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Schweiz unterstützt Aktionsplan für Haiti

Der Wiederaufbau in Haiti wird lange dauern. Keystone

Die internationale Staatengemeinschaft unterstützt Haiti in den nächsten zehn Jahren mit knapp 10 Mrd. Dollar. Mehr als die Hälfte davon soll in den kommenden zwei Jahren bereitstehen. Die Schweiz hat 36 Mio. Franken für den Zeitraum 2010-2012 zugesagt.

Dieser Inhalt wurde am 01. April 2010 - 12:11 publiziert

Die UNO hatte im Vorfeld der Geberkonferenz, an der rund 140 Staaten und Institutionen teilnahmen, erklärt, für die nächsten 18 Monate brauche es für den Wiederaufbau Haitis mindestens 3,8 Mrd. Dollar Hilfsgelder. Insgesamt schätzt die UNO den Geldbedarf für die Haiti-Hilfe für die nächsten 10 Jahre auf 11,5 Mrd. Dollar.

Schweizer Hilfe

"Die Schweiz unterstützt den Aktionsplan zum Wiederaufbau und zur Entwicklung Haitis", erklärte Martin Dahinden, Chef der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (Deza), der die Schweiz an der Geberkonferenz vertreten hatte, vor Schweizer Medien in New York.

Haitis Präsident René Préval hatte zuvor den Plan vorgestellt, in dessen Zentrum der Aufbau staatlicher Institutionen und Strukturen stehen. Ganz wichtig sei unter anderem die Bildung. ''Wir wollen ein Land schaffen, in dem niemand ausgeschlossen wird. Die Bildung ist der Schlüssel dazu", sagte Préval.

Riesenherausforderung

Eine Kommission, die vom haitianische Ministerpräsidenten Jean-Max Bellerive und Bill Clinton, dem ehemaligen US-Präsidenten, präsidiert wird, soll die Umsetzung des Planes vorantreiben.

Ziel ist es, die haitianische Regierung innerhalb der nächsten 18 Monate zu befähigen, die Geschicke des Landes selber leiten zu können.

"Dies ist eine sehr grosse Herausforderung", erklärte Deza-Chef Dahinden. Er verwies darauf, dass Haiti bereits vor dem Beben grosse Probleme hatte. Die "Voraussetzungen waren schon vorher extrem schwierig."

"Die Situation ist nicht nur das Resultat einer Naturkatastrophe, sondern auch einer von Menschen gemachten Katastrophe", sagte Dahinden unter Verweis auf die soziale, politische und wirtschaftliche Instabilität des Landes.

Die 36 Mio. Franken der Schweiz kommen aus den Budgets der Humanitären Hilfe und der Deza. 7 der 36 Mio. Franken sollen an multilaterale Institutionen wie die Unicef oder das Welternährungs-Programm gehen.

Zudem ist die Schweiz bereit, Haiti im Rahmen einer multilateralen Entschuldungs-Initiative mit 4 Mio. Franken zu unterstützen. "Dies wird zurzeit vom Staatssekretariat für Wirtschaft geprüft", so Dahinden. Bilaterale Schulden bei der Schweiz hat Haiti keine.

Erfahrungen nutzen

Seit 2004 hat die Schweiz ihre Aktivitäten auf Haiti kontinuierlich ausgebaut, seit 2005 mit einem Deza-Programmbüro auf der Insel.
Auf diesen Erfahrungen und den Kontakten vor Ort wird sie nun auch die mittel- und längerfristige Hilfe aufbauen.

Die Gelder für die nächsten drei Jahre sollen vor allem in Projekte fliessen, die sich auf Basisinfrastruktur-Versorgung in den Bereichen Gesundheit, Bildung und Wasser konzentrieren sowie auf ländliche Entwicklung mit Schwerpunkten Nahrungssicherheit und Wiederaufforstung.

Schlüsselfaktor "Frau"

Bei ihren Programmen setzt die Schweiz auch darauf, Respekt für die Menschenrechte, gute Regierungsführung, rechtsstaatliche Prinzipien und die Eindämmung der Gewalt zu stärken. "Wir betrachten dies als Schlüsselelemente für die Erneuerung Haitis."

