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Pädophilie im Internet

Die Schweizer Behörden sind für ihren Kampf weniger dotiert, als ähnliche Dienste im Ausland. swissinfo.ch

Das Internet bedeutete für die Verbreitung von Kinderpornografie ein Quantensprung. An einer Tagung suchen Fachleute Massnahmen dagegen.

Dieser Inhalt wurde am 13. Juni 2002 - 14:55 publiziert

"Diese Tagung ist ein deprimierendes Zeichen dafür, wie sehr die Würde der Kinder weltweit mit Füssen getreten wird", sagte die solothurnische Regierungsrätin Ruth Gisi zur Eröffnung der internationalen Fachtagung "Kinderpornografie im Internet".

Rund 120 Fachleute aus der Schweiz und dem Ausland diskutieren in Balsthal über strafrechtliche und technische Schwierigkeiten sowie Lösungsansätze, um Kinderpornografie im Internet einzudämmen.

Nicht einfach Pornografie

"Pornografische Darstellungen mit Kindern sind nicht einfach Porno-Bilder, sondern der ewige Beweis für sexuellen Missbrauch einer minderjährigen Person", erklärte Steve Quick von der Metropolitan Police aus London.

Abnehmer für solche Bilder seien zu 95% Männer, die Erregung und sexuelle Befriedigung in solchem Material suchten, erklärt der Kriminalbeamte weiter. Die digitalen Bilder seien aber auch die Währung, um im Tausch via das Internet neue Kinder-Sex-Bilder zu erhalten.

Internet als Börse

Die sexuelle Faszination von Männern und Kindern ist kein neues Phänomen. Quick datiert den ältesten Fall in England auf das Jahr 1874. Aber mit dem Internet wurde der Austausch erst richtig möglich.

"Das Internet war ein Quantensprung. Heute sind die Täter, Produzenten wie auch Konsumenten, weltweit miteinander vernetzt. Das ist eine völlig neue Dimension, die nach koordinierten, internationalen Massnahmen verlangt", sagte Andreas Brunner, Präsident der Arbeitsgemeinschaft gegen die kommerzielle sexuelle Ausbeutung von Kindern (ECPAT).

Schweizer unterdotiert

Die beiden grossen Herausforderungen für die Strafverfolgungs-Behörden bestehen darin, die Produzenten aufzuspüren, die Kinder-Pornographie herstellen, wie die ECPAT-Geschäftsleiterin Katrin Hartmann weiter ausführte. Die Behörden sollen aber auch den Konsum, Austausch, Verkauf und Vertrieb solcher Dokumente einschränken.

ECPAT begrüsst die Schritte der offiziellen Schweiz, wie Brunner betonte. Er wies allerdings darauf hin, dass die Schweizer Behörden immer noch deutlich geringer dotiert seien, als ähnliche Dienste im Ausland.

Die Schweiz sei dabei, aus den Startlöchern zu kommen, es müsse aber noch viel getan werden, vor allem in der internationalen Zusammenarbeit.

Parlament fordert Massnahmen

Vor einer Woche verlangten die eidgenössischen Räte griffige Rechtsmittel gegen Kriminalität und Pädophilie im Internet. Nach dem Willen beider Räte muss die Schweizer Regierung eine strafrechtliche Regelung ausarbeiten, damit Internet-Kriminalität verfolgt werden kann. Zusätzlich muss sie ein Instrumentarium erarbeiten, um Pädophilie zu bekämpfen. (Siehe Link).

Auch die Schweizer Bischofskonferenz (SBK) befasst sich mit diesem Thema. An einer Tagung in Einsiedeln beschloss die SBK, die Fachgruppe zu Fragen zur Pädophilie im Priesterberuf in den nächsten Monaten einzusetzen.

Die im März angekündigte Publikation zu diesem Thema werde noch überarbeitet und verfeinert, liess die SBK verlauten.

Philippe Kropf und Agenturen

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