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Qualifizierte Informatiker sind eine rare Spezies

Wirtschaftsministerin Doris Leuthard ortet einen Mangel an Informatikern. Keystone

Die Nachfrage nach guten Informatikern übertrifft in der Schweiz zur Zeit das Angebot. Deshalb werden oft Ausländer angestellt. Um einen Ausgleich zu schaffen, ist die Initiative "Informatica08" lanciert worden.

Dieser Inhalt wurde am 23. Februar 2008 - 11:39 publiziert

An Veranstaltungen soll das Image dieser Branche verbessert werden. Organisiert werden sie im "Schweizer Informatikjahr 2008" gemeinsam von Privatwirtschaft und vom öffentlichen Sektor.

"Die Technik allein genügt nicht", sagt die Volkswirtschaftsministerin Doris Leuthard. "Es braucht auch Fantasie und Risikobereitschaft, um den Informatiker-Nachwuchs auszubilden, damit er die Hardware auch entwickeln, programmieren und ausnützen kann."

Mit diesen Worten hat die Bundesrätin Ende Januar in Zürich vor rund 250 Gästen den Startschuss zum Schweizer Informatikjahr "Informatica08" gegeben.

Es brauche eine Lösung für das besorgniserregende Manko an Informatik-Profis. Das Manko könnte sich auch für die ganze Wirtschaft negativ auswirken. Denn diese ist jetzt schon gezwungen, geeignete Informatik-Experten im Ausland, beispielsweise in Indien, zu suchen.

Das Informatikjahr will die starke Position, welche die Schweizer Informatik heute noch habe, für die Zukunft sichern. Auch soll die Relevanz der Informatik als Schlüsselsektor für Industrie und Dienstleistungen dargestellt werden. Dafür müsse man die Branche anders wahrnehmen als heute. Sie sei zur Zeit noch mit Vorurteilen belastet, was ihre Popularität bei der Jugend stark einschränke.

Ängste abbauen

Noch heute gebe es Ängste wegen den zahlreichen Unternehmenskonkursen, die sich nach dem Jahr 2000 ergaben, als die Internetblase platzte, meint ETH-Dozent August Zehnder in einem Interview mit der "Neuen Zürcher Zeitung". So habe sich auch die Vorstellung gefestigt, Informatik-Branche und -Beruf seien an sich risikoreich.

Auch der positive Effekt des vollständig Neuen, der der Branche lange Zeit anhaftete, habe sich mittlerweise abgeschwächt, sagt Nicolas Henchoz, Sprecher der ETH Lausanne. Die ersten Unternehmen in diesem Bereich konnten noch grosse Erfolge aufweisen.

"Naturwissenschaftliche Fächer sind oft Popularitätszyklen unterworfen, die mit der gerade vorherrschenden Wirtschaftssituation zusammen hängen", sagt Henchoz.

Schlechter Ruf des Informatikers

Eine Korrektur des "Stereotyps Informatiker" ist ebenfalls vorgesehen: Der Informatiker als asozialer Mensch, der in einer völlig technologisierten Umfeld, ohne gesellschaftlichen Bezug zur Welt, tagelang vor dem Bildschirm hockt.

"Es besteht ganz klar ein gravierendes Imageproblem beim Informatiker", bestätigt auch Mauro Prevostini. Der wissenschaftliche Mitarbeiter der Università della Svizzera italiana ist Informatica08-Verantwortlicher für den italienschsprachigen Teil der Schweiz.

"Heutzutage wird von einem Informatiker nicht nur Bravour im eigenen Bereich verlangt", sagt Prevostini. Es brauche eben auch die Fähigkeit, seine Bravour gegen aussen zu kommunizieren, sie nötigenfalls gegen andere Experten aus anderen Sektoren zu verteidigen, oder eben die Bedürfnisse dieser Leute zu verstehen und zu erfüllen.

