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Oligarchen - die schwierigen Gäste der Schweiz

Wladimir Putin und Viktor Vekselberg (rechts) bei einem Treffen, Moskau 2017. Imago/russian Look

Die Schweiz ist eines der bevorzugten weltweiten Ziele für russische Milliardäre mit Verbindungen zum Kreml. Nur: Wo sind sie?

Dieser Inhalt wurde am 29. März 2022 - 10:25 publiziert

Mehrere Pässe, Visa und Wohnsitze machen es schwierig, den genauen Aufenthaltsort von russischen Oligarchen zu ermitteln. Ganze Heere von Anwältinnen und Anwälten und Finanzdienstleister:innen sind damit beschäftigt, mit Briefkastenfirmen, Treuhandfonds und Zollfreilagern die Spur ihrer Milliarden rund um den Globus zu verwischen.

Das macht es alles andere als einfach, die Fakten von der Fiktion zu trennen. Aber die unverkennbaren Fingerabdrücke einiger sanktionierter Russen sind in der Schweiz immer noch zu finden – und das nicht nur im Bankensystem.

Die bestätigten Wohnsitze

Viktor Vekselberg ist der wohl bekannteste russische Milliardär in der Schweiz. Er liess sich 2007 hier nieder und lebt seither im Land. Dies, obwohl er 2018 und in jüngster Zeit wieder von Sanktionen betroffen war.

Vekselberg hatte seine Ankunft im Land mit einer Reihe von Firmenübernahmen durch seine Holdinggesellschaft Renova angekündigt. Die nach dem Einmarsch Russlands auf der Krim verhängten Sanktionen zwangen ihn, seine Beteiligung an Schweizer Industrieunternehmen zu reduzieren, um diese Firmen nicht Handelsbeschränkungen auszusetzen.

Im März beschlagnahmten die Vereinigten Staaten eine Jacht und einen Privatjet, weil sie Vekselberg enge Verbindungen zu Wladimir Putin vorwerfen.

Dmitry Pumpianski, Moskau 2021. Reuters / Sergei Ilnitsky

Die Mediengruppe Tamedia berichtet von drei weiteren sanktionierten Russen und einer Russin mit einem bestätigten Schweizer Wohnsitz: Andrey Melnichenko, Dmitry Pumpanski sowie dessen Frau und Sohn.

Weniger klar ist, ob Putins angebliche Geliebte Alina Kabajewa zusammen mit dem mutmasslichen gemeinsamen Kind in der Schweiz lebt.

Andrey Melnichenko, Moskau 2018. Reuters / Sergei Karpukhin

Eine Person, die definitiv nicht in der Schweiz wohnt, ist Alischer Usmanow. Der Kanton Waadt sah sich veranlasst, entsprechende Pressegerüchte zu dementieren und erklärte, der Eisenerz-Magnat habe "keine Aufenthaltsgenehmigung in der Schweiz".

Goldene Visa

Roman Abramowitsch, der Besitzer des Fussballclubs Chelsea, pflegt laut Tamedia seit langer Zeit geschäftliche Beziehungen zur Schweiz.

Doch 2016 blockierte die Bundespolizei seinen Antrag auf ein Aufenthaltsvisum im Kanton Wallis. Die Begründung: Er stelle ein "Reputationsrisiko für die Schweiz und eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit" dar.

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Rund 85 Russinnen und Russen haben in der Schweiz ein so genanntes "Goldenes Visum" erhalten, wie das Bundesamt für Migration gegenüber Tamedia erklärte.

Diese Aufenthaltsbewilligungen werden Reichen und Superreichen aus dem Ausland im Schnellverfahren erteilt, wenn die Behörden dies als im "öffentlichen Interesse" erachten.

Abramowitsch gehört demnach nicht zu dieser Personengruppe, nachdem seine Klage gegen den Entscheid der Bundespolizei vor den Schweizer Gerichten auf taube Ohren gestossen war.

Roman Abramowitsch, London 2022. Reuters / John Sibley

Immobilien

Nichts fällt so sehr auf wie eine Villa am See oder ein Ferienhaus in den Alpen. Die Schweizer Behörden und Medien sind auch damit beschäftigt, Immobilien von sanktionierten Russinnen und Russen aufzuspüren.

Kürzlich wurde die luxuriöse Bergvilla von Petr Aven im Berner Oberland beschlagnahmt. Er ist ein Grossaktionär der Gruppe, der die grösste russische Privatbank Alfa gehört.

Petr Aven, Moskau, 2017. Sputnik Via Afp / Maksim Blinov

In den Medien wurden weitere Oligarchen mit Schweizer Immobilien genannt, wie etwa Gennadi Timtschenko.

Der sanktionierte Rohstoff-Magnat war 2014 gezwungen, seine Beteiligung am Ölhandels-Unternehmen Gunvor zu verkaufen, das in Genf tätig ist.

Gennady Timtschenko, Sankt Petersburg, 2017. Imago/russian Look

Die Schweizer Behörden geben zwar an, dass sie Vermögenswerte einschliesslich Immobilien einfrieren. Sie sind aber oft nicht bereit, genauere Angaben zu machen, da sie sich auf Vertraulichkeitsregeln berufen.

Kollateralschäden

Der ehemalige Leiter des Geschäftsbereichs Russland, Mittel- und Osteuropa der Bank Julius Bär, Ewgeni Smuschkovich, musste wegen seiner Verbindungen zu einem sanktionierten russischen Oligarchen zurücktreten.

Die in Zürich ansässige Bankengruppe erklärte, dies sei zum "Schutz der Bank" geschehen, ohne weitere Einzelheiten zu nennen.

Die Medien-Website Inside Paradeplatz berichtet jedoch, dass Smuschkovich mit der Tochter des weissrussischen Oligarchen Mikalai Varabei verheiratet sei. Dieser wurde wegen seiner angeblichen Verbindungen zum weissrussischen Präsidenten Alexander Lukaschenko sanktioniert.

Weiche Faktoren

Wohlhabende Russinnen und Russen zieht es auch aus anderen Gründen als dem Bank- und Geschäftsleben in die Schweiz. Die exklusiven Privatschulen und Krankenhäuser der Schweiz ziehen vermögende Kundschaft aus der ganzen Welt an.

Auch russische Staatsangehörige schicken ihre Kinder auf international renommierte und entsprechend teure Schulen wie das Lyceum Alpinum in Zuoz und das Institut Rosenberg in St. Gallen. Und sie wenden sich an Einrichtungen wie die Hirslanden-Gruppe und die Klinik Schloss Mammern, um eine Fünf-Sterne-Kur zu machen.

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