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Ölpreis-Hoch kühlt Wirtschaft ab

Laut Experten ist auch der Mangel an Raffinerie-Kapazitäten mitschuldig an der Ölverknappung. Keystone

Die Effekte des Ölpreis-Rekords vom Donnerstag in New York wird auch die Schweiz zu Spüren bekommen. Mit dem Sommer wächst der Benzinkonsum.

Dieser Inhalt wurde am 24. Juni 2005 - 08:58 publiziert

Die Preise für Rohöl durchbrechen Rekordmarken in New York und London. Konsumenten und Wirtschaft in der Schweiz dürften ebenfalls davon betroffen werden.

Die rekordhohen Ölpreise knapp vor den Sommerferien sorgen für weiter steigende Benzinpreise. Auch Heizöl wird teurer. Das schwächt den Konsum und verpasst der Schweizer Wirtschaft einen weiteren Dämpfer.

Die Preise für das Fass Öl bewegen sich bei der historischen Höchstmarke von 60 Dollar. Als Grund für den Anstieg nennen Experten die Befürchtungen, dass es zu Versorgungs-Engpässen kommen könnte.

Sorgen bereitet den Experten weniger die Fördermenge - das Angebot hier wird als ausreichend bewertet. Vielmehr bereiten mangelnde Kapazitäten in den Raffinerien Kopfzerbrechen. Diese Verknappung verteuert Ölprodukte wie Benzin, Diesel, Kerosin und Heizöl.

Benzin und Heizöl teurer

In der gegenwärtigen Marktverfassung sei mit einer weiteren Erhöhung der Preise von Benzin und Heizöl zu rechnen, sagt Rolf Hartl, Geschäftsführer der Erdöl-Vereinigung. Neben den höheren Produktpreisen sorge auch der starke Dollar für eine Verteuerung.

Das rekordhohe Preisniveau werden in der Schweiz auch die Konsumentinnen und Konsumenten zu spüren bekommen. Denn der Bedarf nach Benzin und Kerosin ist gerade in der Ferienzeit besonders gross.

Weitere Preisrunden in Aussicht

Nachdem einige Mineralöl-Gesellschaften bereits vergangene Woche eine Preiserhöhung beim Benzin vorgenommen hatten, steht nun eine weitere Preisrunde bevor, wie es hiess.

Wenn sich der Marktpreis weiter gegen oben bewege und die Nachfrager zu höheren Preisen einkaufen müssen, sei eine weitere Erhöhung zu erwarten, sagte BP-Sprecherin Isabelle Thommen. Diese Woche sei kein Preisaufschlag zu erwarten, sagte Migrol-Chef Daniel Hofer.

Nächste Woche will das Unternehmen wieder über die Bücher. Es müsse die Entwicklung am Markt nachvollziehen.

Aber auch Heizöl wird teurer. Dabei liegt der Tankfüllgrad in der Schweiz mit 30,9% auf einem historischen Tief, wie Hartl erklärte. Das heisst, 70% der Heizöltanks in der Schweiz sind vorab wegen den hohen Preisen weiterhin leer. 2002, als der Preis zu wachsen begann, lag der Füllgrad bei 45,5%.

Dämpfer für Wirtschaftswachstum

Noch vor dem Winter müssen die Tanks gefüllt werden. Doch das und die steigenden Benzinpreise schwächen den Konsum, den wichtigsten Wachstumstreiber der Wirtschaft. Aber auch die verarbeitende Industrie wird wegen höherer Produktionskosten von den hohen Ölpreisen in Mitleidenschaft gezogen.

Der hohe Rohölpreis habe Konsequenzen für die Weltwirtschaft, aber auch für die Schweizer Wirtschaft, sagte Valérie Lemaigre, Analystin bei der Genfer Privatbank Lombard Odier Darier Hentsch & Cie (LODH). LOHD hat eine Studie zum Einfluss der Ölpreise auf die Schweizer Wirtschaft verfasst.

Wenn das Niveau des Ölpreises bei 40 Dollar liege, sei für 2006 ein Wachstum von 1,2% zu erwarten. Liege der Preis aber zwischen 55 und 60 Dollar, sei ein Absinken auf unter 1% zu befürchten, heisst es.

In der Nacht zum Freitag bescherte der Ölpreis, der zeitweise 60 Dollar für ein Barrel erreichte, den US-Börsen deutliche Verluste.

Doppelter Preisdruck

Der Preis für Erdölprodukte unterliege einem doppelten Druck, sagt Philippe Cordonier, Sprecher der Erdölvereinigung, gegenüber swissinfo. Einerseits steige der Preis für Rohöl. Und andererseits seien die Kapazitäten für das Raffinieren ungenügend.

Damit steige auch der Preis der Fertigprodukte aus Erdöl. "Dies ist ein weltweites Problem", so Cordonier, "und die Schweiz befindet sich einfach am Ende der Pipeline".

swissinfo und Iris Kronenberg (sda)

In Kürze

Die beiden Raffinerien in der Schweiz, in Collombey (VS) und die Cressier (NE) liefern nur einen Drittel des inländischen Verbrauchs.

Die weiteren zwei Drittel werden als verarbeitete Erdölprodukte direkt zugekauft.

Die beiden Raffinerien existieren seit 40 Jahren. Es gab nie Diskussionen darüber, ob eine dritte gebaut werden soll.

Dies würde am Endpreis ohnehin kaum etwas ändern.

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Fakten

Kräftiges Wachstum der Ölindustrie weltweit 2004.
Ölförderung: +3,3%, Raffinerie-Kapazität: +0.4%, Ölverbrauch: +3,2%.
Hauptsächlicher Wachstumsgrund: Gute Konjunktur in Asien.
Weltweit grösster Verbraucher: USA, gefolgt von China und Japan.
(Quelle: "Öldorado" von ExxonMobil)

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