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Presseschau vom 15.11.2002

Der Zweimilliarden-Verlust der Credit Suisse Group in ihrem dritten Quartal 2002 löst in den Schweizer Medien Schock und Entrüstung aus.

Dieser Inhalt wurde am 15. November 2002 - 09:43 publiziert

Die Kommentatoren sind zufrieden, dass die Ära Mühlemann abgeschlossen ist.

Der Schock sitzt tief ob der Hiobsbotschaft, welche die CS-Group am Donnerstag verkündet hat. Die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG schreibt:
"Der Quartalsverlust von 2,1 Mrd. Fr. der Credit Suisse Group ist ein Desaster."

Und die BASLER ZEITUNG titelt: "Credit Suisse erschreckt sogar die Pessimisten."

Die NEUE LUZERNER ZEITUNG zieht eine "triste Bilanz verlorener Jahre" und attestiert dem letzten Herbst abgetretenen Konzernchef Lukas Mühlemann ein "klägliches Erbe". Denn:

"Die Credit Suisse Group steht schwer im Regen. Die Zahlen sind schlecht, der Ruf ist lädiert. Die Strategie, sowohl im Bank- als auch im Versicherungsgeschäft zu punkten, ging nicht auf. Die Ära Mühlemann, das sind verlorene Jahre, verprasste Millionen, verspieltes Vertrauen. Es widerspiegelt sich im drastischen Kurszerfall der CS-Aktie, aber auch im Rückgang der verwalteten Vermögen."

Die Probleme orten die Kommentatoren primär in den massiven Börsenverlusten, welche die CS-Tochter Winterthur Versicherung mit einer schiffbrüchigen Anlagestrategie erwirtschaftet hat, aber nicht nur.

CS verglichen mit UBS

Der TAGES-ANZEIGER schreibt:

"Die UBS wird das Jahr 2002 voraussichtlich mit einem Gewinn von über 4 Milliarden beenden. Dennoch ist der krasse Unterschied zwischen den beiden schweizerischen Grossbanken nicht verwunderlich, denn ein schöner Teil der Probleme der CS sind hausgemacht."

Die CS Group habe zu risikoreiche Strategien angewendet, die nur auf steigende Börsenkurse ausgerichtet waren. Den Fehler habe man erkannt, aber zu spät, analysiert der TAGI.

Der BUND zieht ebenfalls den Quervergleich zwischen den beiden grössten Schweizer Banken UBS und CS.

"Der Kontrast könnte grösser nicht sein. Die UBS erscheint auch in der Baisse als eine solide Bank, (...) während die CS zuletzt kaum aus den Negativschlagzeilen kam."

Den Grund sieht der Kommentator des BUND vor allem in drei Faktoren:

"Erstens hat die UBS keine Winterthur Versicherung und damit keine Anlageverluste in Milliardenhöhe. Zweitens ist die CS wegen des bei ihr grösseren Gewichts des volatilen Kapitalmarktgeschäfts anfälliger auf Schwankungen, was sich in der Hausse auszahlt, in der Baisse aber teuer zu stehen kommt. Und drittens ist die UBS, geprägt durch das Milliardendebakel mit dem Spekulationsfonds LTCM 1998, vorsichtiger geworden in der Kreditpolitik - während die CS aus ihrem eigenen Milliardendebakel 1998 in Russland die Lehren zu wenig gezogen hat. "

So fordert der TAGES-ANZEIGER denn auch:

"Die CS braucht in der aktuellen Krise eine starke Kraft, die die beiden Ko-Konzernchefs überwacht und dafür sorgt, dass sie zum Wohle des ganzen Unternehmens agieren. Doch der neue Veraltungsratspräsident darf ungehindert im Aufsichtsgremium eines anderen Grosskonzerns sitzen bleiben und dort weit reichende Aufgaben wahrnehmen. Das kann nicht gut gehen."

Keine Existenzangst

Dennoch: Angst, ihr Geld zu verlieren müssten die Anleger keine haben. Da sind sich die Kommentatoren einig. Die NEUE LUZERNER ZEITUNG schreibt:

"Die Probleme des Finanzkonzerns sind nicht mit der Schlussfolgerung gleichzusetzen, die Bank sei akut gefährdet. Zwar gehen die Milliardenverluste an die Substanz. Doch die Eigenkapitalbasis wurde dadurch nicht derart geschmälert, dass die Aufsichtsbehörden Alarm schlagen."

Und der BUND meint:

"Im Kerngebiet der Vermögensverwaltung sollte sich über einen Konjunkturzyklus auch künftig wieder Geld verdienen lassen - selbst wenn wegen der Gefährdung des Bankgeheimnisses und der (vorläufigen?) Nüchternheit an den Börsen die Trauben nicht mehr so hoch hängen wie auch schon."

swissinfo, Anita Hugi

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