Dahinden unterstrich, es sei wichtig, bei den langfristigen Aufbaubemühungen alle Akteure einzubeziehen – staatliche Stellen, die Zivilgesellschaft, den Privatsektor, Haitis Diaspora und externe Partner.

Sehr wichtig sei auch der Einbezug der Frauen in den ganzen Prozess. "Frauen sind ein Schlüsselfaktor für die Entwicklung", erklärte Dahinden.

Zuvor hatte auch US-Aussenministerin Hillary Clinton gefordert, die Frauen in den Wiederaufbau-Prozess einzubeziehen. "Ich klinge wie eine kaputte Schallplatte, wenn ich es immer wieder sage, aber Investitionen in die Frauen sind die besten Investitionen, die ein Land machen kann", sagte Clinton.

Dezentralisierte Entwicklung

Laut dem DEZA-Chef unterstützt die Schweiz eine dezentralisierte Entwicklung Haitis, um die Sogwirkung der Hauptstadt Port-au-Prince nicht noch weiter zu verstärken.

Dahinden verwies auch auf die Solidarität der Schweizer Bevölkerung mit den Menschen in Haiti. Die 55 Millionen, welche die Glückskette sammelte, würden von Schweizer Nichtregierungs-Organisationen (NGO) in Zusammenarbeit mit der DEZA koordiniert und eingesetzt.

Die Skepsis, dass mit gegen 10'000 Hilfsorganisationen in Haiti zu viele Gruppierungen aktiv seien, teilte Dahinden nicht. Er betonte im Gegenteil die wichtige Funktion der NGO und vieler kleiner Initiativen von Exil-Haitianern. Diese könnten zusätzliche Mittel mobilisieren und dafür sorgen, dass die schlimme Situation des Landes im öffentlichen Bewusstsein bleibe.

Rita Emch, swissinfo.ch, New York

Hilfe für Haiti

Die Haiti-Hilfe aus der Schweiz umfasst insgesamt mehr als 100 Mio. Franken. Die bisherige Soforthilfe belief sich auf 12 Mio.

Letzte Woche sprach die Regierung die 36 Millionen für den Zeitraum 2010-2012. Dazu kommen über 55 Mio. aus der Spendensammlung der Glückskette.

Die EU versprach in New York 1,67 Mrd. Dollar (1,2 Mrd. Euro), und die USA sagten 1,15 Mrd. Dollar zu.

Die Weltbank gab bekannt, ihre Hilfszusagen um 250 Mio. Dollar auf 479 Millionen bis Juni 2011 aufzustocken.

Venezuela versprach rund 2 Mrd. Dollar, knapp die Hälfte davon über 10 Jahre verteilt.
Und die Interamerikanische Entwicklungsbank (IDB) sprach 2,2 Mrd. Dollar, vier Fünftel davon auch über 10 Jahre verteilt.

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Armes Haiti

Das Erdbeben vom 12. Januar 2010, dessen Epizentrum nahe der Hauptstadt Port-au-Prince lag, hat den Karibikstaat in Trümmern zurückgelassen. Das Ausmass der Katastrophe ist verheerend.

Die UNO berichten von über 220'000 Toten sowie 300'000 Verletzten. Gegen 1,5 Millionen verloren ihr Obdach und leben nun in provisorischen Unterkünften.

Politische Misswirtschaft und Korruption, Gewalt und Armut (80% der Menschen leben unter der Armutsgrenze) prägen das Land seit Jahrzehnten.

Rund 50% der Bevölkerung haben keinen Zugang zu Trinkwasser. Zudem wurde Haiti in den letzten Jahren immer wieder von Unwetterkatastrophen heimgesucht.

Schon vor dem verheerenden Beben war Haiti das ärmste Land der westlichen Hemisphäre. 2009 rangierte Haiti auf Platz 149 von 182 auf dem "Human Development Index (HDI)", dem Index des UNO-Entwicklungsprogramms (UNDP), der die menschliche Entwicklung in den Ländern misst.

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