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Russische Piloten erhielten widersprüchliche Anweisungen

Die Tupolew-Piloten verliessen sich auf Skyguide statt auf die automatische Warnung. Keystone Archive

"Steigen" befahl das automatische Warnsystem, "Sinken" die Schweizer Flugsicherung: Die Piloten der am Bodensee verunglückten Tupolew-Maschine erhielten unmittelbar vor der Kollision widersprüchliche Anweisungen.

Dieser Inhalt wurde am 08. Juli 2002 - 16:52 publiziert

Den jüngsten Angaben der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) ist erstmals zu entnehmen, dass das automatische Kollisionswarnsystem TCAS (Traffic Collision Avoiding System) der russischen Tuploew in der Unglücksnacht zum Dienstag letzter Woche funktioniert hatte.

Eine knappe Minute vor der Kollision hätten beide TCAS-Anlagen in den Flugzeugen die Warnung "Traffic, Traffic" gegeben, so die BFU nach einer ersten Auswertung der Stimmenrecorder.

Rund 15 Sekunden später habe das TCAS der Boeing-Frachtmaschine die Aufforderung zum Sinkflug und das TCAS des russischen Verkehrsflugzeuges die Anweisung zum Steigflug erhalten.

Etwa eine Sekunde nach dieser Warnung gab der Fluglotse der Schweizerischen Flugsicherung Skyguide gemäss BFU der Tupolew-Besatzung die Anweisung zu sinken. Der Fluglotse wiederholte diese Anweisung weitere 14 Sekunden später.

In der Schweiz wollten sich am Montag weder Skyguide noch das Schweizer Büro für Flugunfall-Untersuchungen zu den neuen Erkenntnissen der Untersuchung in Deutschland äussern.

Jürg Schmid, Chef der operationellen Flugsicherheit der Schweizer Airline Swiss, hatte bereits am vergangenen Dienstag an einer Medienkonferenz in Kloten zum Problem von widersprüchlichen Aufforderungen durch TCAS und die Flugsicherung Stellung genommen. In einer solchen Konflikt-Situation habe der TCAS-Befehl Priorität, sagte Schmid.

Russische Computer-Skepsis

Nach Ansicht des Schweizer Aviatik-Experten Sepp Moser hätten die russischen Piloten klar auf ihr TCAS und nicht auf den Fluglotsen hören sollen. Die TCAS hätten in beiden Flugzeugen funktioniert, sagte Moser gegenüber swissinfo. "Die russischen Piloten haben einen Fehler gemacht; in solchen Fällen ist es üblich, dass der Pilot den Anweisungen des Computers folgt und nicht jenen des Fluglotsen."

Man müsse jedoch sehen, dass russische Piloten eher auf menschliche Anweisungen reagierten, weil ihre Computer "gewöhnlich nicht verlässlich sind". Moser fügte jedoch bei, die Hauptverantwortung bleibe bei der schweizerischen Flugsicherung Skyguide, "weil das Warnssystem nur ein zusätzliches Instrument ist - ein zusätzliches Sicherheitsnetz".

Im übrigen wurde bekannt, dass die am Wochenende beschlossene Kapazitäts-Reduktion der Lotsendienste von Skyguide vorderhand bestehen bleibt.

Arbeiten in der Region Überlingen noch im Gang

Am Montag suchten erneut 900 Helfer in der Absturzregion nach Wrackteilen und menschlichen Überresten. Die Behörden rechnen noch in dieser Woche mit der Identifizierung aller 71 Opfer der Flugzeugkatastrophe.

Bisher wurden 43 Tote identifiziert. Die letzten russischen Opfer sollen bis spätestens am Freitag in ihre Heimat überführt werden.

In der Stadt Ufa im Südural wurden am Montag die ersten 31 Opfer der Katastrophe beerdigt.

swissinfo und Agenturen

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