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Rohstoff Schnee: Für viele Schweizer zu teuer?

Vielen Schweizern ist die Fahrt in die weisse Pracht zu teuer. (Bild: seilbahnen.org) http://www.seilbahnen.org

Viele Schweizer Skiorte melden zurzeit Besucher-Rekorde. Die kurzfristigen Jubelzahlen verdecken jedoch die strukturellen Probleme des Skitourismus.

Dieser Inhalt wurde am 20. Februar 2006 - 08:13 publiziert

Kurzfristig melden viele Stationen volle Hotels und gut ausgelastete Skilifte und Luftseilbahnen.

Wegen der guten Schneeverhältnisse und des schönen und kalten Wetters zeigen die Übernachtungszahlen vom Januar 2006 ein Plus von bis zu 10% gegenüber dem letzten Jahr, wie die Tourismusverbände berichten.

"Schweiz Tourismus", die nationale Plattform für die Vermarktung der Schweiz, vermutet hinter den kurzfristigen Prognosen für den ganzen Winter einen allgemeinen Aufwärtstrend.

Guter Winter macht noch kein gutes Geschäftsjahr

Diese positiven Nachrichten können nicht darüber hinwegtäuschen, dass in der Schweiz viele Seilbahn- und Skiliftunternehmen schwierige Zeiten erleben.

Der Kosten- und Investitionsdruck bei den Bahn- und Skiliftbetreibern ist hoch. Die Preise für Tages-, Wochen- und Saisonkarten sind in den letzten fünf Jahren um rund 10% gestiegen.

Dem Schweizer Wintertourismus ist in den letzten Jahren ein Teil junger Ski- und Snowboardfahrer weg gebrochen. Teure Skipässe und Hotels und immer aufwändigere und kostspieligere Ausrüstungen erklären aber nur zum Teil, warum immer mehr junge Skisportler und Familien ihre Ferien weniger häufig und lang in den traditionellen Ski- und Schneeportzentren der Schweiz verbringen.

Sportlager fördern

Schweiz Tourismus vermutet, dass eine der wichtigsten Massnahmen zur Förderung des Wintersports bei der jungen Generation die Schneesportlager wären. Öffentlichen Schulen fehlt dafür aber immer öfter das Geld.

Laut dem Bundesamt für Sport hat die Zahl der Jungend- und Sportlager in den vergangenen zehn Jahren um 10% abgenommen. Der Abwärtstrend dürfte sich fortsetzen. Zurzeit finden pro Jahr noch rund 6000 Skilager statt. Die Hälfte davon wird vom Bund unterstützt.

Attraktive Angebote gegen Abwärtstrend

Zur Zeit sind Bestrebungen gegen den rückläufigen Trend im Gang: Die im Jahr 2004 gegründete IG Schnee versucht zusammen mit Seilbahnen Schweiz, Swiss Snowsports, Swiss-Ski, dem Schweizerischen Tourismus-Verband und anderen Organisationen, die Freude am Schneesport mit gezielten Massnahmen zu fördern und den Zugang zu den alpinen Schneearenen zu vereinfachen.

Für Organisatoren von Lagern gibt es auf dem Internet eine Buchungsplattform, wo Unterkünfte und Lager, Sportlehrer und lokale Köche gebucht werden können.

Das Produkt "Winter"

Auch wenn sich jüngere Leute zunehmend schwer mit Schnee und Piste tun, ist der Gesamtkonsum der Schweizer Bevölkerung des Produkts "Winter" nach wie vor beeindruckend.

Gemäss einer Studie des "Instituts für öffentliche Dienstleistungen und Tourismus" an der Universität St. Gallen verbringen Schweizerinnen und Schweizer pro Jahr 24,1 Mio. Pistentage.

Auf das Wallis fallen 7,1 Mio. Tage, Graubünden folgt mit 5,7 Mio. Auf den nächsten Plätzen liegen das Berner Oberland mit 4,5 Mio. Tagen und die Zentralschweiz mit 2,3 Mio. Auf den hinteren Rängen sind mit 1,2 Mio. Tagen die Waadtländer Alpen.

Die Studie zeigt, dass sich die ertragsstarken Pistentage auf wenige Regionen verteilen. Diese Konzentration wirkt sich auf die ganze Branche aus.

Fusionieren, restrukturieren, überleben

Bahnen ohne kritische Grösse werden nicht überleben. Etwa zwei Drittel der Schweizer Bergbahnen und Skilifte gelten mittelfristig als wirtschaftlich überlebensfähig - wenn sie rechtzeitig fusionieren und restrukturieren.

Die meisten Skianlagen der Schweiz wurden in den 70er-Jahren erbaut. Heute müssen sie aus Gründen der Sicherheit und des Komforts saniert und erneuert werden. Die Kosten dafür belaufen sich pro Jahr auf rund 150 bis 200 Mio. Franken.

Nach Berechnungen der Dachorganisation Seilbahnen Schweiz kostet der Betrieb einer Sesselbahn pro Jahr und Kilometer 10 Mio. Franken.

Nicht weniger kostspielig ist die Präparation der Ski- und Snowboardpisten. Ein Kilometer kostet 40'000 Franken pro Jahr. Wenn die Pisten künstlich beschneit werden, kommen pro Kilometer noch 20'000 Franken dazu.

Im Clinch mit Österreich

Der Kampf und der Wettbewerb im Alpenraum um jeden Wintersportler ist hart. Branchenkenner vermuten, dass für die verminderte Attraktivität des Schweizer Wintersports nicht die teuren Skipässe und Bahnen ausschlaggebend sind, sondern die zu teuren Paket- und Pauschalangebote.

Hier liegt das Preisniveau der Schweiz gegenüber dem schärfsten Konkurrenten Österreich zu hoch.

swissinfo, Erwin Dettling, Zürich

In Kürze

In der Schweiz gibt es rund 650 Unternehmen, die etwa 2400 Seilbahn- und Skiliftanlagen betreiben.

Die Seilbahnunternehmer beschäftigen rund 11'000 Personen und erzielen einen Umsatz von rund 840 Mio. Franken pro Jahr.

Am meisten Fahrgäste - über 3 Millionen Personen pro Jahr - transportiert die Standseilbahn von Lugano-Città zum Bahnhof. Den zweiten Platz belegt die Poly-Bahn in Zürich (1,6 Mio. Fahrgäste pro Jahr).

Die kürzeste Strecke legt die Standseilbahn Marzili-Bern mit 105 Metern zurück. Die längste Strecke führt von Zermatt auf das Klein Matterhorn: 9482 Meter.

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