Die Rolle der Mittelschulen

Um den Generationenwechsel in der Informatik in den Griff zu bekommen, brauche es auch einen Wechsel in der Unterrichtsform in den Mittelschulen. Oft werde nur Basiswissen vermittelt, und das noch zeitlich beschränkt. So dass den Schülern oft die Lust genommen werde, die eigenen Kenntnisse zu vertiefen.

"Informatik wird leider oft in der Minimal-Version erfasst", so Prevostini: "Man lernt, das Internet zu nutzen, Texte und Tabellen auszuarbeiten, und das wär's dann."

Diese Art von Zugang zur Informatik habe dann einen doppelt negativen Effekt. "Der Student gewinnt sehr schnell die Überzeugung, er wisse ohnehin schon alles. Und zweitens kommt ihm damit auch seine Neugier und sein Enthusiasmus abhanden, was dieses Schulfach betrifft."

Bundesrätin Leuthard erhofft sich deshalb neue Ausrichtungen in der schulischen Vermittlung von Informatik.

"Ohne eine solide mathematische Basis wird das Studium der Informatik sehr schwierig", ruft Henchoz in Erinnerung. Es brauche deswegen eine Aufwertung dieser Schulfächer, die als eine Art Grundbaustein unseres Schulwissens zu erachten wären.

Sich bezaubern lassen

Ziel von "Informatica08" ist es, bei den Jungen wieder eine Faszination für die Informatik zu wecken. "Den Studenten empfehlen wir, ein Fach auszuwählen, das ihnen ganz besonders gefällt. Denn niemand kann sagen, wie der Markt in vier, fünf Jahren aussieht", sagt Nicolas Henchoz.

Seiner Meinung nach "ist es nötig, die enorme Vielfalt zu zeigen, die eine Ausbildung im Bereich der Informatik in verschiedensten Bereichen bietet".

Und Mauro Prevostini ergänzt: "Die Möglichkeiten sind fast unbegrenzt. Von der Humanwissenschaft über die Medizin und Biologie bis zum Einsatz für Behinderte. Die Informatik ist nicht Selbstzweck. Sie durchdringt alle Disziplinen des Wissens!"

swissinfo und Agenturen, Andrea Clementi
(Übertragen aus dem Italienischen: Alexander Künzle)

Fakten

Die IT-Branche (Information Technology) trägt in der Schweiz mit rund 8% zum Bruttoinland-Produkt (BIP) bei. Sie beschäftigte 2007 rund 120'000 Personen.
Die Anzahl offener Stellen in der Informatik variiert zwischen 2500 und 4500.
Im Zeitraum 2001 bis 2006 fiel die Anzahl von IT-Studienbeginnern auf Universitäten und Polytechniken um 62%, respektive von 782 auf 300 Einheiten.
In den Fachhochschulen fiel die Anzahl "nur" um 26%, dafür sind es in absoluten Zahlen ungefähr gleichviel (von 1320 auf 975).
2007 betrug die Zahl der Immatrikulationen für Informatik in Schulen und Polytechniken zirka 250.
Der Frauenanteil ist dabei mit rund 10% der Diplomierten sehr klein, verglichen mit anderen Branchen.

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Informatikjahr 2008

Die Dachorganisation der wichtigsten Verbände und Organisationen des schweizerischen Informatik- und Telecomsektors, "ICT Switzerland", der Schweizerische Wirtschaftsverband der Informations-, Kommunikations- und Organisationstechnik SWICO und die Schweizerische Akademie der Technischen Wissenschaften SATW haben das "Schweizer Informatikjahr 2008" organisiert.

Sie werden dabei von zahlreichen privaten Unternehmen unterstützt.

Mit der Promotions-Kampagne wird die Grundausbildung in Informatik an den Schulen angezielt. Vorgesehen sind spezielle Projekte.

Die Informatiklehre und die Forschung sollen höher bewertet werden.

Ein besonderes Anliegen ist die Förderung der Informatik für Frauen und das Abbauen von Hindernissen für Behinderte.

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