Pharma-Industrie kontrollieren
In der Schweiz werden alte Medikamente als neu verkauft. Preisüberwacher und Apotheker fordern jetzt Transparenz.
Für rund 400 alte Medikamente sind patentgeschützte Kopien mit neuen Namen auf dem Schweizer Markt. Damit vermeiden die Pharmaunternehmen Preissenkungen. Jetzt verlangen der Preisüberwacher und die Apotheker von der Zulassungs-Behörde Swissmedic Aufklärung.
Für den Absatz der Medikamente im freien Markt seien die Regeln des freien Wettbewerbs einzuhalten, sagte Preisüberwacher Werner Marti zu einem Bericht der "SonntagsZeitung". "Die Patienten haben das Recht zu wissen, was sie kaufen", so Marti.
Zu Transparenz aufgefordert
Zusammen mit dem Apothekerverein fordert der Preisüberwacher deshalb Swissmedic zu Transparenz auf. Die Zulassungsbehörde müsse den Apothekern und Ärzten mitteilen, bei welchen Arzneimitteln es sich um Kopien handelt. Diese wiederum müssten ihre Patienten und Kunden darüber informieren.
Vor wenigen Tagen war bekannt geworden, dass Novartis das alte Halsschmerzmittel "Sangerol" unter dem Namen "Mebucasol f" als ein neues Medikament auf den Markt gebracht hat, zu einem um 43 Prozent höheren Preis. Die Stiftung für Konsumentenschutz hat dagegen Strafklage eingereicht, unterstützt vom Apothekerverband.
Die Spitze des Eisbergs
Dieser Fall ist nur die Spitze des Eisbergs. Der Preisüberwacher bestätigte die Information der "SonntagsZeitung", wonach in der Schweiz rund 400 solcher Kopien auf dem Markt seien. So habe zum Beispiel das Unternehmen UCB Pharma ihr älteres Heuschnupfenmittel "Zyrtec" kürzlich durch "Xyzal" ersetzt.
Die Firma Abbot habe das Lokalanästhetikum "Carbostesin" durch das chemisch identische "Chirocaine" ersetzt und die Firma Lundbeck das Antidepressivum "Seropram" mit der Kopie "Cipralex".
Preiskontrollen entgehen und Generika-Konkurrenz ausschalten
Gegenwärtig werde auch das umsatzstärkste Medikament in der Schweiz - das Magenmittel "Antramups" des britisch-schwedischen Konzerns Astra Zeneca - kurz vor Ablauf des Patentschutzes abgelöst: durch die wiederum patentgeschützte Kopie "Nexium".
Faktisch werde der Patentschutz des Vorgängerpräparates verlängert. Auf diese Art würden die Pharmaunternehmen staatlichen Preiskontrollen entgehen und die Generika-Konkurrenz ausschalten.
swissinfo und Agenturen

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